Neue Züge

Essen: Deutsche Bahn muss die meisten Bahnsteige umbauen

Auch am Essener Hauptbahnhof sind die Bahnsteige für die neuen Züge des VRR zu hoch. Der Höhenunterschied lässt sich mit Hilfe einer Rampe überwinden.

Auch am Essener Hauptbahnhof sind die Bahnsteige für die neuen Züge des VRR zu hoch. Der Höhenunterschied lässt sich mit Hilfe einer Rampe überwinden.

Foto: Foto: Socrates Tassos

Essen.  An den meisten Essener Bahnhöfen sind die Bahnsteige für die neuen S-Bahnen zu hoch. VRR und die Bahn versprechen Abhilfe. Doch das dauert.

Der Fahrplanwechsel im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat es mit sich gebracht, dass es Gewinner und Verlierer gibt, heißt es unisono beim VRR und bei der Deutschen Bahn. Zu den Verlierern zählen zweifellos jene Fahrgäste, die in ihrer Bewegung stark eingeschränkt sind, weil sie zum Beispiel auf einen schweren Elektro-Rollstuhl angewiesen sind. Denn das Ein- und Aussteigen wurde ihnen mit dem Fahrplanwechsel an den meisten Essener Bahnhöfen und S-Bahnstationen erschwert. Und an dieser, für die betroffenen misslichen Situation wird sich so schnell nichts ändern.

Hintergrund: Seit dem Fahrplanwechsel sind auf vielen S- und Regionalbahnlinien neue Züge unterwegs. Die Fahrzeuge des Herstellers Stadler Pankow sind auf Bahnsteige mit einer Höhe von 76 Zentimetern ausgelegt. Auf dieses Maß haben sich der Verkehrsverbund und weitere Aufgabenträger in NRW mit der Bahntochter Station & Service und der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe verständigt. Angestrebt wird eine einheitliche Einstiegshöhe im Nah-, Regional und Fernverkehr, heißt es bei der Deutschen Bahn.

Nur wenige Stationen in Essen verfügen über die gewünschte Bahnsteighöhe

Der Haken: Die meisten Bahnsteige in Essen sind 96 Zentimeter hoch, so auch am Hauptbahnhof und am S-Bahnhof Steele. Nur am Bahnhof Altenessen und an den sechs kleineren Stationen Dellwig, Dellwig-Ost, Borbeck-Süd, Bergeborbeck, Zollverein-Nord und Steele-Horst sind es 76 Zentimeter.

Die überwiegende Zahl der Bahnsteige muss erst noch auf die gewünschte Höhe abgesenkt werden. Wann welcher Bahnhof an der Reihe ist, bleibt offen. Einen konkreten Zeitplan für Essen gebe es nicht, sagt dazu ein Sprecher der Deutschen Bahn. Beim VRR heißt es, bis zum Jahr 2030 soll für 90 Prozent der Fahrgäste im Bereich des Verkehrsverbundes ein niveaugleicher Einstieg möglich sein.

Aktuell sind die neuen Züge laut VRR in Essen auf den S-Bahnlinien S2 und S9 unterwegs. Auch die Regionalbahnen RB 32 und RB 40 sowie der Regionalexpress RE 49 fahren mit den neuen Stadler-Fahrzeugen. Ab März kommt die S3 hinzu, wenn auch dort das private Bahnunternehmen Abellio den Betrieb übernimmt. Noch fährt dort die Deutsche Bahn mit älteren S-Bahnzügen. Gleiches gilt für die Linie S6. Erst ab 2023 soll auch diese Linie neu ausgeschrieben werden.

Damit auch bis zum Umbau der Bahnsteige ein komfortabler Ein- und Ausstieg möglich ist, sind die Türen mit 2,10 Metern besonders hoch. So könnten auch große Fahrgäste trotz des Niveauunterschiedes zwischen Bahnsteig und Fahrzeug bequem ein- und aussteigen, schreibt der VRR auf seiner Internet-Seite. Niemand müsse fürchten, er könne sich den Kopf stoßen. Der Hinweis ist augenscheinlich ernst gemeint.

Rollstuhlfahrer sind auf eine Rampe angewiesen, wollen sie mitfahren

Rollstuhlfahrer und andere in ihrer Mobilität stark eingeschränkte Personen sind allerdings häufiger auf Hilfe angewiesen, als es vor dem Fahrplanwechsel der Fall war. Oder um mit dem VRR zu sprechen: Es gibt mehr Verlierer als Gewinner. Den Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteigkante können sie über eine Rampe überwinden, die an das Fahrzeug angelegt werden muss. Dafür zuständig ist das Begleitpersonal, das auf den Zügen mitfährt.

Udo Vogel ist Rollstuhlfahrer, fährt häufig mit der S9, und hat die Erfahrung, dass manchmal nur der Lokführer an Bord ist. Tagsüber könne dies aufgrund von Personalmangel der Fall sein, obwohl das Begleitpersonal mitbestellt worden sei, heißt es beim Verkehrsverbund.

Als Udo Vogel jüngst am Hauptbahnhof in die S-Bahn steigen wollte, musste der Lokführer Bahnmitarbeiter am Bahnsteig um Hilfe bitten. Zu allem Überfluss ließ sich die Rampe nicht öffnen. „Man hat mir angeboten, mich in den Zug zu tragen“, berichtet Udo Vogel, der dankte abwinkte und es vorzog, eine halbe Stunde auf die nächste S-Bahn zu warten. Denn wie bitteschön hätte er denn wieder aussteigen sollen?

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