ÖPNV

VER baut 35 Stellen im Ennepe-Ruhr-Kreis bis 2020 ab

Sie sehen Licht am Ende des Tunnels:  Aufsichtsratsvorsitzender Daniel Pilz (links) und Geschäftsführer Peter Bökenkötter in einem der nagelneuen Busse auf dem VER-Gelände.

Sie sehen Licht am Ende des Tunnels: Aufsichtsratsvorsitzender Daniel Pilz (links) und Geschäftsführer Peter Bökenkötter in einem der nagelneuen Busse auf dem VER-Gelände.

Foto: Stefan Scherer / Stefan Scherer / WP

Ennepetal.  Die VER setzt Restrukturierungsmaßnahmen um, und baut in diesem Zuge 35 Stellen in Ennepetal ab.

Licht am Ende des Tunnels erblickt derzeit VER-Geschäftsführer Peter Bökenkötter. „Wir stellen die Weichen für eine sichere Zukunft, auch wenn wir immer wieder unerwartete Rückschläge erhalten“, sagt der Chef des Unternehmens, das maßgeblich für den Busverkehr auf den Straßen des Ennepe-Ruhr-Kreises verantwortlich zeichnet. Für den Start in das Geschäftsjahr 2021 prognostiziert er, „dass wir wieder innovativ werden können.“ Bis dahin liegen aber vor ihm und der gesamten Belegschaft noch Monate der Veränderung und des Hoffens darauf, dass die Maßnahmen greifen, die der Aufsichtsrat im Februar beschloss. Um die Kosten des heimischen ÖPNV deutlich zu senken, werden bei der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr bis Ende des kommenden Jahres insgesamt 35 Stellen abgebaut.

Jahresabschluss

Die Notwendigkeit dieser Maßnahme macht ein Blick auf die Zahlen deutlich: Nur 29.000 Euro blieb die VER unter dem Maximum dessen, was der Ennepe-Ruhr-Kreis zuschießen darf. Da liefen bereits seit dem Jahr 2016 unzählige Maßnahmen, um den Kostenapparat – insbesondere die alte Ruhegeldordnung kostet Jahr für Jahr viele Millionen Euro – zu reduzieren. „Ende 2018 war allerdings klar: So werden wir die VER nicht retten können“, blickt Peter Bökenkötter gemeinsam mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Daniel Pilz in den Rückspiegel.

Personalabbau

Die Konsequenz aus den alarmierenden Zahlen: Der Aufsichtsrat traf sich im Februar zu einer Sondersitzung, beschloss ein Restrukturierungsprogramm mit der Zielvorgabe, ganz erheblich die Kosten zu senken. Auch bei der VER heißt Restrukturierung, auf die Bremse bei den Personalkosten zu treten.

Bis Ende des Jahres sollen 15 Angestellte das Unternehmen verlassen, bis Ende des ersten Quartals 2020 weitere 20 Mitarbeiter. Bei einer Gesamtbelegschaft vom 340 Mitarbeitern fällt das unter den Begriff Massenentlassung. „Wir haben alle Maßnahmen eng mit dem Betriebsrat und der Verdi abgestimmt“, sagt Bökenkötter. „Wir werden vornehmlich in der Verwaltung abbauen.“ Dort sind Bereiche betroffen wie Buchhaltung und Personal, die bald von der Bogestra für die VER mit übernommen werden.

„Wir vermitteln bislang sehr erfolgreich unsere Mitarbeiter vor allem an die Bogestra“, sagt der VER-Chef. Sechs Ex-VER-Angestellte sind bereits gewechselt, würden sich sehr zufrieden zeigen und bislang schreite der Abbaus sogar schneller als geplant voran. Parallel dazu laufen neue Systeme für Zeitkonten und -saldierungen an, wovon sich der Geschäftsführer ebenfalls einen Produktivitätsgewinn erhofft.

Fremdvergabe

Teuer waren bislang Linien, die ausschließlich in Hattingen fuhren, weil jeder Bus und jeder Auswechselfahrer erstmal von Ennepetal aus dort hinkommen musste. „Diese haben wir nun fremd vergeben, das spart uns einen namhaften sechsstelligen Betrag“, teilt der VER-Geschäftsführer mit. Die Fremdvergabequote steigt damit von 19,5 auf 25,5 Prozent. Die Schnellbuslinien sowie die Linien die neben Hattingen auch andere Kommunen bedienen, bleiben davon unberührt und werden auch künftig nicht durch einen Subunternehmer gefahren.

Krankenstand

Seit dem vergangenen November wird jede Fehlzeit von einem Gespräch begleitet. „Wir drehen das positiv, wollen wissen, ob wir etwas dafür tun können, damit es unseren Mitarbeitern gesundheitlich besser geht“, sagt Peter Bökenkötter. Die Krankenquote sank seitdem von 12,0 auf 10,68 Prozent. „Ein Prozent entsprechen 165.000 Euro“, macht Daniel Pilz die Auswirkungen einer sinkenden Krankenquote deutlich. Denn um den Linien-Verkehr aufrecht erhalten zu können, muss Zusatzpersonal bezahlt werden.

Fuhrpark

Bis Ende des Jahres sollen 15 Busse weniger in dem aktuell noch 107 Wagen umfassenden Fuhrpark stehen. Sieben Fahrzeuge spart die Fremdvergabe in Hattingen. Vier Wagen kann die VER weniger auf die Straße schicken, nachdem das Berufskolleg in Ennepetal seine Schulzeiten geändert hat. In diesem Zuge sind als erstes die fünf störungsanfälligen Hybrid-Busse ausgemustert worden. Bis Mitte nächsten Jahres soll möglichst der komplette Fuhrpark auf die sauberen Euro-6-Diesel umgerüstet sein.

Schulzeitenstaffelung

Weitere Wagen soll die Fortführung der Schulzeitenstaffelung einsparen. Diese lag wegen der Finanzdramatik nun einige Monate auf Eis. „Als nächstes sind die Linien in Gevelsberg, Sprockhövel und Wetter an der Reihe“, sagt Bökenkötter. Die Umstellung sei in Ennepetal recht geräuschlos gelaufen. Ob das für das Schulzentrum West in Gevelsberg und die Gesamtschule in Haßlinghausen auch gelten wird, da wagt er keine Prognose. „Wegen der nicht aufeinander abgestimmten Zeiten haben wir etlich Wagen die an 180 Tagen im Jahr exakt eine Stunde im Einsatz sind.“, sagt der VER-Geschäftsführer.

Kundencenter

Während das Kundencenter am Stammsitz aufgegeben wird, baut die VER am Schwelmer Bahnhof bald größere Container auf. „Wir hoffen, dass es zügig eine Lösung für den Bahnhof gibt. Das kann aber auch noch Jahre dauern“, sagt Bökenkötter. In Gevelsberg eröffnet die VER ebenfalls ein Kundencenter – in der Mittelstraße 46, wo zuvor die Parfümerie Koch war. In Ennepetal wird noch ein Standort gesucht.

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