Verkehrssicherheit

Autofahrer in Essen sollen mehr Abstand zu Radfahrern halten

Mit einer Aufkleber-Aktion wollen Polizeipräsident Frank Richter (v.l.), Verkehrswacht-Vorsitzender Karl.-Heinz Webels und Rolf Fliß von der Essener Fahrrad-Initiative Autofahrern bewusst machen, dass sie beim Überholen von Radfahrern den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten müssen.

Mit einer Aufkleber-Aktion wollen Polizeipräsident Frank Richter (v.l.), Verkehrswacht-Vorsitzender Karl.-Heinz Webels und Rolf Fliß von der Essener Fahrrad-Initiative Autofahrern bewusst machen, dass sie beim Überholen von Radfahrern den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten müssen.

Foto: Klaus Micke

Essen.   Viele Autofahrer fahren zu knapp an Radfahrern vorbei. Die Essener Polizei und die Verkehrswacht starten jetzt eine Aufklärungskampagne.

Viele Autofahrer kommen auf Essener Straßen den Radfahrern gefährlich nah und fahren zu knapp an ihnen vorbei. Dabei müssen sie beim Überholen einen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten, betonen Polizei und Verkehrswacht. Das Problem ist nur: „Die wenigsten wissen das“, gibt Polizeidirektor Wolfgang Packmohr zu bedenken.

Wie der Vorsitzende der Verkehrswacht, Karl-Heinz Webels, unterstrich, habe sich aus der Rechtsprechung eindeutig ergeben, dass Autofahrer den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten müssen.

Zu wenig Abstand: zweithäufigste Unfallursache

Das heißt aber auch: „Ich kann als Autofahrer einen Radfahrer oft nicht einfach überholen, denn dann würde ich in den Gegenverkehr kommen oder müsste auf eine zweite Spur ausweichen“, sagt Packmohr, Leiter der Polizei-Verkehrsdirektion. Der Autofahrer muss also erst abbremsen und so lange hinter dem Radfahrer fahren, bis er genug Platz zum Überholen hat.

Dadurch verlieren Autofahrer zwar Zeit, aber ansonsten wäre das Unfallrisiko zu hoch. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) soll in den Vorjahren bei innerörtlichen Unfällen mangelnder Abstand die zweithäufigste Unfallursache gewesen sein. Die Polizei hat im Jahr 2018 allein in Essen 28 Zusammenstöße mit Radfahrern im Längsverkehr registriert, weil kein ausreichender Abstand eingehalten worden war. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen.

Von mehreren Beinah-Kollisionen spricht Rolf Fliß (Grüne), der sich oft aufs Fahrrad schwingt und sich immer wieder darüber ärgert, wie nah ihm Autofahrer beim Überholen kommen. „Die denken auch nicht an ihren Außenspiegel. Wenn der mit einem Abstand von nur zehn Zentimetern an mir vorbeifliegt, dann mache ich drei Gebete“, berichtet der städtische Vorsitzende des Bau- und Verkehrsausschusses, der gleichzeitig im Vorstand der Essener Fahrrad-Initiative (Efi) sitzt.

Warnaufkleber auf allen Essener Polizeiautos

Bei einem Besuch in Köln fiel Fliß auf, dass dort Aufkleber auf Streifenwagen auf den geforderten Mindestabstand hinweisen. „Ich habe das sofort fotografiert und mir gesagt, dass wir das in Essen auch machen sollten“, so Fliß. Im Beirat der Essener Verkehrswacht wurde sein Vorschlag sofort angenommen. Die Essener Polizei lässt jetzt ähnliche Aufkleber auf ihren 80 Streifenwagen anbringen. „Wir wollen den Autofahrern bewusst machen, dass sie Abstand halten sollen“, sagt Polizeipräsident Frank Richter. „Es geht hier darum, Rücksicht zu nehmen.“ Diese Aktion, so Richter, sei auch deshalb wichtig, weil die Zahl der Radfahrer in der Stadt weiter ansteigen werde.

300 Aufkleber mit dem Warnhinweis sind in einer ersten Auflage von der Verkehrswacht und der Dekra gedruckt worden. „Auch der Allbau macht jetzt mit und will Aufkleber für seine Fahrzeuge“, kündigt Rolf Fliß an. Ebenso Grün und Gruga und das Amt für Straßen und Verkehr. Zudem wollen die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) die Initiative unterstützen. Weitere Interessenten können sich an die Verkehrswacht wenden.

>>ZAHL DER FAHRRAD-UNFÄLLE STEIGT DRASTISCH

  • Im vergangenen Jahr verunglückten deutlich mehr Radfahrer in Essen.
  • 2018 stieg die Zahl der Fahrrad-Unfälle von 290 auf 374. Das Polizeipräsidium hat darauf eine Sonderkommission gebildet, um
    den Ursachen nachzugehen.
  • Dabei stellte sich heraus, dass jeder vierte Sturz ein Alleinunfall ohne Fremdverschulden war. Aber es gab auch 28 Unfälle, wo offenbar ungenügender Abstand eine entscheidende Rolle spielte.

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