Vermisste

Essenerin seit Mai vermisst: Ehemann geht durch die Hölle

Reinhard Schetters mit einem Foto aus glücklichen Tagen. Seine Frau Petra ist seit Mai spurlos verschwunden.

Reinhard Schetters mit einem Foto aus glücklichen Tagen. Seine Frau Petra ist seit Mai spurlos verschwunden.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Essen.  Am 19. Mai ist Petra Schetters aus Dellwig spurlos verschwunden. Die Polizei hat keine Hinweise. Der Ehemann bleibt mit seinen Ängsten allein.

Es ist der 19. Mai dieses Jahres, als Reinhard Schetters auf dem heimischen Bett in Essen-Dellwig aufwacht. Seine Frau Petra, die sich zum Mittagsschlaf neben ihn gelegt hatte, ist nicht mehr da. Auf einem Zettel auf dem Schreibtisch hat sie eine kurze Botschaft hinterlassen: „Bin auf dem Friedhof.“ Schetters denkt sich nichts dabei, seine Frau besucht häufiger alleine das Grab ihrer Eltern und Schwestern. Der Rentner bereitet das gemeinsame Abendessen vor. „Am Spätnachmittag bin ich nervös geworden, es war doch längst Zeit für die Rückkehr vom Friedhof“, erzählt der Dellwiger. Dieses allererste Gefühl der Unsicherheit war aber nur das Tor zu der Hölle, durch die Schetters seit diesem Tag geht. Denn seine Petra ist bis heute wie vom Erdboden verschluckt.

„Der Fall ist komplett offen“, bestätigte Polizeisprecherin Judith Herold am Montag. Trotz aller Ermittlungen gebe es keine neuen Erkenntnisse. Ob Petra Schetters an einem unbekannten Ort lebt, einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein könnte oder Suizid begangen habe, sei ungeklärt. Es gebe einfach keinen Hinweis, weder auf das eine, noch das andere.

In der Nacht bleibt der Ehemann mit seinen Ängsten allein

Nach ihrem Verschwinden geht Reinhard Schetters den Weg ab, den seine Frau genommen haben muss, fährt zu den vielen Freunden der geselligen 58-Jährigen. Nichts, auch damals schon ergibt sich nicht der kleinste Hinweis auf ihren Verbleib. In der Nacht bleibt Schetters mit seinen Ängsten allein. Als er am nächsten Morgen zum Polizeirevier geht, traut er seinen Ohren nicht. „Zerbrechen Sie sich doch nicht den Kopf, sie wird schon wieder auftauchen“, rät ihm der Beamte, so erzählt es Schetters. Eine Vermisstenanzeige sei nicht aufgenommen worden.

Zwei Tage später wendet er sich ans Polizeipräsidium Essen - und erhält Hilfe. Dort wird veranlasst, dass ein Kanal nahe dem Friedhof von Tauchern und mit Sonarbooten abgesucht wird. Auch Suchhunde und eine Hundertschaft sind im Einsatz und finden nichts. Nur so viel ist klar: Die Frau kam am Grab an, verließ den Friedhof - danach verliert sich ihre Spur. Auch die Suche nach Kontobewegungen - die Arzthelferin hatte ihr Portemonnaie samt Scheckkarten dabei - ergibt nichts.

In 16 Ehejahren hat es Streit oder Unstimmigkeiten nicht gegeben

Streit oder Unstimmigkeiten habe es in 16 Ehejahren nicht gegeben, sagt Schetters, früher Betriebsleiter einer Firma. „Vermuten tut man alles, das fängt bei Entführung an über Suizid und hört bei Mord auf. Da wird man wahnsinnig.“ Was, wenn seine Frau tot gefunden würde? „Das wäre die Katastrophe schlechthin, aber ich könnte das abschließen. Die ewige Ungewissheit wäre vorbei.“

In der gemeinsamen Wohnung hat Schetters die Sachen seiner Petra nicht angerührt. „Nicht einen Hut habe ich weggepackt. Ich warte noch immer darauf, dass meine große Liebe nach Hause kommt.“

Aktuell zählt die Essener Polizei 22 Fälle von Langzeitvermissten, von denen seit mehr als einem Jahr jede Spur fehlt. Darunter der verschwundene Promi-Gastronom Santo Sabatino oder Pierre Pahlke, dessen Spur die Ermittler bis nach Amsterdam führte, oder der Kettwiger Ralf K., der im Februar 2017 unter ebenfalls ungeklärten Umständen verschwand. Insgesamt aber hat die Zahl der Vermisstenmeldungen an die Essener Polizei kontinuierlich abgenommen: von 1902 im Jahr 2016 auf 1131 im vergangenen Jahr. (j.m./dpa)

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