Arbeit

Über 3000 Awo-Mitarbeiter streiken in Essen für mehr Lohn

Über 3000 Beschäftigte der Awo streiken am Montag in der Essener Innenstadt.

Über 3000 Beschäftigte der Awo streiken am Montag in der Essener Innenstadt.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Über 3000 Awo-Mitarbeiter haben sich am Montagmorgen in der Essener Innenstadt versammelt, um für zehn Prozent mehr Lohn zu kämpfen.

Altenpfleger, Erzieherinnen, Sozialarbeiter: Über 3000 Awo-Beschäftigte haben am Montag in der Essener Innenstadt unter anderem für mehr Lohn gestreikt. Sie fordern eine Angleichung an den öffentlichen Dienst: Zehn Prozent mehr Gehalt.

Die Gewerkschaft Verdi hatte Arbeitnehmer aus ganz NRW zum Streik aufgerufen. Gegen 10 Uhr trafen sich die Streikenden am Pferdemarkt vor dem Awo-Kreisverband. Anschließend zogen sie durch die Innenstadt zur Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz. Rund 150 Essener waren unter den Streikenden. Lauthals machten sie mit Trillerpfeifen auf sich aufmerksam, viele hatten Schilder gebastelt – auch einem stand beispielsweise: „Eine Pflegekraft ist wie ein Dessous: Spitzenqualität für einen Hauch von Nichts.“

Streikende fordern zehn Prozent mehr Lohn

Immer wieder skandierten die Streikenden „Zehn Prozent! Zehn Prozent!“ Die Awo-Angestellten wollen genauso viel verdienen wie die Angestellten im öffentlichen Dienst. „Es kann doch nicht sein, dass eine Erzieherin in einer städtischen Kita mehr verdient. Wir machen genau dieselbe Arbeit“, klagte eine 46 Jahre alte Mitarbeiterin einer Essener Kita, die anonym bleiben möchte. Seit 23 Jahren arbeitet sie für die Arbeiterwohlfahrt. In den letzten Jahren haben ihre Aufgaben zugenommen: „Mehr Schreibkram, mehr Verantwortung und die Ansprüche der Eltern sind gestiegen“, sagte die Erzieherin.

Klaus Holz ist seit über 30 Jahren bei der Awo. Er arbeitet als Sozialarbeiter in der Notunterkunft an der Liebrechtstraße. „Wir helfen Menschen am Rande der Gesellschaft“, sagte Holz. Dafür möchte er genauso viel verdienen wie ein Sozialarbeiter, der beispielsweise bei der Stadt angestellt ist.

Notdienstvereinbarungen für Kitas und Seniorenheime

„Die Arbeit von Menschen an Menschen muss endlich auskömmlich bezahlt werden“, sagte Peter Marnitz, seit drei Jahren Pressesprecher der Awo Essen. Auch er streikt. „Wir werden nicht angefeindet, weil wir streiken“, erklärte Marnitz.

Für die Seniorenheime in Essen gebe es Notdienstvereinbarungen, auch in den Kitas seien zum Teil Notgruppen eingerichtet worden, so Marnitz. In Essen betreibe die Awo unter anderem 20 Kitas und sechs Seniorenheime. Über 1500 Arbeitsplätze gibt es bei dem Träger in der Stadt.

„Die Awo soll kein Billiganbieter für soziale Berufe sein“

Einer von diesen Mitarbeitern ist Thomas Reimer (54). Der Altenpfleger arbeitet seit 25 Jahren für die Awo. Auch er fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Gerade in der Pflege gebe es doch ein erhebliches Nachwuchsproblem, man müsse attraktiv für junge Menschen bleiben. Reimer fordert, dass die Awo wieder zu ihren Wurzeln der Wohlfahrt zurückkehrt. „Den Wohlfahrtsgedanken gibt es für die Angestellten nicht mehr.“ Über Unterstützung freut sich Reimer auch aus seinem Seniorenheim: „Die älteren Menschen sagen uns: Wir stehen hinter euch. Die Resonanz von den Bewohnern ist sehr positiv.“

Am Mittag kamen die Streikenden auf dem Willy-Brandt-Platz an. Auf der dortigen Bühne sprach unter anderem Henrike Eickholt, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Ruhr West, zu den Awo-Mitarbeitern: „Die Awo soll kein Billiganbieter für soziale Berufe sein“, fordert sie. Und: „Es muss eine Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes geben.“

Weitere Infos zur Awo und den Verhandlungen

  • In der dritten Verhandlungsrunde vergangene Woche hatten die Arbeitgeber laut Verdi sieben Prozent bei einer Laufzeit von weniger als 30 Monaten angeboten.
  • Die Awo NRW beschäftigt nach eigenen Angaben landesweit 65.000 Menschen in rund 3000 Einrichtungen, darunter 729 Kitas, 132 Seniorenzentren und 490 Offene Ganztagsbetreuungen.
  • Ende Januar hatten sich Verdi zufolge bereits über 2000 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. (mit dpa)

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben