Jahresbilanz

Essens Feuerwehr muss jeden Tag zu 430 Einsätzen raus

 Großbrand auf dem Gelände eines Verpackungsbetriebes an der Karnaper Straße in Essen.

 Großbrand auf dem Gelände eines Verpackungsbetriebes an der Karnaper Straße in Essen.

Foto: anc-news

Essen.   Rettungswagen hatten bei der Essener Feuerwehr die meisten Einsätze. 2018 gab es fünf Brandtote, 56 Menschen konnten gerettet werden.

Essens Berufsfeuerwehr kostet jeden Bürger dieser Stadt im Monat neun Euro. Dafür kann sich jeder Essener auf die Arbeit der 773 Männer und sieben Frauen verlassen. Und daran war auch im Jahr 2018 ausweislich der Zahlen, die Feuerwehr-Chef Ulrich Bogdahn am Dienstag bei seiner letzten Jahrespressekonferenz vor der Pensionierung im August auf der Hauptwache an der Eisernen Hand vorstellte, kein Mangel: Genau 157.152 Einsätze musste die Feuerwehr stemmen, 4,9 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.

Rettungsdienste machen 91 Prozent der Arbeit

Daraus errechnet sich ein durchschnittlicher Wert von 430,55 Einsätzen an jedem Tag des Jahres. Alle 200 Sekunden rückt zwischen Kettwig und Karnap ein Einsatzfahrzeug aus, wobei es in der Regel die Rettungs- oder Krankenwagen sind. Auf sie allein entfallen 143.382 Fahrten, auch dies ist ein Plus von 5,4 Prozent. Insgesamt macht ihr Einsatzgeschäft gut 91 Prozent der täglichen Feuerwehr-Arbeit aus. Ein Großteil davon wird von den Hilfsorganisationen – DRK, Malteser, Johanniter und ASB – übernommen.

Doch weitaus spektakulärer sind die Einsätze bei Bränden, nach Stürmen oder Starkregen, vor allem deren Folgen für Menschen. Konnte die Feuerwehr 2017 erstmals seit 1989 ein Jahr ohne Brandtote vermelden, setzte sich dieser Trend im vergangenen Jahr nicht fort: „Wir hatten zwei Menschen, die wir nur noch tot aus ihren brennenden Wohnungen bergen konnten, dazu kamen drei, die später im Krankenhaus ihren Verletzungen erlagen. In einem der fünf Fälle war es leider ein Suizid“, sagt Feuerwehr-Direktor Ulrich Bogdahn.

Feuerwehr zählt 153 Mittel- und Großbrände

Dabei ist die Zahl der Brände nahezu konstant geblieben: 153 Mittel- und Großbrände, dazu 1087 Kleinbrände. Insgesamt konnten 56 Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet werden. Sturmtief Friederike im Januar 2018 und der extreme Starkregen-Tag am 7. Juni ließen die Zahlen bei den Technischen Hilfen spürbar steigen. Genau 5541 Hilfeleistungen bedeuten ein Plus von fast 50 Prozent: Bäume wegräumen, Keller leerpumpen, Dächer sichern – „wir bekommen den Klimawandel zu spüren“, so Bogdahn.

Etwas ändern möchten er und sein designierter Nachfolger Thomas Lembeck bei der Entwicklung der Notfallrettungen, die einen Zuwachs von 5,5 Prozent auf 71.769 Einsätze erlebten: „Die sind nicht alle notwendig, wir gehen davon aus, dass bei 30 bis 40 Prozent der Kassenärztliche Notdienst die sinnvollere Wahl gewesen wäre.“ Das müsse man auch vor dem Hintergrund sehen, dass ein Notarzt-Wagen etwa eine halbe Million Euro im Jahr kostet bei 3700 Einsätzen. „Hier müssen wir alle drei, vier Jahre nachjustieren.“ Und einen neuen Wagen dazunehmen.

Immer mehr Intensivtransporte zu den Kliniken

Stärker in Anspruch genommen werden bei der Feuerwehr auch die „Intensivtransporte“, von den Intensivstationen zu den Reha-Kliniken oder speziellen Intensiv-Pflegehäusern: „Die Überstellung läuft heute viel früher“, sagt Bogdahn. „Wir sind zu 100 Prozent Gesundheitsstadt, deshalb können unsere Krankenhäuser und Kliniken hier alles anbieten.“

Das hat für die Essener Feuerwehr gewisse Vorteile: So ist es durch die Kooperation mit den Essener Krankenhäusern gelungen, 345 Notfall-Sanitäter auszubilden, weit vor der gesetzlich vorgegebenen Frist zum Jahresende: „Das wird uns im Einsatz helfen.“

Gewalt gegen Einsatzkräfte liegt im Promillebereich

Kein Thema im Jahresbericht und auch nicht bei den Einsatzgruppen sei das Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte: „Aus unserer Sicht wird das dramatisiert, wir reden hier über Fallzahlen im Promillebereich“, betonten Feuerwehr-Chef Ulrich Bogdahn und Ordnungsdezernent Christian Kromberg. Im ganzen Jahr sei es in vier, fünf Fällen zu Beschimpfungen vor Ort gekommen, bei über 157.000 Einsätzen. Dies sehe bei der Polizei sicher anders aus. „Meistens sind die Leute sehr froh, wenn wir kommen.“

>>>>Essens Feuerwehr

  • Essens Berufsfeuerwehr hat einen Jahresetat von rund 110 Millionen Euro. 85 Prozent davon werden zur Deckung der Personalkosten benötigt. Aktuell sind an der Eisernen Hand 780 Feuerwehrleute angestellt, darunter sieben Frauen und aktuell 36 Auszubildende. Vor allem der Nachwuchs macht der Essener Feuerwehr große Sorgen: „Es wird immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden.“
  • Die Freiwillige Feuerwehr kann sich auf 550 Mitglieder stützen, dazu kommen 200 Mitglieder der Jugendfeuerwehr, die sich vor allem bei der Bewässerung der Bäume im heißen und trockenen Sommer bewährten.

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