Aalto-Ballett

„Dornröschen“ im Aalto: Der Prinz bekommt ein echtes Pferd

Der Auftritt will geübt sein: Theatermeister und Pferdebesitzer Udo Bröck (rechts) führt Missouri Foxtrotter Mystery mit Artem Sorochan als Prinz bei der Probe für „Dornröschen“ im Aalto-Theater über die Bühne.

Der Auftritt will geübt sein: Theatermeister und Pferdebesitzer Udo Bröck (rechts) führt Missouri Foxtrotter Mystery mit Artem Sorochan als Prinz bei der Probe für „Dornröschen“ im Aalto-Theater über die Bühne.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Alle Tänzer lieben Mystery. Die gelassene Stute setzt der Choreographie des Märchenballetts schon bei den Proben im Aalto-Theater die Krone auf

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Klassische Ballette sind heiß begehrt. Bevor „Dornröschen“ am 9. November Premiere im Aalto-Theater hat, gibt es für die Vorstellungen in diesem Jahr nur noch Restkarten. Es liegt aber auch daran, dass Ballettintendant Ben Van Cauwenbergh bei seinen Choreographien gerne aus dem Vollen schöpft.

In seiner Version von Tschaikowskis Märchenballett nach Marius Petipa setzt er neben einem Kind auch Tiere auf der Bühne ein, die stets für Begeisterung bei den Zuschauern sorgen. Laura Kubicko, bereits im „Nussknacker“ zu sehen, verkörpert Dornröschen als Kind, sieben englische Spaniel und ein Pferd mischen die Jagdszene auf. Da kann er von Glück sagen, dass die vierjährige, fuchsrote Stute Mystery einer äußerst gelassenen Rasse angehört.

„Wegen ihrer ruhigen Gangart werden sie auch Rolls Royce für Cowboys genannt“

Einen Schimmel wird es für den Prinzen Artem Sorochan nicht geben. „Wichtig ist für den Auftritt nicht die Farbe des Pferdes, sondern ob es geeignet ist.“ Aus Theatermeister Udo Bröck spricht Wissen und Stolz. Er sprudelt vor Begeisterung. Denn Mystery ist eines von drei Pferden, das mit ihm und seiner Familie auf einem Resthof in Hattingen lebt. Zwei gehören der Rasse Missouri Foxtrotter an, die zu den ältesten Züchtungen in den USA zählen. „Sie sind sehr menschenbezogen, folgsam, schnell und trittsicher im Gelände. Wegen ihrer ruhigen Gangart werden sie auch Rolls Royce für Cowboys genannt“, erzählt Udo Bröck, der bereits seit 1989 am Aalto arbeitet und mit seiner jetzigen Frau zum Pferd kam.

„Wenn es ein Pferd belasten könnte, würde ich ihm das nicht antun“

Als Ben Van Cauwenbergh ihn fragte, ob eines der Pferde mitmachen könnte, war er sofort bereit, das auszuprobieren. „Wenn es ein Pferd belasten könnte, würde ich ihm das nicht antun, nur um dem Haus etwas Gutes zu tun“, meint der 54-Jährige.

„Schreckhaft sind die Pferde nicht“

Obwohl die Pferde schon 24 Stunden in einem Trailer und den Flug nach Europa gut überstanden haben, musste geprüft werden, ob sie dem Stress auf der Bühne mit gleißendem Scheinwerferlicht, Musik und Tanz gewachsen sind. „Man benötigt eine Erlaubnis vom Veterinäramt, um ein Tier zur Schau stellen zu dürfen“, so Udo Bröck.

Ist die Fahrt mit dem Lastenaufzug geschafft, wird es von Bröck mit dem Prinzen auf dem Rücken in die Jagdszene geführt und es fällt ein Schuss. Also muss das Tier auch schusssicher sein und darf nicht seinem Fluchtinstinkt folgen. „Schreckhaft sind die Pferde nicht. Das liegt an der guten Ausbildung. Und es vertraut mir als dem Chef der Herde blind“, sagt Udo Bröck.

Er hat zuerst als Bühnenarbeiter, dann als Theatermeister viele Tiere auf der Bühne des Musiktheaters erlebt. Die Pferde-Kutsche in „Luisa Miller“, das Pony nebst Hund in „Das Feuerwerk“, den Esel in „La forza del destino“ oder den Papagei in „Der Rosenkavalier“, der gekauft und von Mitarbeitern des Theaters liebevoll versorgt wurde.

Schwierigkeiten habe es nie gegeben. „Wir haben immer Glück gehabt.“ Dieses Mal aber will man mit einem Plan B auf Nummer sicher gehen: Neben Mystery tritt auch die fast identisch aussehende Anytime Lady auf, „falls sie mal einen Schnupfen hat“.

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