Nahverkehr

Die Ruhrbahn hat jetzt die Preise für Fahrkarten erhöht

Wer wie hier am Fahrkartenautomaten der Haltestelle Zweigertstraße nach der nächsten Bahn guckt und ein Ticket kaufen will, muss jetzt mehr bezahlen. Die Preise sind um rund 1,9 Prozent erhöht worden. 

Wer wie hier am Fahrkartenautomaten der Haltestelle Zweigertstraße nach der nächsten Bahn guckt und ein Ticket kaufen will, muss jetzt mehr bezahlen. Die Preise sind um rund 1,9 Prozent erhöht worden. 

Foto: Michael Korte

Essen/Mülheim.   Die VRR-Tickets sind zum Jahresbeginn um durchschnittlich 1,9 Prozent teurer geworden. Diskussion um günstigere Angebote für Kunden hält an.

Fahrgäste von Bahn und Bus müssen jetzt draufzahlen. Der Verkehrsverbund VRR hat wieder mal zum 1. Januar die Ticketpreise erhöht, in Essen gilt der höchste Tarif (Preisstufe A3). Auch wenn die Steigerung um durchschnittlich 1,9 Prozent noch relativ moderat ausfällt, so sind die seit Jahren regelmäßigen Preiserhöhungen für viele Fahrgäste ein Ärgernis – und nicht wenigen schlichtweg zu teuer geworden. Bereits seit 2012 geht die Zahl der Ruhrbahn-Abonnements zurück. Und das Einzelticket für das Essener Stadtgebiet liegt jetzt nur noch zehn Cent unter der Drei-Euro-Marke.

Eine Ruhrbahn-Marktanalyse ergab: Die Teuerungsrate ist seit 2010 bei Bahn- und Bus-Nutzern deutlich höher ausgefallen als bei Autofahrern. Dabei gab 2016 ein NRW-Privathaushalt fürs Auto monatlich immer noch 249 Euro aus. Dagegen erhöhte sich kaum die Bereitschaft, für Bahn und Bus tiefer in die Tasche zu greifen. Bei 39 Euro pro Monat gerade mal fünf Euro mehr als 2010. Dies könnte mit erklären, warum die Fahrgastzahlen bei der Ruhrbahn seit Jahren stagnieren. „Die Menschen geben kaum mehr Geld für den Nahverkehr aus“, bilanziert Nils Hoffmann, bei der Ruhrbahn zuständig für Markt und Kommunikation.

Das Sozialticket in Essen ist teurer geworden

Gleichzeitig weisen die Rückgänge bei den Dauerabos und seit neuestem beim Soziaticket darauf hin, „dass unsere Stammkunden sehr preissensibel reagieren“, so Hoffmann. Das Sozialticket kostet 38,65 Euro für Essen. 2011 war es noch für 29,90 Euro zu haben.

Was tun? Die jüngste Rabatt-Offensive der Ruhrbahn soll Aufschluss darüber geben, ob in Essen viele Autofahrer umsteigen, wenn es preiswertere Angebote im Nahverkehr gibt. Dass innerhalb kürzester Zeit hier alle tausend Abo-Tickets 1000/2000 zum halben Preis vergriffen waren, könnte ein Indiz dafür sein. Für eine Gesamtbewertung ist es laut Ruhrbahn noch zu früh. Zumal in Bonn, ebenfalls wie Essen ausgewählte „Modellstadt für saubere Luft“ (Lead City), mit einem noch besseren Schnäppchen in den ersten drei Wochen erst 1300 von den 17.000 verfügbaren Jahrestickets für nur 365 Euro verkauft wurden, obwohl dort der Preis normalerweise bei rund 988 Euro liegt.

Trotzdem: Erste Forderungen werden laut, auch hier ein so preiswertes Angebot zu machen. „Ein 365-Euro-Jahresticket wäre ein großer Fortschritt“, sagt Ratsherr Wolfgang Freye (Linke). Er kritisiert: „Anders als in Bonn haben CDU und SPD in Essen die Chance verspielt, ein solches Ticket im Rahmen des Maßnahmenpaketes für die Lead City auszuprobieren.“

Billigere Tickets durch Online-Verkauf möglich

Dass in Essen ein solches Ticket ein Verkaufsschlager werden könnte, schließt Ruhrbahn-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Weber (SPD) nicht aus. „Aber was machen Sie bei der nächsten Tariferhöhung?“ Ein Jahresticket „für einen Euro pro Tag“ – mit diesem Motto sei „der Preis fest zementiert. Den können sie nicht mehr erhöhen“, so Weber. Geringere Ticketerlöse würden aber den Stadthaushalt belasten. „Wir unterliegen dem Stärkungspakt. Wir können nicht noch mehr bezahlen.“ Weber sieht nur einen Ausweg: Der Bund muss einspringen. „Eine andere Lösung sehe ich nicht.“

Nils Hoffmann glaubt, dass sich hier und da noch an der Preisschraube drehen lässt – und zwar im Online-Verkauf. „Inzwischen kostet ein einziger Kartenautomat 35.000 Euro. Im digitalen Verkauf haben wir geringere Vertriebskosten. Diesen Vorteil könnten wir an die Kunden weitergeben.“

Ticket 2000 kostet in Essen rund zwei Euro mehr

Das jetzt neu eingeführte 4-Stunden-Ticket für nur 4,20 Euro kann die Ruhrbahn nur in Mülheim, aber nicht in Essen verkaufen. Der Grund: Essen liegt in der VRR-Premium-Preisstufe A3. Für dieses Tarifgebiet gilt das 4-Stunden-Ticket nicht. Ruhrbahn-Sprecherin Simone Klose: „Schade. Wir hätten das gerne auch in Essen angeboten.“

Zum 1. Januar gelten für das Essener Stadtgebiet (A3) diese neuen Preise: Einzelticket: 2,90 €, damit 10 Cent teurer (Kinder: 1,70 €), 4er-Ticket: 10,50 € (Kinder: 6,10 €), Happy-Hour-Ticket: 3,19 €, 10er-Ticket: 22,60 €, 24-Stunden-Ticket: 7,10 €, 48-Stunden-Ticket: 13,50 €, 7-Tage-Ticket: 28,80 €.

Bei den Abo-Karten gibt es beim Ticket 2000 einen Aufschlag von zwei Euro. Das Ticket 1000 kostet 77,35 € (+1,35 €), im Abo 68,65 € (+1,52 €), ab 9 Uhr 57,25 € (im Abo 50,81 €). Das Ticket 2000 kostet 87,15 € (+1,90 €), im Abo 77,35 € (+2,05 €), ab 9 Uhr 64,70 € (im Abo 57,42 €). Gekaufte Tickets aus 2018 sind noch bis März 2019 gültig.

>>BÜRGER GEBEN KAUM MEHR GELD FÜR BAHN UND BUS AUS

Zwischen 2010 und 2016 hat sich der „Tarifindex VRR“ (von 100 auf 126,6 Punkte) gegenüber dem allgemeinen Verbraucherpreisindex für Verkehr in NRW (von 100 auf 107,7 Punkte) überproportional entwickelt.

Durchschnittlich fließen NRW-weit nur 1,5 Prozent der privaten Haushaltsausgaben in die öffentliche Personenbeförderung (Stand: 2016). Die Ausgaben blieben seit 2010 nahezu konstant, während die Gesamtausgaben eines Privathaushaltes (2010-2016) von 2321 € auf 2530 € pro Monat stiegen.

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