Theater

Alt-Hippie trifft Afrika-Flüchtling im Theater Courage

Ariane Raspe, Gabi Dauenhauer und Tobias Schieferstein spielen in dem Stück „Rock´n Roll & Kuskusbällchen" im Theater Courage.

Ariane Raspe, Gabi Dauenhauer und Tobias Schieferstein spielen in dem Stück „Rock´n Roll & Kuskusbällchen" im Theater Courage.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  „Rock’n’Roll und Kuskusbällchen“: Autorin und Darstellerin Gabi Dauenhauer lässt unterschiedliche Kulturen mit Musik und Witz aufeinanderprallen.

Altachtundsechzigerin trifft Geflüchtete aus Afrika: „Rock’n’Roll und Kuskusbällchen“ heißt das neue musikalische Theaterstück aus der Feder von Gabi Dauenhauer. Die nunmehr 80. Produktion im Theater Courage lässt auch den Geist von Woodstock ein wenig an die Goethestraße wehen.

„Smoke on the Water“ und „Whole Lotta Love“: Freunde des gepflegten Headbangings dürfen sich schon mal freuen. Doch weil das Stück im Rahmen der dreijährigen Projektreihe „Außenseiter und Verfolgte“ läuft, wird hier nicht nur rhythmisch abgenickt. Flüchtlingskrise und Zwangsprostitution sind Themen, die in Dauenhauers Culture-Clash-Komödie mitschwingen. Mit Brechts „Flüchtlingsgesprächen“ und „Sophie Scholl: Die letzte Nacht“ hat die Rüttenscheider Bühne in den vergangenen zwei Jahren schließlich durchaus ernste Themen aufgegriffen .

Mit „Rock’n’Roll und Kuskusbällchen“ schlägt das Courage-Team nun wieder die gewohnt schrill-schrägen Töne an. „Wir wollen dem Publikum auf komödiantische Art ein ernstes Thema nahe bringen“, erklärt Gabi Dauenhauer, die das Stück nicht nur geschrieben hat, sondern auch die Rolle der etwas ausgeflippten Retro-Rockerin Marie Johanna spielt. Eines Tages unterschreibt sie nach einem Benefizkonzert der Flüchtlingsnothilfe, einen Flüchtling in ihrer Wohnung aufzunehmen.

Als nach ein paar Wochen statt des erhofften männlichen Gasts eine junge Frau vor der Haustür steht, ist das zunächst ein Schreck, aber auch der Anfang einer ziemlich ungewöhnlichen Frauenfreundschaft. Die Altachtundsechzigerin ist Dauenhauer dabei auch im wahren Leben nicht ganz fremd, wie ein Bühnen-Foto der jungen Schauspielerin zwischen Che Guevera und Janis Joplin zeigt: „Ich war eine richtige Hippie-Braut.“

Neben Dauenhauer übernimmt Ariane Raspe die Rolle der Afrikanerin Oluwarantimi Awololo: Um sich in die Frau aus dem Fantasieland Fridonia zu verwandeln, trägt die blonde Schauspielerin nicht nur eine schwarze Perücke, sondern auch viel braunes Make-up. Mit dem kontrovers diskutieren „Blackfacing“, der schwarzen Farbe im Gesicht eines Weißen, hat man an der Goethestraße keine Probleme. Nach Kinoerfolgen wie „Monsieur Claude und seine Töchter“ setzt man eher auf die heiter-hintergründige Zuspitzung von Nationalitäten-Klischees, erklärt Falk Hagen.

So knirscht es nicht nur kulinarisch, wenn die neue WG-Mitbewohnerinnen neben den „Kuskusbällchen“ in eigenwilliger Rechtschreibung auch gebackene Heuschrecken serviert. Die chaotische Marie wiederum verstört ihre neue Freundin mit der frei ausgelebten Promiskuität. Oluwarantimi Awololo, so will es das Stück, ist schließlich vor ihrem Ehemann geflüchtet, der sie zur Prostitution gezwungen hat. Tobias Schieferstein übernimmt gleich mehrere Rollen, vom fiesen Ehemann Olabukunola Osaro Awolo bis zum Millionär Waldemar de Weber, der schließlich zum Helfer in der Not wird.

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