Gerichtsprozess

„Altenheim-Dieb“ muss mehr als sieben Jahre ins Gefängnis

Vor dem Landgericht Essen mussten sich zwei Brüder wegen Seriendiebstahls verantworten.

Vor dem Landgericht Essen mussten sich zwei Brüder wegen Seriendiebstahls verantworten.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Er ging dahin, wo er am wenigsten Widerstand erwarte – ins Altenheim. Jetzt muss ein Serien-Einbrecher ins Gefängnis – genau wie sein Bruder.

Fast ihr ganzes Leben haben zwei Brüder ihre Drogensucht mit Wohnungseinbrüchen finanziert – zuletzt in Essen. Am Montag ist der Ältere der beiden zu sieben Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. Sein Bruder kam mit zwei Jahren und fünf Monaten Haft davon.

Mal tarnten sie sich als Besucher, mal stiegen sie durch ein Fenster ein: Die beiden Angeklagten waren nicht nur dreist, sondern auf ihrer Flucht auch ziemlich skrupellos. Gleich zweimal hat der 48-Jährige in Essener Altenheimen Pfefferspray eingesetzt, um Mitarbeiter auf Abstand zu halten.

Nach Erkenntnissen der Fahnder sind die Brüder rund 40 Mal in Altenheime eingebrochen

Es war eine Masche, die er offenbar schon völlig verinnerlicht hatte. Dass es so nicht weitergehen kann, weiß er allerdings selbst. „Ich hoffe, dass ich noch ein paar vernünftige Jahre in Freiheit verbringen kann – drogenfrei und straffrei“, sagte der 48-Jährige den Richtern kurz vor der Urteilsverkündung. Sein drei Jahre jüngerer Bruder formulierte es sogar noch drastischer: „Wir haben beide die Schnauze voll – von dem ganzen Leben.“

Nach Erkenntnissen der Fahnder sind die beiden Brüder zuletzt rund 40 Mal in Altenheime eingebrochen. Im aktuellen Verfahren ging es um vier Einbrüche, zwei davon in Essen. Die Beute war eher überschaubar. Einmal bestand sie aus rund 70 Euro, das andere Mal aus zwei goldenen Armreifen im Wert von rund 500 Euro.

Die Drogenkarriere des 48-jährigen Angeklagten begann schon als Jugendlicher

Die Drogenkarriere des 48-Jährige hatte schon begonnen, als er noch Jugendlicher war. „Ich wurde von meinem Vater extrem geschlagen“, sagte er den Richtern. Um abschalten zu können, habe er schon mit 15 Alkohol und Marihuana konsumiert. Später seien Kokain und Heroin dazugekommen. „Ich habe nur noch an den nächsten Kick gedacht.“

Seine Verteidigerin sprach im Prozess von einer „finanziellen und emotionalen Notlage“. Ganz so sahen es die Richter zwar nicht. Trotzdem ordneten sie an, dass die Brüder einen Teil ihrer Strafe in einer geschlossenen Therapie-Einrichtung verbringen müssen. „Das ist Ihre letzte Chance“, hieß es im Urteil.

Der nächste Prozess steht den Angeklagten allerdings schon bevor. Wahrscheinlich im Herbst – dann am Dortmunder Landgericht. (JH)

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben