Stadtplanung

Streit um Bebauung des Klostergartens in Essen-Bedingrade

Arnulf Breiderhoff (li.) und Wolfgang Knipp, zeigen am Mittwoch, 30. Oktober 2019 eine Akte mit Unterschriften gegen die Bebauung des Klostergartens in Essen-Bedingrade. Im Klostergarten Bedingrade soll gebaut werden.

Arnulf Breiderhoff (li.) und Wolfgang Knipp, zeigen am Mittwoch, 30. Oktober 2019 eine Akte mit Unterschriften gegen die Bebauung des Klostergartens in Essen-Bedingrade. Im Klostergarten Bedingrade soll gebaut werden.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Schönebeck/Bedingrade.  Die Franziskusschwestern haben einen Teil ihres Grundstücks in Essen-Bedingrade verkauft. Anwohner wenden sich nun gegen die geplanten Bebauung.

Oberbürgermeister Thomas Kufen bekam jüngst zwei Mal Besuch von Bürgern, die mit der Stadtplanung nicht einverstanden sind. So hat die Initiative „Rettet die Schönebecker Grünflächen“ 4500 im Stadtbezirk Borbeck gesammelten Unterschriften abgeliefert. Damit wollen die Bürger unter der Überschrift „Die Betonfront wackelt, aber eingestürzt ist sie (noch) nicht“ ihren Willen bekunden, die Grüngebiete vor Bebauung zu schützen.

Zuvor jedoch war die erst vor drei Wochen gegründete Bedingrader Initiative „Rettet den Klostergarten“ im Oberbürgermeisterbüro vorstellig geworden. Sie brachte rund 750 Unterschriften mit, die sich gegen die Errichtung von gut 100 Wohneinheiten durch die Wohnungsgenossenschaft Essen-Nord richten. Denn diese sollen auf dem Gelände der Franziskusschwestern zwischen Laarmann- und Moosstraße entstehen.

Anwohner sehen ihre Idylle in Essen-Bedingrade in Gefahr

Es ist immer wieder erstaunlich, welche idyllischen Flecken es im dicht bebauten Essener Nordwesten gibt. Die Gärten hinter den Häusern an der Bergheimer Straße gehören dazu – weit und breit nur Bäume, Büsche, Hecken und Wiesen. Dass Anwohnerinnen wie Angelika Breiderhoff nicht begeistert sind, wenn nun direkt hinter ihrer Grundstücksgrenze dreigeschossige Mehrfamilienhäuser errichtet werden, liegt auf der Hand. Bewusst provozierend sagt sie: „Eigentlich wollte ich mir einen größeren Swimmingpool holen. Aber dann baue ich mir lieber ein Hallenbad mit Mauern.“

Ihr Ehemann Arnulf Breiderhoff schreibt an den Oberbürgermeister: „Die Bewohner der Umgebung erhalten nach der jetzigen Planung von Essen-Nord einen Ausblick auf große Wohnblöcke mit Dachaufbauten (etwa Solaranlagen usw.), die ohnehin schon auf einem Grund stehen, der mindestens einen Meter höher liegt als die Häuser an der Bergheimer Straße.“

Kompromissvorschlag: Nur die Hälfe der Fläche bebauen

Weitere Bedenken beziehen sich auf

– wachsende Verkehrsprobleme, besonders nahe der Grundschule,

– auf zu schmale Fahrbahnen wie etwa in der Moosstraße,

– auf die Rodung von 80 gesunden Laubbäumen und 20 Nadelbäumen

– und auf Entwässerungsprobleme bei Starkregen. In früheren Jahren hätten Keller trotz eingebauter Rückstauventile bis zu 40 cm Höhe unter Wasser gestanden.

Verärgert sind die Anwohner, weil schon Anfang 2018 gerüchteweise von der Bebauung gesprochen wurde. Doch damals seien sie in der Bezirksvertretung noch beschwichtigt worden. „Nun fühlen wir uns überrumpelt“, sagt Wolfgang Knipp aus der Moosstraße.

Um sich nicht komplett gegen die Bebauung der 2,25 Hektar großen Fläche zu wenden und das neue Schwesternmutterhaus zu schützen, macht die Initiative einen Kompromissvorschlag. So sollte das Bauvorhaben quasi halbiert werde: „Dann könnten immerhin noch 55 Wohneinheiten verwirklicht werden.“

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