Katastrophe

So gut wäre der Essener Dom bei einem Feuer geschützt

Essens Dombaumeister Ralf Meyers spricht von „zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen, die im Ernstfall greifen würden“. Ein Problem könnte der große siebenarmige Leuchter (im Bildvordergrund) sein, weil er „eigentlich nicht evakuiert werden kann“.

Essens Dombaumeister Ralf Meyers spricht von „zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen, die im Ernstfall greifen würden“. Ein Problem könnte der große siebenarmige Leuchter (im Bildvordergrund) sein, weil er „eigentlich nicht evakuiert werden kann“.

Essen.   Wäre eine Katastrophe wie in Notre-Dame in Essen möglich? Die Feuerwehr hat für den Dom spezielle Einsatzpläne, Kunstschätze würden evakuiert.

Kann sich eine Brandkatastrophe wie in Paris auch am Essener Münster ereignen? „Vor technischen oder menschlichen Fehlern gibt es keinen hundertprozentigen Schutz“, sagt Dombaumeister Ralf Meyers. Der Dom, der auf eine 1150-jährige Geschichte zurückblickt, hält allein von der Größe her sicherlich keinen Vergleich mit Notre-Dame stand, die historische Bedeutung allerdings für Essens Geschichte dürfte kaum geringer einzuschätzen sein.

Seit dem Krieg hat der Essener Dom kein Holzdach mehr

„Als ich die erschreckenden Bilder aus Paris gesehen habe, habe ich mich sofort gefragt: Passt bei uns alles? Haben wir an wirklich alles gedacht?“, sagt Meyers. Er spricht von „zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen, die im Ernstfall greifen würden“. Aber die Katastrophe in Frankreich hätte ihn tief getroffen. Und auch seine Kollegen. Bei der nächsten Tagung der europäischen Dombaumeister werde der Brandschutz ganz sicher ein Thema sein.

Wo liegen denn an dem markanten Bauwerk an der Kettwiger Straße die Schwachstellen? Im Gegensatz zu Notre-Dame sei im Dach des Essener Münsters kein Holz verbaut. Nach dem Krieg sei das Holz durch eine Stahlkonstruktion ersetzt worden – und damit nicht so anfällig für Feuer. „Aber in den Glockenstühlen und Türmen ist zum Teil Holz verbaut“, sagt Meyers.

Bei der Essener Feuerwehr sieht man sich für den Ernstfall gut gerüstet. Längst gebe es Einsatzpläne für den Fall der Fälle, „jeder Kollege weiß, was er bei einem Brand zu tun hat“, sagt Essens Feuerwehr-Chef. Aber dies, so Ulrich Bogdahn, dürfe man auch in Notre-Dame voraussetzen.

Regelmäßige Brandschutz-Begehungen im Dom

Von den unzähligen Brandschutz-Begehungen her, die regelmäßig wiederholt werden, schätzt Bogdahn den Brandschutz als „sehr gut“ ein: „Wir haben Lösungen gefunden, die auch den Denkmalschutz nicht beeinträchtigen.“ So verfügten die Kirchentürme über Steigleitungen für die Sprinkleranlagen. Wo es im Notfall Wasseranschlüsse gebe, sei bekannt, ebenso die Aufstellpunkte für die Drehleitern auf Burgplatz und der Kettwiger Straße. Und dennoch stelle der enge Dachstuhl über dem Gewölbe eine Herausforderung dar: „Es ist sehr eng, das ist beim Löschen sehr schwierig.“

Evakuierungspläne für die Schätze im Dom

Für die Schätze im Dom, allen voran natürlich die Goldene Madonna, gebe es Evakuierungspläne und Absprachen mit dem Bistum, wo sie im Notfall sofort gelagert werden können: „Das sind hochsensible Kunstschätze, von unschätzbarem Wert“, sagt Christian Kromberg als Ordnungsdezernent und Mitglied im Beirat des Münsterbauvereins. Dombaumeister Ralf Meyers spricht von einer Prioritätenliste, auf der geregelt sei, in welcher Reihenfolge die Schätze gerettet werden sollen. Aber es gebe auch Dinge, die „eigentlich nicht evakuiert werden können“ – wie den großen siebenarmigen Leuchter. „Über solche Punkte müssen wir noch einmal nachdenken.“

Rund 30 Kunstwerke in Ober- und Erdgeschoss und am Dom sind aufgelistet, „die können Sie nicht alle hinaustragen“, sagt Kromberg. „Vieles können Sie nur vor den Flammen schützen.“ Doch selbst dafür gebe es Schutzdecken, wie Thomas Lembeck als stellvertretender Feuerwehr-Chef berichtet. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, den Brand schon im Ansatz zu ersticken und ihn nicht wie in Paris zu einem Großbrand werden zu lassen. Sonst wird es auch für uns schwer.“

>> DER ESSENER DOM UND DAS FEUER

  • Bei Angriffen im Zweiten Weltkrieg ist der Essener Dom 1943 ausgebrannt. Zwei verheerende Feuer haben auch die Vorgängerkirche heimgesucht, das war in den Jahren 946 und 1275.
  • In jüngster Zeit hat es keine Zwischenfälle gegeben. Dombaumeister Ralf Meyers erinnert sich aber an manchen Fehlalarm – ausgelöst „durch den unermüdlichen Einsatz von Weihrauch“.

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