Gegen rechte Gewalt

Woche für Zivilcourage: Gevelsberg mit Resonanz zufrieden

Anlässlich des 81. Jahrestages der Novemberpogrome fand eine Gedenkveranstaltung auf dem Rathausvorplatz in Gevelsberg statt.

Anlässlich des 81. Jahrestages der Novemberpogrome fand eine Gedenkveranstaltung auf dem Rathausvorplatz in Gevelsberg statt.

Foto: Jens Pommerenke / AirPictures.de

Gevelsberg.  Nach der Gevelsberger Aktionswoche für Zivilcourage gegen rechte Gewalt zeigt sich die Stadt zufrieden. Es gibt aber auch Verbesserungsvorschläge.

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Eine Veranstaltung steht zwar noch aus, trotzdem ist die Gevelsberger Aktionswoche für Zivilcourage gegen rechte Gewalt im Wesentlichen vorbei. Die Stadt zeigt sich mit der Resonanz zufrieden. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen und Debatten sieht sie die Veranstaltungen im Zuge der Woche als besonders wichtig an.

Vorträge und Gesprächsrunden, Lesungen und Ausstellungen – die Bandbreite an Angeboten war groß. „Rund 1000 Menschen haben die verschiedenen Aktionen besucht“, freut sich Klaus Fiukowski vom Büro für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. In seinen Augen ist die Woche damit auch in ihrem nunmehr zwölften Jahr erfolgreich gelaufen.

Schüler im Fokus

„Einen Schwerpunkt haben wir in diesem Jahr besonders auf die Ansprache von Schülern gelegt“, sagt Fiukowski. So lud der Antifaschistische Arbeitskreis unter dem Titel „Gevelsberger Statt-Rundfahrt“ vor allem Schulklassen beziehungsweise Schüler ab 14 Jahren dazu ein, auf eine geschichtliche Spurensuche in ihrer Heimatstadt zu gehen. Dabei ging es darum, zu erfahren, wie sich die Machtergreifung 1933 in Gevelsberg vollzog.

„Wir wollten, dass die Schüler lernen, dass Geschichte auch dort stattgefunden hat, wo sie leben“, erläutert Klaus Fiukowski. Auf diese Weise würde der Geschichtsunterricht vor Ort greifbar. Die „Statt-Rundfahrten“ fanden an mehreren Terminen statt und waren laut Fiukowski wie in den Vorjahren schnell ausgebucht. Gleiches gelte für den Kinoservice.

Propaganda analysiert

Das Filmriss-Kino bot unter anderem ein Seminar zur nationalsozialistischen Filmpropaganda an. Ebenfalls eine Veranstaltung, die sich gezielt an Schüler richtete. Sie hatten dabei die Möglichkeit, einen Propagandafilm zu sehen. Ein Medienpädagoge analysierte diesen und erläuterte die historischen Hintergründe. Anschließend konnten die Schüler gemeinsam über den Film diskutieren.

Die „Statt-Rundfahrten“ und die Kinoseminare seien die „Dauerbrenner“ der Aktionswoche, weiß Klaus Fiukowski. Die anderen Veranstaltungen variierten jährlich. In diesem Jahr gehörte unter anderem ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen zum Programm. Auch ein Jugendkulturprojekt zum Thema „Antiziganismus“ wurde angeboten.

Anlässlich des 81. Jahrestages der Novemberpogrome fand auch eine Gedenkveranstaltung auf dem Rathausvorplatz statt. Hier war der Gevelsberger Dr. Klaus-Michael Bogdal, Mitglied der Bundes-Kommission Antiziganismus, als Hauptredner eingeladen.

Breitere Beteiligung gewünscht

„Die Resonanz auf die Gedenkveranstaltung war gut“, sagt Bogdal auf Nachfrage. Er hätte sich ein breiteres Spektrum der im Rat vertretenen demokratischen Parteien und eine Beteiligung der Kirchen und Religionsgemeinschaften und der Schulen gewünscht. „Vielleicht können diese Institutionen in Zukunft noch stärker in die Durchführung der Woche einbezogen werden“, so Bogdal.

Die Gevelsberger Aktionswoche sei aus mehreren Gründen sehr wichtig: Zum einen engagierten sich Menschen regelmäßig, informierten sich gründlich und gingen mit guten Argumenten in die Projekte und Veranstaltungen. „Das ist ein Beispiel gelebter Demokratie und das Gegenteil von Wut, Hass und Gewalt, also von Verhaltensweisen, die sich immer breiter machen“, sagt Klaus-Michael Bodgal.

Zum anderen gebe die Aktionswoche denjenigen Bürgerinnen und Bürgern, die rassistischen, homophoben oder fremdenfeindlichen Bedrohungen ausgesetzt seien, ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit. „Gevelsberg ist und bleibt die Heimat vieler sehr unterschiedlicher Menschen“, betont er.

Förderung durch Bundesprogramm

Als Partner der Aktionswoche waren unter anderem die VHS Ennepe-Ruhr-Süd, die Integrationsagentur EN-Süd und das Städtische Jugendzentrum Gevelsberg an Bord. Gefördert wird die Woche vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“

„Solche Aktionswochen sind heute ein ganz wichtiges Instrument“, unterstreicht auch Klaus Fiukowski. Und damit meine er nicht nur die größeren Veranstaltungen, die im Zuge dessen stattfänden. „Auch die kleinen Veranstaltungen, bei denen nur 20 Leute kommen, sind sehr wichtig“, sagt er. „Im kleinen Rahmen kann man gut miteinander sprechen.“

Als Beispiel nennt er den Vortrag und die Gesprächsrunde zum Thema „Überlegungen zum Aufbau und zur Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen“ mit Dr. Heiner Sasse im Rathaus. Diese hatte zum Ziel, ein Verständnis von seelischer Struktur aufzubauen und so auch die Hintergründe von Gewaltbereitschaft zu verstehen.

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