Bürgerschaft

Bürgerschaft Überruhr: Neuer Vorstand plant neue Formate

Die Denkmaltafel an der Zeche Heinrich ist kürzlich beschmiert und nun wieder gesäubert worden: Passanten bleiben regelmäßig stehen, um die Historie nachzulesen.

Die Denkmaltafel an der Zeche Heinrich ist kürzlich beschmiert und nun wieder gesäubert worden: Passanten bleiben regelmäßig stehen, um die Historie nachzulesen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Überruhr.  Neue Formate auch für die jüngere Generation und Altbewährtes anbieten: Das hat sich der neue Vorstand der Bürgerschaft Überruhr vorgenommen.

Wäre Sven Kottenberg nach seinem Umzug nicht den vielen Menschen begegnet und hätte sich in der neuen Umgebung auch gar nicht umgeschaut, „dann wäre ich wohl von Überruhr zur Arbeit gefahren, nach Hause gekommen und das wär’s gewesen“, sagt der 39-Jährige. Stattdessen aber ist er inzwischen der Vorsitzende der Bürgerschaft Überruhr und möchte auch andere für seinen Stadtteil begeistern. Dabei gilt es, Altbewährtes im Verein zu erhalten und neue Ideen umzusetzen, um Familien und damit auch jüngere Überruhrer zu gewinnen – und vielleicht ein kleines Stadtteilfest auf die Beine zu stellen.

Was sich viele Vereine wünschen, ist der Bürgerschaft Überruhr nun bereits gelungen: Sie haben neue Mitstreiter gefunden und sich verjüngt: „Die neuen Mitglieder im Vorstand sind zwischen 32 und 50 Jahre alt“, sagt Sven Kottenberg, der hauptberuflich als Rettungsdienstleiter arbeitet und jetzt einen Großteil seiner Freizeit in sein neues Ehrenamt investiert. Wohl wissend, dass er seinen Vorgänger weiterhin an seiner Seite hat: Norbert Mering war zehn Jahre lang Vorsitzender, gehörte bereits dem Heimat- und Pohlbürgerverein, aus dem die Bürgerschaft 2009 entstanden ist, an. Die hat heute rund 270 Mitglieder. Bei etwa 16.000 Bewohnern in Überruhr, könnten das gern mehr werden, finden die Mitglieder.

Die Aufstellung der historischen Denkmaltafeln wird fortgesetzt

Norbert Mering bleibt derweil weiterhin im Vorstand, wird sich um das Archiv kümmern, das ihm so sehr am Herzen liegt, denn so ganz von der Bürgerschaft zu lassen, das ging einfach nicht. „Gleichwohl bin ich überglücklich, einen jungen Nachfolger gefunden zu haben“, sagt Norbert Mering. Bewährte Formate wie die Denkmaltafeln, die an vielen Stellen im Stadtteil von der Historie zeugen, werden natürlich fortgesetzt. Wurde gerade die 45. Tafel eingeweiht, so steht bereits fest, dass es noch mehr als 50 werden.

Mit den Vorträgen zu ganz unterschiedlichen Themen (zuletzt ging es um die Patientenverfügung) und den Führungen, die weiterhin an die Geschichte Überruhrs erinnern sollen, aber eben auch über die zahlreichen Sportvereine, die Schullandschaft und verschiedenen Kitas informieren sollen, wollen die Vereinsmitglieder auch junge Familien erreichen. So wie es schon ein Ziel des Vorgängervereins gewesen sei, als in den 1960er Jahren die Hochbauten entstanden und viele nach Überruhr gezogen seien, vergleicht Sven Kottenberg die Situation. Auch Norbert Mering weiß, dass längst nicht alle Überruhrer die grünen Ecken wie etwa den Ludwig-Kessing-Park oder das Wichteltal kennen.

Tanzcafé für Senioren soll wiederbelebt werden

Ein Format, dass die Bürgerschaft gern wiederbeleben möchte, ist das Tanzcafé für Senioren. Das fand im Bürgertreff statt und wurde rege angenommen: „Die Besucher haben getanzt wie verrückt“, beschreibt Norbert Mering augenzwinkernd die Beliebtheit des Angebotes. Zuletzt sei es wegen der Kosten, die sich aus Saalmiete, Musik, Kaffee und Kuchen zusammensetzten, nicht mehr für jeden bezahlbar gewesen. Um die Tanzstunde aber wieder zu ermöglichen, halten die Mitglieder Ausschau nach Mitstreitern.

Gleiches gilt für ein Straßen- oder Stadtteilfest, zu dem es noch keine konkreten Pläne gibt. „Aber es wäre schon schön, wenn wir die Menschen bei so einem Treffen zusammenbringen könnten“, sagt Sven Kottenberg. Auch das aber werden sie nicht allein auf die Beine stellen können, schon die Organisation für das Zechenfest sei sehr aufwendig gewesen, und eine Werbegemeinschaft gebe es in Überruhr nicht, ergänzt Mering.

10.000 Euro für Kinder- und Jugendarbeit

Konkreter sind da schon die Pläne für die anstehende Weihnachtsfahrt und auch -feier, die als nächstes anstehen. Zuvor steht das „Tafeln für den guten Zweck“ an, das Menü, mit dem die Bürgerschaft Geld für den guten Zweck sammelt. „So sind für die Kinder- und Jugendarbeit in den vergangenen zehn Jahren 10.000 Euro zusammengekommen“, sagt Norbert Mering. Für seine vier Enkelkinder wird er nun, da er den Vorsitz abgegeben hat, mehr Zeit haben. Und auch die einwöchige Wandertour, die er schon so lange plant, könnte bald anstehen.

Die Familie von Sven Kottenberg, seine Frau und Tochter, bringt wiederum derzeit vor allem viel Verständnis auf, da sein neues Ehrenamt recht zeitintensiv ist. Doch es lohne sich, den Menschen ihre Heimat nahe zu bringen, weiß der 39-Jährige aus eigener Erfahrung: nach seinem Umzug 2010, aber auch nach einem Besuch von seinen Freunden aus Haarzopf, die er durch Überruhr führte: „Sie waren ganz begeistert.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben