Konzert

Amy Macdonald geizt im Colosseum nicht mit großen Emotionen

Geizte nicht mit großen Emotionen: Die schottische Musikerin Amy Macdonald bei ihrem Konzertauftritt im Essener Colosseum.

Geizte nicht mit großen Emotionen: Die schottische Musikerin Amy Macdonald bei ihrem Konzertauftritt im Essener Colosseum.

Foto: Christof Köpsel

Essen.   Verträumte Balladen und packende Songs unplugged mit neuer Note: Die schottische Sängerin Amy Macdonald begeistert im Essener Colosseum.

Im Pop-Geschäft einfach mal den Stecker zu ziehen, ist ja derzeit Mode. Weshalb die zwölf Jahre nach ihrem Überraschungserfolg „Mr Rock & Roll“ in allen Ehren erblondete Amy Macdonald im ausverkauften Colosseum die Strom-Gitarre ihrem nordirischen Einheizer Rosborough überließ. Der im Duo mit einem Drummer mächtig Dampf machte, was ihre Zuhörer jedoch ziemlich kalt ließ.

Schottischer Stolz in Zeiten des Brexit

Umso größer der Jubel, als die Schottin Schlag neun die stimmungsvoll ausgeleuchtete Bühne betrat und mit „Woman Of The World“ den Titelsong ihres jüngsten Albums anstimmte. Begleitet von Akustik-Gitarre, Geige, Cello, Kontrabass und einem Multi-Instrumentalisten am Kneipenklavier – unplugged halt. Was ihren zwischen verträumten Balladen und packenden Mitgeh-Nummern wechselnden Songs eine neue, reizvolle Note gab. Und die gefühlige, gelegentlich in die Höhe ziehende Altstimme der 31-jährigen Singer-Songwriterin deutlich in den Vordergrund schob.

Dass dabei die dichten Arrangements zunächst reichlich flächig wirkten, konnte niemanden stören, der die elektrischen Versionen ihrer Hits wie „The Rise & Fall“ kennt. Dass Amy Macdonald an Tagen wie diesen das britische Brexit-Chaos und ihren Stolz auf das schottische „Remain“ thematisierte, gipfelte in ihrem Happy-Go-Lucky-Song „Pride“, den das zuvor sitzende Publikum auf die Beine holte und zu lautstarkem Mitfeiern animierte.

Ohnehin plauderte die Schottin an diesem Abend reichlich, machte aus Essen „Food“und klang dabei mit ihrem breiten Akzent wie eine Schweizerin, die mit der englischen Sprache kämpft. Was mindestens ebenso unterhaltsam war wie ihre zunehmend duftiger servierten Songs. Etwa als sie nur mit Klavierbegleitung „Never Too Late“ intonierte oder zu sanften Geigenklängen „Don’t Tell Me That It’s Over“ mit großen Emotionen füllte.

Ein feiner Kontrast zu ihren Power-Songs wie dem Platin-Hit „This Is The Life“, wo der auch mal Ukulele spielende Tastenmann mit treibenden Beats auf Bass-Drum und Cachon für ausgelassene Party-Stimmung in der ehemaligen Industriehalle sorgte. Ein mitreißendes Wechselbad großer Gefühle, das Amy Macdonald allein mit ihrer Wanderklampfe und dem ihrer Großmutter gewidmeten „Left That Body Long Ago“ anrührend krönte. Um ihre jubelnden Zuhörer schließlich mit dem kraftvollen „Poison Prince“ beglückt nach Hause zu entlassen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben