Psychologie

Borderline-Patient schreibt Buch über seine Krankheit

Erik van Denmark im Werkraum des Sozialpsychiatrischen Zentrums am Borbecker Germaniaplatz: Dort arbeitet er regelmäßig mit Holz. 

Foto: André Hirtz

Erik van Denmark im Werkraum des Sozialpsychiatrischen Zentrums am Borbecker Germaniaplatz: Dort arbeitet er regelmäßig mit Holz.  Foto: André Hirtz

Essen.   Der Borbecker Erik van Denmark hat über sein Borderline-Syndrom geschrieben. Das hilft ihm – genauso wie die Betreuung im Fachzentrum

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Erik van Denmark* (Name geändert) war Elf, als er begann, sich mit Zigaretten und Messern zu verletzen. Mit 15 steckten ihn seine alkoholkranken Eltern, die ihn stark vernachlässigten, ins Heim. Mit 16 war er das erste Mal in der Psychiatrie. Borderline-Syndrom mit depressiven Schüben und Zwangshandlungen diagnostizierten die Ärzte. „Ich weiß gar nicht, wie ich diese Zeit überlebt habe“, sagt der heute 36-Jährige, „ich war auch noch seit meinem zwölften Lebensjahr alkoholabhängig und habe Drogen genommen.“ Es sollten noch viele Klinikaufenthalte folgen, bevor sich der Borbecker einigermaßen stabilisierte.

Autobiografisches Werk

Geholfen hat ihm dabei nicht nur das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) am Germaniaplatz, wo er betreut wird und dessen Tagesstätte er besucht. Erik van Denmark hat sich auch seine Krankheitsgeschichte vom Leib geschrieben. „Borderline – zwischen Himmel und Hölle“ hat er sein teils autobiografisches Werk genannt, in dem er sehr drastisch die tragische Liebesgeschichte zweier Jugendlicher schildert, die am Borderline-Syndrom leiden. Knapp zehn Jahre hat er daran gearbeitet. „Schreiben ist für mich auch eine Art Therapie“, sagt er. Regelmäßig entwirft er Drehbücher und entwickelt TV-Formate. „Das hilft mir, mit meiner Krankheit umzugehen und mich nicht gänzlich von ihr unterkriegen zu lassen.“

Geborgenheit und Vertrauen

Einen nicht unerheblichen Beitrag leistet dabei auch das Sozialpsychiatrischen Zentrum des Katholischen Klinikums Essen: Hier erlebt Erik van Denmark ein Stück Geborgenheit und Vertrauen, kennt er jeden, ist beliebt und anerkannt und hat seine festen Ansprechpartner. „Ich komme bereits seit sieben Jahren ins Zentrum und tue das nach wie vor gerne.“ Dort gibt es Aufenthalts- und Ruheräume, eine große Küche, in der gemeinsam gekocht wird, Kunst- und Bastelräume.

„Wir haben jede Menge Freizeitangebote – von Bildung bis Sport. Dazu kommen die Einzel- und Gruppengespräche und die Angehörigenarbeit“, erklärt Stefanie Pulina, die als Mitarbeiterin das SPZ koordiniert, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Teilhabe am Leben

Derzeit besuchen 27 Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen die Tagesstätte, wo sie mindestens drei Tage lang an den Angeboten teilnehmen und so eine sinnhafte Tagesstruktur erfahren. „Wir gehen auch raus in die Gemeinde. Ziel der Betreuung ist die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, erklärt die Diplom-Pädagogin. Neben der Tagesstätte gehört auch eine Kontakt- und Beratungsstelle zum SPZ. Die nennt sich Stützpunkt und ist mit ihrem Angebot noch ein wenig offener als die Tagesstätte. Das heißt, hierhin können auch Menschen ohne feste Anmeldung kommen.

Erik van Denmark, der aufgrund seiner schweren psychischen Erkrankung bereits seit 14 Jahren Frührentner ist und nach diversen Heimaufenthalten in einer WG in Borbeck wohnt, ist mit seinem Leben rund um das SPZ eigentlich ganz zufrieden. „Jetzt fehlt nur noch, dass ich mit meinem Schreiben Geld verdiene“, nennt er seinen größten Wunsch, „denn einen normalen Job werde ich niemals ausüben können.“

Was ist Borderline?

Bei der Borderline-Störung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen, der Identität sowie zwischenmenschlichen Beziehungen charakterisiert ist. Auslöser sind häufig traumatische Erlebnisse in der Kindheit wie Gewalt, sexueller Missbrauch oder emotionale Vernachlässigung.

Betroffene erleben sich als Opfer ihrer eigenen heftigen Stimmungs- und Gefühlsschwankungen, was zu extremer innerlicher Anspannung führen kann. Viele setzen selbstschädigende Verhaltensweisen ein, um diese Anspannung zu verringern. Dazu gehören vor allen Selbstverletzungen und Drogenkonsum.

Menschen, die an der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, fühlen sich innerlich zerrissen, leiden unter massiven Ängsten, haben ein gestörtes Selbstbild und eine gestörte Körperwahrnehmung.

Kontakt zum Sozialpsychiatrischen Zentrum: Tel.: 64 00 53 41, www.spz.kk-essen.de.

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