Einkommensstudie

Essener haben deutlich weniger Einkommen als im Jahr 2000

Den Essenern bleiben im Schnitt

Den Essenern bleiben im Schnitt

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Essen.   Laut Statistik stehen jedem Essener 20.159 Euro für Ausgaben pro Jahr zur Verfügung. Essen rutscht im Gegensatz zu vielen anderen Städten ab.

Essen ist ärmer geworden: Im Schnitt haben die Essener heute weniger Geld für Ausgaben zur Verfügung als noch im Jahr 2000. Das geht aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor, die die verfügbaren Einkommen der Städte und Regionen in Deutschland vergleicht.

So lag das verfügbare Einkommen in Essen im Jahr 2016 (das sind die aktuellsten Zahlen, die vorliegen) im Durchschnitt bei 20.159 Euro pro Kopf. Das bedeutet einen deutlichen Rückgang um 3,7 Prozent, während die Menschen in den meisten anderen Regionen in Deutschland und NRW mehr Einkommen erzielen als vor 17 Jahren. Die Studie zeigt zudem: Essen ist neben Nürnberg die einzige der 15 deutschen Großstädte, in denen das verfügbare Einkommen zwischen 2000 und 2016 zurückging.

„Überraschend ist das nicht“, sagte Essens DGB-Vorsitzender Dieter Hillebrand. Essen habe in den vergangenen Jahrzehnten gerade in der Metallbranche mit ihren relativ gut bezahlten Arbeitsplätzen viele Betriebe verloren. Zwar erlebe die Stadt seit Jahren einen steten Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. „Aber diese Jobs bieten längst nicht das Einkommensniveau, das wir zu Zeiten der Industrie hatten“, so Hillebrand.

Gut bezahlte Industriearbeitsplätze schrumpfen seit Jahrzehnten in Essen

Laut Industrie- und Handelskammer gibt es in der Region Essen, Mülheim und Oberhausen heute 40 Prozent weniger Arbeitsplätze in Produktionsbetrieben als im Jahr 1995. Das ist ein überdurchschnittlicher Abbau gewesen, denn landesweit betrug das Minus 25 Prozent. Im Gegensatz dazu ist in den vergangenen Jahren besonders der Dienstleistungsbereich in Essen gewachsen, der heute 70 Prozent der Arbeitsplätze stellt. Handel, Logistik, Gesundheitswirtschaft aber auch Dienstleister wie Callcenter sind die Beschäftigungstreiber gewesen. Allerdings zahlen diese Branchen schlechter als die Industrie und bieten auch mehr Teilzeitarbeitsplätze an.

Hinzu kommt aus Sicht der IHK, dass der Beschäftigungsaufbau in Essen an den Essenern selbst teilweise vorbeigegangen ist. „Wir haben zwar viele neue Arbeitsplätze, von denen auch viele gut bezahlt werden. Aber der deutliche Zuwachs der Pendler zeigt, dass der Effekt an umliegende Städte gegangen ist“, betonte der Konjunkturexperte der IHK, Heinz-Jürgen Hacks. Die Einkommensstatistik nämlich richtet sich nach dem Wohnort.

Konzerne in Essen stabilisieren das Einkommensniveau

Spitzenreiter beim Einkommen in NRW ist der Kreis Olpe mit 27.132 Euro. Auch wenn Essen da deutlich hinterher hinkt, steht die Stadt beim verfügbaren Einkommen immer noch besser da, als viele andere Ruhrgebietsstädte. In Bochum liegt das durchschnittlich verfügbare Pro-Kopf-Einkommen bei 19.620 Euro. Die bundesweiten Schlusslichter sind Duisburg (16.881 Euro) und Gelsenkirchen (16.203 Euro).

Trotz ähnlich hoher Arbeitslosigkeit und dem fortwirkenden Strukturwandel nach dem Bergbau profitiert Essen von der Konzernstruktur. „Die Konzerne haben eine stabilisierende Wirkung“, sagt auch Hacks. Sieben der 100 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland haben ihren Sitz in der Stadt. In der Regel zahlen sie gute Tarifeinkommen oder sogar überdurchschnittlich.

Was Essen gegenüber anderen Ruhrgebietsstädten außerdem besser dastehen lässt, ist der begüterte Süden der Stadt, wo es viele einkommensstarke Haushalte gibt. „Die ziehen Essen über den Durchschnitt“, meint Hacks.

>>>Was das verfügbare Einkommen bedeutet<<<

  • Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte ist das Einkommen, welches sie für ihren Konsum verwenden oder sparen können. Es errechnet sich, indem zu den Primäreinkommen der privaten Haushalte auf der einen Seite die von staatlicher Seite empfangenen Transfers (z.B. Sozialleistungen) addiert und auf der anderen Seite die Einkommen- und Vermögensteuern, Sozialbeiträge abgezogen werden.
  • Höhe und Entwicklung des verfügbaren Einkommens werden damit von den Einkommen aus Erwerbstätigkeit und Vermögen, aber auch von den Transferzahlungen und zu leistenden Steuern und Beiträgen beeinflusst.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben