TV-Star zeigt Wege aus der Gewalt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Schwelm. "Ich hab den Herrn Heinrichs im Armdrücken geschlagen", prahlt der große Hamsa mit dem breiten Kreuz zur Begrüßung. "Schreiben Sie das auf jeden Fall in die Zeitung", fordert der 16-Jährige stolz. Der Herr Heinrichs heißt Dirk mit Vornamen. ...

... Oder auch mal Lenny Winkler, da spielte er den Kommissar in der RTL-Serie "Die Sitte". Jetzt ist der TV-Star in privater Mission unterwegs. Zu Besuch bei der Klasse 9A der Hauptschule Ost, um zu zeigen, wie man "Sprache gegen Gewalt" nutzen kann. Von Marcus Esser Genau so heißt auch das Präventionskonzept, das der 43-jährige ins Leben gerufen hat. Warum? "Wir stehen mit unserer Präsenz im Fernsehen oder Kino automatisch im Fokus der Öffentlichkeit", so Heinrichs; "nach meiner Lebenseinstellung haben wir so aber auch die Verantwortung, als Vorbilder zu handeln."

Was auf ihn bezogen da Teenagern sofort als "vorbildlich" auffallen mag, sind die gigantischen Oberarme des Schauspielers. Dass die Muckis auch den Hauptschülern (und sein smartes Aussehen den Schülerinnen) imponiert haben, bestreitet Heinrichs im Gespräch mit der WR nicht.

Im Stuhlkreis mit der 9A und Klassenlehrerin Michaela Möllensiep (die den Besuch organisierte) macht er dann aber selbst klar, dass sein Weg nicht der der körperlichen Gewalt ist: "Wer selbstbewusst ist und weiß, was er wert ist, hat es nicht nötig, sich zu schlagen", sagt er mit ruhiger Stimme, lässt dabei seine Augen kreisen, fixiert hier und da einen der Jugendlichen. Das klingt echt, hier spielt Dirk Heinrichs keine Rolle, das merken auch die Schüler: "Der spricht so, dass wir ihn verstehen", meint Maikel (16) - "nicht so wie irgendein Psychologe, bei dem man nichts kapiert."

Kapieren, so hofft Dirk Heinrichs, werden die Jugendlichen, dass, solange man miteinander spricht, auch beim heftigen Streit, keine Fäuste fliegen: "Oder habt ihr schon mal erlebt, dass einfach einer im Vorbeigehen zuschlägt, ohne euch vorher angemacht zu haben?" Viele im Rund schütteln den Kopf.

Wie so eine Streitsituation aus dem Nichts heraus entstehen kann, dazu fallen den 15- bis 18-jährigen einige Beispiele ein. Etwa: "Wenn einer beim Schreiben am Pult immer stört, in dem er einen mit dem Ellenbogen anstößt." Bis der Nebenmann ausrastet - im Raum noch gebremst durch die Lehrerin - um dann seiner aufgestauten Wut in der Pause freien Lauf zu lassen.

Ob sie so eine Szene mal im Film nachstellen wollen?, fragt der Schauspielprofi. Blöde Frage, na' klar - denn viele im Kreis hätten sicher gegen eine Filmkarriere nichts einzuwenden. Auf dem Schulhof wird gedreht, die Gruppe teilt sich in Pseudo-Schläger, Gaffer, die teils sensationslustig die Prügelei mit dem Handy filmen und einige, die versuchen, Streit schlichtend einzugreifen. Hinterher befragt Dirk Heinrichs mit der Kamera die Schüler einzeln, wie sie die Situation empfunden haben. Einige schildern, wie machtlos sie sich gefühlt haben, noch etwas an der Situation ändern zu können.

Dirk Heinrichs erklärt, dass meist zwei dazu gehören, um es zum Kampf kommen zu lassen: "Wenn einer einfach nicht auf die Beschimpfungen ein- und weg geht, dann kommt es oft nicht zum Kampf." Oder, wenn mehrere Unbeteiligte besonnen dazwischen gehen.

Ob man das denn hinbekommt, "einfach mal 'nen Spruch zu überhören", fragt der WR-Mann? "Na, klar", meint Nachwuchsschauspieler Joe Camel alias Hamsa.

Ob das Training generell einen nachhaltigen Effekt hat, bezweifelt aber Mitschülerin Birsin (18): "Nur wer wirklich im Kopf gegen Gewalt ist, der hält sich auch später daran."

Dirk Heinrichs verspricht wiederzukommen, dann will er den fertigen Film mitbringen - der auch anderen Klassen gezeigt werden soll.

"Und es stimmt doch, ich hab' sie im Armdrücken geschlagen?!", erinnert Hamsa fast flehentlich angesichts einiger Zweifler ("der Dirk hat doch einfach losgelassen") im Klassenrund . "Na', klar", lächelt der Star beruhigend zurück: "Du hast auf jeden Fall gewonnen."

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben