Bleiberecht

Roma-Familie droht nach 27 Jahren die Abschiebung

Die Kinder der Familie wurden in Deutschland geboren und sind hier aufgewachsen. Nun sollten sie in den Kosovo abgeschoben werden. Die Sprache sprechen sie nicht.         

Die Kinder der Familie wurden in Deutschland geboren und sind hier aufgewachsen. Nun sollten sie in den Kosovo abgeschoben werden. Die Sprache sprechen sie nicht.        

Foto: DM

Essen.   Mirie Maqani und ihre fünf minderjährigen Kinder sollen nach Jahrzehnten in Deutschland abgeschoben werden. Ein Skandal, klagen die Grünen.

Die drohende Abschiebung einer Roma-Familie hat am Mittwoch für Empörung und Unverständnis gesorgt. Mirie Maqani (45) und ihre fünf minderjährigen Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren waren am frühen Morgen von Mitarbeitern der Ausländerbehörde und Polizeibeamten aus ihrer Wohnung an der Kopernikusstraße in Altendorf geholt worden. Die Familie sei in ein Flugzeug gesetzt worden. Das Ziel: der Kosovo.

Der Versuch, die Abschiebung mit Hilfe eines Anwalts per Eilantrag an das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen zu verhindern, scheiterte. Erst in allerletzte Minute wurde der Flug doch noch abgesagt, berichtete Ahmad Omeirat, integrations- und ordnungspolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion. Warum, blieb offen. Die Familie sei in eine Unterkunft nach Mönchengladbach gebracht worden. Wie es für sie weitergeht, ist unklar.

Denis Maqani zeigte sich im Gespräch mit der Redaktion verzweifelt über die drohende Abschiebung seiner Mutter und seiner Geschwister. Er selbst und seine Geschwister seien in Deutschland geboren. Die Jüngeren gehen noch zur Schule. Im Kosovo habe die Familie weder Verwandte noch eine Bleibe. „Meine Geschwister sprechen nicht einmal die Sprache. Sie sprechen nur Deutsch.“ Der Kosovo sei für sie ein fremdes Land.

„Der Kosovo ist für sie ein fremdes Land“

Mirie Maqani war den Worten ihres Sohnes nach im Alter von 17 Jahren nach Deutschland gekommen. Ein Bleiberecht erhielt sie nicht. In den vergangenen Jahrzehnten sei seine Mutter immer wieder aufgefordert, das Land zu verlassen. Völlig überraschend sollte sie dann mit ihren Kindern in den Flieger steigen, berichtet Denis Maqani. Der 24-Jährige ist nach eigenen Worten berufstätig und verheiratet, hat wie seine älteren Brüder einen sicheren Aufenthaltsstatus. Sein Sohn habe die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Vorsitzende der Essener Grünen, Gönül Eglence, übte harsche Kritik am Vorgehen der Behörden. „Es ist ein Skandal und in keiner Weise hinnehmbar, dass eine Roma-Familie, die seit 27 Jahren in Essen lebt, gut integriert ist und sich nie etwas hat zu Schulden kommen lassen, nun auseinander gerissen werden soll. Wir verurteilen dieses Vorgehen als zutiefst unmenschlich.“ Kritikwürdig sei die Abschiebung auch deshalb, weil die Härtefallkommission noch gar nicht entschieden habe, „zumindest nicht negativ“.

Grüne kritisieren Ausländerbehörde

Eglence wirft die Frage auf, warum die Essener Ausländerbehörde so restriktiv vorgegangen sei. Die Stadt Köln beispielsweise bemühe sich um ein dauerhaftes Bleiberecht für so genannte Langzeitgeduldete, sofern diese sich in die Gesellschaft integrieren. Auch Landes-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) hatte sich jüngst dahingehend geäußert. Integrationsverweigerer oder Kriminelle sollten hingegen schneller abgeschoben werden, so der Minister.

Seine Familie sei nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten, betont Denis Maqani. „Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen.“

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