Stadtwerke-Baustelle

Aufstand droht: Gerscheder wehren sich gegen teures Pflaster

Wie soll die Fahrbahn im Raiffeisenweg und seinen Nebenstraße nach Ende der Bauarbeiten aussehen? Darüber streiten sich die Siedlergemeinschaft Gimkenhof und die Stadt.

Wie soll die Fahrbahn im Raiffeisenweg und seinen Nebenstraße nach Ende der Bauarbeiten aussehen? Darüber streiten sich die Siedlergemeinschaft Gimkenhof und die Stadt.

Foto: André Hirtz / Funke Foto Services

Gerschede.   In der Siedlung Gimkenhof in Geschede gibt es Ärger, weil die Stadt die Straßen pflastern möchte. Die Anwohner fürchten Lärm und Kosten.

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Droht in der Gerscheder Siedlung Gimkenhof ein Aufstand der Senioren? Unmöglich erscheint das nicht, wenn man Bezirksvertreter von CDU und SPD hört. 60 Prozent der Anwohner sind älter als 70 Jahre alt und sie beschäftigt die Frage, ob ihre kleinen Anliegerstraßen gepflastert oder asphaltiert werden. Außerdem geht es ums Geld. Eine brisante Mischung. „Wir müssen mit einem Sturm der Entrüstung rechnen“, warnt zum Beispiel Ulrich Schulte-Wieschen, Sprecher der SPD-Fraktion. Und auch sein CDU-Kollege Thomas Mehlkopf-Cao weiß: „Uns drängt sich der Eindruck auf, dass die Bürger das Pflaster nicht wollen. Das müssen wir akzeptieren.“

Siedlung wurde im Jahr 1938 errichtet

Bereits seit zwei Jahren leben die Anwohner der sechs Straßen am Gimkenhof mit der Baustelle der Stadtwerke. Die Siedlung wurde 1938 errichtet, entsprechend marode sind Kanalisation und Versorgungsleitungen. Doch der Austausch zieht sich hin. „Es soll hier Fließsand geben, und man ist wohl bei den Bauarbeiten auf eine Quelle gestoßen, so dass der Boden weggespült wurde“, weiß Hans-Werner Nitz. Er ist Vorsitzender der Siedlergemeinschaft und gleichzeitig auch SPD-Bezirksvertreter. Deshalb nahm er an der Beratung in der Bezirksvertretung IV über einen Antrag der Stadtverwaltung nicht teil.

Diese bat um Zustimmung für den Plan, den Raiffeisenweg – und später auch die anderen fünf Straßen der Siedlung – mit rotem Betonsteinpflaster auszubauen, und zwar ohne Gehweg, sondern nur mit einer Abflussrinne für das Regenwasser. Ihr Hauptargument: Im Gegensatz zu einer asphaltierten Fahrbahn könne eine gepflasterte Fläche unproblematisch wieder geschlossen werden, wenn zum Beispiel später einmal neue Leitungen verlegt werden müssten. Asphalt müsse dagegen aufgeschnitten, was zu Störungen auf dem Belag führe.

Außerdem solle das einheitliche rote Pflaster den Siedlungscharakter stärken und den Verkehrsteilnehmern verdeutlichen, dass sie sich in einem besonderen Bereich aufhalten.

Vorschlag der Stadt sorgt unter Anwohnern für Aufruhr

Doch mit diesem Vorschlag hat die Verwaltung die Anwohner in Aufruhr versetzt. „Das Vorhaben hat in den betroffenen 26 Häusern für Trouble gesorgt“, so Ulrich Schulte-Wieschen. Denn die Anwohner befürchten, dass das Pflaster nach einiger Zeit locker und dann sehr laut wird, wenn Autos darüber fahren. Im Wilmsweg jenseits der Ackerstraße würden sich Anwohner nach anfänglicher Zustimmung schon über die – besonders nachts deutlich vernehmbaren – „Klackgeräusche“ beschweren, sagt Hans-Werner Nitz.

Außerdem bereiten die anfallenden Kosten Sorgen. Denn von den 300.000 Euro, die die neue Straße kosten soll, müssten die Anwohner 156.000 Euro mittragen. Auf jede Hausbesitzer kämen also rund 6000 Euro zu.

Ähnliches Verfahren gab es schon vor fast 20 Jahren

Bezirksvertreterin Sigrid Engels (EBB) erinnerte an einen ähnlichen Vorgang im Jahr 2000. Der Anlieger des Eckgrundstücks Neuwied- und Raiffeisenweg sei bereits 2002 zur Kasse gebeten worden. Vor dem Verwaltungsgericht habe er aber die Absenkung des Beitrags von 4000 auf 1100 Euro erreichen können. Hans-Werner Nitz bedauert: „Schade, dass es vor dem Verwaltungsgericht keine Sammelklage gibt.“

Ulrich Schulte-Wieschen mutmaßte, dass die Stadt auf die Zustimmung der Bezirksvertretung dränge, um noch vor einer Entscheidung des Landtags über die Rechtmäßigkeit von Anliegerbeiträgen (KAG) ihren Antrag durchzubringen. Doch das wies der Vertreter der Stadt zurück: Das KAG sei ein Gesetz, an das sich die Verwaltung halten müsse.

Als Kompromiss bot er an, die Maßnahme im Raiffeisenweg nicht mehr in diesem Jahr durchzuführen, weil die Verkehrssicherheit gewährleistet sei. Doch auch darauf ließen sich die Bezirksvertreter nicht ein, sondern lehnten die Vorlage der Stadt ab.

Jetzt warten die Senioren am Gimkenhof auf einen neuen Vorschlag der Stadt, wie es weitergehen soll. Noch droht ein Aufstand.

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