Hochzeit

Todkranke Braut und ihr Mann von Nächstenliebe überwältigt

Hochzeit von Dominik und Tamara

Tamara Reichenbach und ihre große Liebe Dominik Recknagel heiraten im Haus Martfeld.Mit dieser wunderschönen Hochzeit erfüllten Freunde und Familie der 24 Jahrigen ihren sehnlichsten Wunsch. Sie ist totkrank und hat Krebs im Endstadium.

Tamara Reichenbach und ihre große Liebe Dominik Recknagel heiraten im Haus Martfeld.Mit dieser wunderschönen Hochzeit erfüllten Freunde und Familie der 24 Jahrigen ihren sehnlichsten Wunsch. Sie ist totkrank und hat Krebs im Endstadium.

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Schwelm.   „Ein Dankeschön ist nicht genug“, sagen Tamara Reichenbach und ihr Mann Dominik nach der riesigen Welle der Hilfsbereitschaft zu ihrer Hochzeit.

Tamara Reichenbach liegt auf dem Sofa und blickt auf ihr Handy. Sie wartet auf einen Anruf aus dem Krankenhaus. Dominik Reichenbach muss in einer Stunde zur Spätschicht: Auch wenn der Alltag bei dem jungen Paar eingekehrt ist, die Gedanken sind noch bei ihrer Traumhochzeit im Haus Martfeld, bei der großen Anteilnahme der vielen Menschen.

Das große Tief, vor dem sich die junge Frau so gefürchtet hatte, es ist nicht gekommen. Im April erfuhr sie, dass sie den Kampf gegen ihre Krebserkrankung verloren hat, dass die Zeit drängt. Also organisierten ihre Freunde eine Hochzeit, wie sie sich die 24-Jährige immer erträumt hatte, und setzten so eine Welle der Solidarität in Gang, die noch immer anhält.

„Es ist unglaublich, was wir in den vergangenen Wochen erlebt haben“, sagt Tamara Reichenbach. Hunderte Menschen, die vor dem Haus Martfeld erschienen sind, mit lieben Worten, Geschenken und aufmunternden Gesten. Die beiden können noch immer nicht fassen, was da eigentlich passiert ist. Unzählige Luftballons, der von den Freunden organisierte Flashmob und die vielen Menschen, die Tamara und Dominik Reichenbach gar nicht kennen, und die trotzdem für sie da sein wollen. „Ein Dankeschön reicht dafür längst nicht aus“, sagt die junge Frau. „Ich hätte gern mit jedem einzelnen geredet, denn hinter jedem steckt eine eigene Geschichte.“

Endlich Platz für den Rollstuhl

Briefe und Hochzeitsgeschenke stapeln sich auf einem Tisch im Wohnzimmer. Dominik Reichenbach kramt einen mit Blumen verzierten Umschlag hervor. Hier sei ein Gedichtband drin gewesen, von einer Frau aus Ennepetal, die die Beiden nie getroffen haben. Ein anderer Brief hätte Geld beinhaltet und den Absender „Jemand aus Bielefeld“. Der Gevelsberger Pop- und Gospelchor lud das Paar zur Vorführung des Disney-Musicals ein, der Henri-Thaler-Verein sicherte ebenso seine Unterstützung zu wie ein Schwelmer Geschäftsmann. Jetzt können sie sich das größere Auto kaufen und haben endlich Platz für den Rollstuhl.

Doch das war längst noch nicht alles: Die Organisation „Wunsch am Horizont“ schickte sie in ihren Flitterwochen in ein „traumhaftes Hotel auf Teneriffa“, von dem die beiden noch immer schwärmen. Für die Flüge legten ihre Freunde zusammen. „Wir sind so dankbar für all das“, sagt Tamara Reichenbach. Dass ihnen so viele Menschen zur Seite stehen, ist noch immer für die beiden unbegreiflich, ja ungreifbar.

Vielleicht nochmal eine Therapie

Mittlerweile hat die Uniklinik angerufen, bei der sich Tamara Reichenbach kurz vor der Hochzeit eine Zweitmeinung einholte. Und auch den OP-Termin, auf den sie wartete, hat sie nun hinter sich gebracht. Die Ärzte entfernten einen Tumor aus ihrem Bauch und werden ihn in Heidelberg genetisch untersuchen lassen. „Vielleicht finden die ja einen neuen Ansatz für eine Therapie“, sagt sie. Wenn diese nicht so krasse Nebenwirkungen habe, dann würde sie noch mal rangehen.

Eine Chemo kommt für sie nicht mehr in Frage. Nicht noch einmal. „Die paar Monate, die ich dadurch vielleicht gewinne, die sind es mir nicht wert.“ Sie möchte die Zeit mit ihrem Ehemann genießen. Ende Juli feiert sie ihren 25. Geburtstag.

Dann kommen die Mädels und veranstalten mit ihr eine Pyjama-Party. So wie früher. Danach fährt sie mit ihrer Mutter und ihrer besten Freundin für eine Woche in den Urlaub nach Bayern. Dort gibt es einen Pool, sagt sie und hofft, bis dahin wieder ins Wasser gehen zu können. Noch hindert sie eine Drainage daran. Durch diese soll das Wasser, das die Tumore auf der Lunge produzieren, ablaufen können. Seit Wochen sei aber nichts mehr gekommen.

„Manchmal fragt man sich, wofür“, sagt sie, aber dann sehe sie ihren Ehemann an, der sie daran erinnert, „dass es nicht darum geht zu überleben, sondern dass das Leben lebenswert ist“, sagt sie und drückt fest seine Hand. Wenn sie Fotos von der Hochzeit in Schwelm sehen, oder von der freien Trauung tags darauf in Wuppertal, dann haben sie noch immer Gänsehaut, spüren eine tiefe Dankbarkeit. „Ich habe mich gefühlt wie eine Prinzessin“, sagt sie. „Du sahst auch so aus“, erwidert er ohne Umschweife und erzählt davon, wie sie die Ehegelübde selbst geschrieben haben, wie ihr Vater sie den Gang entlang führte, von ihrem Bruder, der in seiner Schornsteinfegermontur kam, als Glücksbringer.

Sie wollte ihn vor sich schützen

Seit sechs Jahren ist sie krank. Musste lernen, damit umzugehen, dass es gute und schlechte Tage gibt – und dass man nicht in der Hand hat, wie es weitergeht. Dominik habe ihr dabei geholfen, seit er vor mehr als zwei Jahren in ihr Leben trat. Zu einem Zeitpunkt, an dem sie dachte, dass es sich nicht mehr lohne, mit jemanden eine Bindung einzugehen. Sie wollte ihn schützen, versuchte ihn zu vertreiben. Doch er blieb. Heute sagen sie: „Wir haben alles richtig gemacht.“ Ihr Hochzeitsfrisör hätte ihr gesagt, dass das, was um sie herum geschehen sei, ihm gezeigt hätte, dass es doch noch Nächstenliebe und eine überwältigende Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft gibt. „Stimmt“, sagt Tamara Reichenbach: „Und ein Dankeschön ist längst nicht genug.“

INFO

  • Vor sechs Jahren, da war Tamara Reichenbach 18 Jahre alt, erfuhr sie von ihrer unheilbaren Krebserkrankung und begrub ihren Traum von einer Hochzeit.

  • Am 15. Juni schließlich heiratete sie ihre große Liebe am Haus Martfeld. Hunderte Menschen waren gekommen. Freunde hatten eine Traumhochzeit organisiert.

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