Sternwarte

Die Sternwarte in Essen-Schuir feiert ihren 50. Geburtstag

In einer der fünf Beobachtungsstationen, die zur Walter-Hohmann-Sternwarte in Essen-Schuir gehören, steht Udo Siepmann, der zum Vorstand des Vereins gehört.

In einer der fünf Beobachtungsstationen, die zur Walter-Hohmann-Sternwarte in Essen-Schuir gehören, steht Udo Siepmann, der zum Vorstand des Vereins gehört.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Schuir.  Mondfinsternis, Sternschnuppen und Sonne: Die Hobbyastronomen von der Walter-Hohmann-Sternwarte laden zum Beobachten ein – seit 50 Jahren.

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Zwischen Wiesen und Feldern treffen im ländlichen Schuir große Leidenschaft und enorme Technik aufeinander: Ob Mond, Sonne oder Galaxien, in der Walter-Hohmann-Sternwarte kann jeder zu den Sternen schauen. Möglich machen das die Hobbyastronomen, die vor genau 50 Jahren ihren Verein gründeten. Zahllose Vorträge, Kurse und Ausstellungen gehören seitdem ebenso zur Vereinshistorie wie wissenschaftliche Neugier, die Entdeckung der Essener Kleinplaneten – und der Wunsch, Besuchern die Faszination für das Universum zu vermitteln.

Den Grundstein dafür legte ein Freundeskreis Anfang der 1960er Jahre mit einem ersten Teleskop und seinen Beobachtungsabenden, für die sich die Amateur-Astronomen in einem Heidhauser Garten trafen. Daraus entstand im Oktober 1969 ihr Verein „Astronomische Arbeitsgemeinschaft Essen“. Eine rege Öffentlichkeitsarbeit, Vorträge im Ruhrlandmuseum sowie ein rascher Anstieg der Mitgliederzahl prägten die Anfänge des Vereins, der seit 1971 den Namen der Sternwarte trägt.

Interessen reichen von reiner Beobachtung bis zu wissenschaftlichern Ambitionen

„110 Mitglieder zählen dazu, ein Drittel sind Frauen, darunter die Vorsitzende Claudia Henkel“, sagt Udo Siepmann (68), der zum Vorstand zählt. Der 68-Jährige war Hauptgeschäftsführer der Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer, seit zehn Jahren widmet er sich im Verein den Sternen. Sein Steckenpferd: Astrofotografie. Die Interessen der Mitglieder seien insgesamt breitgefächert, reichten von der Leidenschaft für die reine Beobachtung bis zu wissenschaftlichern Ambitionen, sagt Udo Siepmann. Ereignisse wie im Januar die Mondfinsternis oder Sternschnuppen lockten wiederum zahlreiche Besucher in die Sternwarte.

Die befindet sich seit 1978 an der Wallneyer Straße auf dem rund 6000 Quadratmeter großem Gelände, das der Verein samt der ehemaligen Zwergschule von der Stadt gepachtet hat. Entstanden sind fünf Beobachtungsstationen, darunter die wohl auffälligste mit der runden Kuppel von 1990. Das Dach lässt sich per Handkurbel öffnen, so dass der Blick durch das Spiegelteleskop auf planetarische Nebel („Reste von Sternen) oder weit entfernte Galaxien fällt. „Es sind Objekte, die stark vergrößert werden“, erklärt der Hobbyastronom.

Erkennbar sind zwei Kilometer breite Rillen auf dem Mond

Nur eine Station weiter lassen sich Krater, Gräben und Rillen auf dem Mond entdecken, die bis zu zwei Kilometer breit seien, lädt Udo Siepmann Interessierte ein. Gesteht aber, dass der Mond bei ihnen nicht so beliebt sei, weil er den Himmel zu strak erhelle („Lichtsau“). Überhaupt sei der Ruhrgebietshimmel aus Sicht der Astronomen arg hell. „Da ist dann etwa die Milchstraße mit bloßem Auge nicht erkennbar“, sagt der 68-Jährige. Dabei hätten sie mit der Lage ihrer Sternwarte inmitten der Felder großes Glück, in dieser Region sei es ein außergewöhnlich dunkler Standort.

Von hier aus haben die Vereinsmitglieder nachts in den Jahren 2002 und 2003 gleich 15 Essener Kleinplaneten entdeckt, von denen einer sogar den Namen „Essen“ trägt. Für die Kleinplanetenforschung (ein Schwerpunkt der Sternwarte) und so manches Bild der Planeten oder Galaxien schlagen sich die Astronomen die Nacht um die Ohren.

In kalten Nächten hilft der Kühlhausoverall

„Der Jupiter bietet viel oder auch unsere Nachbargalaxie Andromeda“, sagt Udo Siepmann begeistert, der bei kühlen Temperaturen einfach in den Kühlhausoverall schlüpft, um viele Stunden an dem Teleskop zu verbringen, das mit Kamera ausgestattet ist. „Die Digitalisierung hat uns unser Hobby deutlich erleichtert“, sagt er. Belohnt wird der Beobachter dann mit ganzen Serien der Planeten und Galaxien, die bis zu 50 Millionen Lichtjahre entfernt liegen. Bei der Aussicht lasse sich mollig eingepackt auch eine Temperatur von bis zu minus 20 Grad aushalten: „Nur wenn die Sterne funkeln, das haben wir nicht so gern.“ Das hat weniger mit mangelnder Romantik, als vielmehr mit verrauschten Einzelbildern zu tun.

Die Ergebnisse der Astrofotografie landen regelmäßig in Ausstellungen, die Informationen dazu in Vorträgen: 60 gibt es jedes Jahr zu verschiedenen Themen. Dazu kommen Führungen, auch zu Kindergeburtstagen oder für Unternehmen sowie das Projekt „Sterne funkeln für jeden“, bei dem sie Essener Schulen, vor allem Schüler mit Handycap, mit Teleskopen und Lehrmaterial ausstatten. Zudem gilt das Angebot, sich vor dem Kauf eines Teleskops etwa als Geschenk bei den Vereinsmitgliedern zu informieren. „Sonst finden die Kinder den Mond nicht und sind frustriert“, weiß Udo Siepmann. Dabei wollen die Hobbyastronomen doch genau das Gegenteil und freuen sich, weiteren Nachwuchs für die Sterne zu begeistern.

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