Kinoklassiker

Borbecker Badegäste gruseln sich mit dem Weißen Hai

Schöner Gruseln im Schwimmbad: Vom Wasser aus sahen sich die Schwimmgäste im Stadtbad Borbeck tapfer den Kino-Klassiker „Der weiße Hai“ an.

Schöner Gruseln im Schwimmbad: Vom Wasser aus sahen sich die Schwimmgäste im Stadtbad Borbeck tapfer den Kino-Klassiker „Der weiße Hai“ an.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Spielbergs Kino-Klassiker „Der Weiße Hai“ lockte ins Stadtbad Borbeck. Film-Fans durften sich bei kostenlosem Eintritt im warmen Wasser gruseln.

Wer den Film einmal gesehen hat, wird ihn nie wieder los. Beim Schwimmen im offenen Meer, aber auch im Stadtbad. So ging es auch Kevin Kerber (31) und Andreas Krzykawski (59). „Der Grusel-Faktor bleibt!“, sagen beide.

Was lag näher, als den blutrünstigen Mörderfisch aus Hollywood zum Wasserkino an die Ruhr zu holen? Der Vorsitzende des TuS 84/10 Essen und der Meister für Bäderbetriebe hatten dem Nervenkitzel mit „Der Weiße Hai“ im 25-Meter-Becken im Bad an der Vinckestraße in Borbeck seit Wochen entgegengefiebert.

Luft und Wasser haben angenehme 33 Grad Celsius

Alles ist bestens vorbereitet: Es gibt Waffeln, Wurst und Softdrinks, Wasser und Luft haben angenehme 33 Grad Celsius. Am Beckenrand sorgen Kunststoffzäune für Sicherheit. „Damit kein Essen ins Wasser fällt und die Bestie zusätzlich reizt“, scherzt Kerber.

Das 124-minütige Thriller-Vergnügen beginnt um Punkt 19 Uhr. Zum Gratis-Gruseln am Abend hatten sich 60 Badegäste ab 16 Jahren aufwärts angemeldet. Weniger als die Hälfte sind da. Liegt es am Termin zum letzten Bundesligaspieltag oder am Wetter? Die Organisatoren rätseln.

Steven Spielbergs Meisterwerk „Der weiße Hai“ von 1975 ist preisgekrönt

Die coole Stimmung zu Steven Spielbergs preisgekröntem Meisterwerk können sie dennoch genießen. 1975, als der Streifen mit dem Originaltitel: Jaws (gleich „Kiefer“) Premiere feierte, war das 1962 erbaute Bad top-modern. Inzwischen ist die Sportstätte sichtlich gealtert. Oft müssten die Borbecker Nutzer technische Defekte hinnehmen. Kerber: „Mit dem Kino-Event wollen wir uns dafür bei den Leuten entschuldigen.“

Derweil zieht der große Weiße die Zuschauer in seinen Bann. Auf der vom Verein gemieteten, drei Meter mal sechs Meter großen LED-Wand neben dem Dreimeter-Turm läuft der alte Streifen flimmerfrei. Peer Loock (45) sitzt mit Handtuch um die Hüften auf der Wärmebank. Vor dem Film ist er ein paar Runden geschwommen. Die Veranstaltung findet er klasse. „Der erste Teil ist der beste! Den habe ich schon als Teenie gesehen“, freut sich der Borbecker. Als Kind lernte er in dem gelbgekachelten Zweckbau schwimmen. Haben die Beine im Meer erstmal den Kontakt zum Boden verloren, hatte auch er schon diese Fantasien: Pfeilschnell schießt die furchterregende Fressmaschine aus der düsteren Tiefe nach oben, das grausige Maul mit den vielen Zahnreihen zum Bersten aufgerissen.

Der Schwimmmeister wirft ein waches Auge über das Geschehen

Im beschaulichen US-Badeort entdeckt man gerade Leichenreste am Strand. Den ersten Bewohnern schwant Böses. Der Bürgermeister warnt: Die Saison steht kurz bevor. Angst und Schrecken unter den Touristen will er vermeiden. So nimmt der Horror seinen Lauf. Vorn aus den Lautsprechern erklingt diese unsagbar schauerliche Musik. Wer sie wahrnimmt, sieht dem Tod ins Auge. Zwei dunkle Töne, die abwechselnd für Nervenkitzel sorgen. Komponist John Williams sei Dank. Nun nähert sich die Bestie einer ahnungslosen Bikini-Schönheit.

Gudrun Schakau-Folgner (53) beobachtet es vom Beckenrand aus. Hat sie Angst? „Nein! Ich schwimme sogar noch im Meer!“ Den Film liebt sie und hat ihn mehrfach angeschaut. Doch als Aqua-Fit-Trainerin bleibt sie in Borbeck lieber im Trockenen. Einige Badegäste treiben entspannt auf Poolnudeln oder Matten im Stahlbecken. Später rücken sie enger zusammen. Im roten Shirt wirft Schwimmmeister Andreas Krzykawski ein waches Auge über das Geschehen. „Weiße Haie können einen Tropfen Blut in der Wassermenge eines Schwimmbeckens riechen“, weiß er. Den Rettungsring hat er parat.

„Findet Dorie“ begeistert am Nachmittag viele Kinder

„Gänsehaut“, so Kerber, ergreift die Badenden vor allem am Ende. Da beeindruckt der Hai in seiner ganzen Größe. Auf dem Bootsdeck kämpft er mit einer Druckluftflasche im Maul um sein Leben. Ausgerechnet der wasserscheue Polizei-Chef wird zum Gewehrheld. Ein Schuss, die Bestie explodiert in 1000 Stücke. Die Zuschauer applaudieren. Nun hoffen sie auf mehr Wasserkino. Das könnte es im Januar oder Februar geben. Mit 87 Kindern plus Eltern war die Nachmittagsvorstellung im Borbecker Bad ein größerer Erfolg. Da lief „Findet Dorie“ (2016), eine 3D-Computeranimation von Pixar und die Fortsetzung von „Findet Nemo“ (2003).

>>Neubau an der Germaniastraße nähert sich

  • Der US-Amerikaner Peter Benchley (1940-2006) lieferte mit „Jaws“ (1974) die Romanvorlage mit 20 Millionen verkauften Exemplaren. Für das Horror-Genre war Spielbergs Werk wegweisend. In Wirklichkeit sind Haie weitaus friedlicher, tödliche Angriffe sehr selten.
  • Das Borbecker Bad wird seit 1999 von einem Verein geführt, dem TuS 84/10 Essen e. V. Er baute es zu einem Gesundheits- und Sportzentrum mit Sauna und Fitnessraum aus. In einigen Jahren soll ein Neubau an der Germaniastraße eröffnet werden.

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