Kommentar

Essens Gruga ist dicht: Warum etwas Vertrauen helfen könnte

NRZ-Redakteur Wolfgang Kintscher kommentiert die Rechtfertigung der Stadt, den Grugapark weiter geschlossen zu halten.

NRZ-Redakteur Wolfgang Kintscher kommentiert die Rechtfertigung der Stadt, den Grugapark weiter geschlossen zu halten.

Foto: PW / NRZ

Trotz aller Virus-Sorgen: Die Weigerung der Stadt, die Gruga für Publikum zu öffnen, leuchtet NRZ-Redakteur Wolfgang Kintscher nicht recht ein.

Es wundert einen ja doch, dass die Chefs der Ruhrbahn noch auf freiem Fuß sind: Während das Coronavirus auch Läden zur Schließung zwang, in denen man stets allein auf weiter Flur durch die Regalreihen stromert, kutschierte der Nahverkehrs-Anbieter seine Fahrgäste wegen ausgedünnter Fahrpläne über Tage in der Hauptverkehrszeit dicht an dicht durch die Stadt.

Derweil sind Baumärkte und Gartencenter geöffnet und müssen sich allenfalls auf Kontrollen zum Kontaktverbot ein richten. Wir lernen daraus: Es gibt ein gewisses Ungleichgewicht, was die Sorge der Stadt vor einer möglichen Ansteckungsgefahr mit Covid-19 angeht, und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, hier und da bastle man sich die Gefährdungseinschätzung so, wie sie gerade in den Kram passt.

Warum kann man nicht den Grugapark öffnen – und bei Bedarf „nachsteuern“?

Was – außer der Einfachheit einer rigorosen Schließung – hätte eigentlich dagegen gesprochen, auch beim Grugapark eine prinzipielle Öffnung bis zu dem Punkt vorzusehen, an dem Probleme auftauchen? Warum kann man dort nicht genauso „nachsteuern“ wie bei Bus und Bahn oder Baumärkten und den Eintritt so lange dosiert zulassen, wie sich die Menschen an die Spielregeln halten? Wenn bis zu 100 städtische Kräfte in der Stadt Verstöße ahnden, wieso nicht ein paar von ihnen auch in der Gruga?

Es ist kaum zu vermuten, dass das zahlenmäßige Verhältnis von regelbrechenden zu rücksichtsvollen Besuchern innerhalb der Gruga-Umfriedung anders ausfällt als außerhalb. Sperren wir die Wuppertaler Straße, nur weil ein paar bemitleidenswerte Wichtigtuer dort mit 175 Sachen längs heizen?

Man möchte den Entscheidern an dieser Stelle ein wenig mehr Zutrauen in die Vernunft ihrer Bürger wünschen – wenigstens zur Probe, beim mäßigen Andrang unter der Woche. Und danach schauen wir mal, ob dieser Vertrauensvorschuss berechtigt war.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben