Kunst-Projekt

Bildhauer-Star Thomas Schütte stellt Bronzen in Essen auf

Der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte (links im Bild neben Oliver Scheytt, Kulturstiftung Essen.) nahm die Aufstellung der „Männer im Wind“ auf der Terrasse der Essener Philharmonie persönlich in Augenschein.

Der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte (links im Bild neben Oliver Scheytt, Kulturstiftung Essen.) nahm die Aufstellung der „Männer im Wind“ auf der Terrasse der Essener Philharmonie persönlich in Augenschein.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Schüttes „Männer im Wind“ nehmen vor der Philharmonie ihren Platz anstelle der „großen Geister“ ein. Leihvertrag läuft zunächst über zehn Jahre.

Als Essen vor drei Jahren von den „ganz großen Geistern“ verlassen wurde, war die Stadt auf einen Schlag um drei Spitzenkunstwerke ärmer. Der Abzug der monumentalen Plastiken des Weltklasse-Bildhauers Thomas Schütte machte Schlagzeilen, zumal beim Abbau auch noch eine der drei meterhohen Figuren beschädigt wurde. Die großen Geister, damals im Besitz des Essener Sammlers Thomas Olbricht, sind längst aus Essen verschwunden, verkauft, wie man hört. Der Platz vor der Essener Philharmonie blieb seltsam leer. Bis gestern.

Da begleitete der international renommierte Künstler Thomas Schütte persönlich den Aufbau dreier monumentaler Bronzen, die man zuletzt in den Tuilerien von Paris besichtigen konnte. Die Gruppe „Mann im Wind I, II und III“, so der Titel der aufrechten, aber von den Härten des Lebens doch etwas verknautschten Bronzegesellen, soll zunächst für zehn Jahre auf dem Platz vor der Philharmonie mit Ausblick auf den Stadtpark Aufstellung nehmen. So sieht es der Leihvertrag zwischen Schütte und der Stadt Essen vor.

Der Düsseldorfer Bildhauer, mehrfacher documenta-Teilnehmer und in den bedeutendsten Museen und Sammlungen der Welt vertreten, hatte sich schon vor drei Jahren bedauernd über den Abzug seiner Werke vor der Philharmonie geäußert. Natürlich stehe es jedem Sammler frei, wie er mit seinen Kunstwerken umgehe, gleichwohl wäre er als Künstler damals gerne über die Abzugs-Pläne informiert worden, beklagt der Gerhard-Richter-Schüler. „Die Prozedur war etwas schäbig“, sagt der längst zum Star der internationalen Kunstszene avancierte Schütte, der zudem mit einer, von Kunstmäzen Thomas Olbricht gestifteten Wandarbeit im RWE-Pavillon vertreten ist.

Keine Angst vor Vandalismus

So muss es Oliver Scheytt, Essens ehemaligem Kulturdezernenten und neuem Vorstandsvorsitzenden der Kulturstiftung Essen, nicht besonders schwer gefallen sein, Schütte für ein neues Projekt in Essen zu begeistern. „Es passt ins Programm“, findet der neue Chef der Kulturstiftung, die in den 1990ern schon die Aufstellung der damals umstrittenen „Spitzer“-Spirale ermöglicht hatte. Bei den drei „Männern im Wind“ handelt es sich diesmal allerdings nicht um einen Ankauf, sondern eine Dauerleihgabe des Künstlers. Die Kulturstiftung Essen hat allerdings die Kosten für den aufwendigen Transport der kolossalen Kerle übernommen, die aus der Neusser Skulpturenhalle des 64-Jährigen anreisten. „Es ist doch viel besser, die Arbeiten hier zu zeigen als in meinem Lager abzustellen“, kommentiert der Weltklasse-Bildhauer seine großzügige Überlassung mit dem ihm eigenen, unprätentiösen Duktus. Auch die Angst vor Vandalismus, die Sammler Thomas Olbricht damals für den Abzug der großen Geister angeführt hatte, teilt Schütte angesichts der 24-Stunden-Videoüberwachung durch die Philharmonie Essen nicht.

Zumal die monumentalen Gestalten mit rund 1,5 Tonnen pro Bronze auch einige Standkraft mitbringen. Ein Spezialkran hat die rund 3,50 Meter großen, auf schweren Sockeln thronenden Figuren am Freitagmittag vor der Philharmonie mit Blick auf den Stadtgarten positioniert. Genau an dem Platz, wo bis 2016 die „Ganz großen Geister“ ihre extra verstärkten Fundamente hatten. Somit war der Platz auf der Rückseite der Philharmonie zum Stadtpark hin gesetzt. Auch für Folkwang Museumschef Peter Gorschlüter finden die kolossalen Kerle dort ihren perfekten Platz. Einen der wichtigsten Künstler und Bildhauer in Essen zeigen zu können, „der die figurative Plastik noch einmal neu für die Gegenwart erfunden hat“ sei ein starkes Zeichen. In einer Zeit zumal, in der die Jury für die Kunst im öffentlichen Raum bitter beklagt, dass es kaum mehr Mittel und Förderer für stadtbildprägende Kunstwerke gibt.

Thomas Schütte, der eine weitere „Mann im Wind“-Gruppe derzeit im Kunsthaus Bregenz präsentiert, zeigte sich mit der Aufstellung in Essen jedenfalls zufrieden: „Wenn der Kran gleich weg ist, werden die Leute denken, die stehen schon immer hier.“

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