Deutsche Bahn

Todesangst im Auto auf Bahnübergang in Gevelsberg

Am Bahnübergang Kirchwinkel

Am Bahnübergang Kirchwinkel

Foto: Stefan Scherer

Gevelsberg.   Als ein Senior die Gleise überqueren will, schließen sich die Schranken. Laut Deutscher Bahn ist der Mann jedoch bei Rotlicht gefahren.

Der Hals des Mannes schnürt sich zu, Panik kriecht in ihm empor. Mit seinem Auto ist er soeben auf die Gleise des Bahnübergangs Kirchwinkel gefahren, als plötzlich die Schranken vor und hinter seinem Wagen herunterfallen. Später – und damit sei der gute Ausgang der Geschichte vorweggenommen – wird er sagen: „Eine derartige Todesangst hatte ich noch nicht einmal im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs.“

Der Gevelsberger hat die Rente schon einige Jahrzehnte durch und ist stets im eigenen Auto unterwegs gewesen. Sein aktuelles Gefährt ist erst einige Wochen alt, als er damit am späten Mittag den Bahnübergang am Kirchwinkel überqueren will und sich plötzlich zwischen den herabgelassenen Schranken wiederfindet. In Panik fährt er rückwärts, touchiert eine Schranke, bevor er sich dazu entschließt, den Wagen zu verlassen, und sich unter den Schranken hindurch in Sicherheit zu bringen.

Zu seinem Pech ist er erst kurz zuvor schwer gestürzt, kann sich nur sehr eingeschränkt bewegen. Als der Gevelsberger sich unter größten Anstrengungen endlich weg vom Gleiskörper in die vermeintliche Sicherheit gerettet hat, glaubt er, seinen Augen nicht zu trauen: „Da gehen doch plötzlich die Schranken hoch.“ Er sei dann zu seinem Auto gegangen, habe dies von den Schienen gefahren. „Dann ist im Schneckentempo ein Zug vorbeigefahren“, sagt er. Aus seiner Sicht ist der Bahnübergang nicht sicher genug. „Halbseitige Schranken, so dass man in einer solchen Notsituation noch herausfahren kann, sind deutlich sinnvoller“, sagt er und betont, wie schnell und plötzlich die Schranken geschlossen und damit all seine Fluchtwege versperrt hätten.

Halbschranken nicht vorgesehen

Wie kann das passieren? Nachfrage bei der Deutschen Bahn, die zu dem Ergebnis kommt: Der Senior ist bei roter Ampel auf die Schienen gefahren. Für den Straßenverkehr ist am Übergang eine Ampelanlage mit einem Signal von drei Sekunden gelb und neun Sekunden rot aktiv, bevor sich die Schranken überhaupt senken. „Unsere Überprüfungen haben ergeben, dass diese Anlage voll funktionsfähig ist und fehlerfrei gearbeitet hat. Wir bestätigen den Vorfall“, teilt ein Bahnsprecher auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

Der Fahrdienstleiter, der bei jedem Schließen der Schranken den Bahnübergang über eine Kamera beobachtet, hatte die Schranken wieder geöffnet. „Unsere Techniker haben die Anlage geprüft; sie hat keinen Schaden genommen und war voll funktionsfähig. Weil es ein sehr kleiner Bahnübergang ist, sind Halbschranken hier nicht vorgesehen“, schreibt die Bahn, die zudem an alle Verkehrsteilnehmer appelliert: „Über 90 Prozent der Bahnübergangsunfälle passieren wegen Unaufmerksamkeit, Leichtsinn oder Unkenntnis. Achten Sie auf das Andreaskreuz und bleiben Sie bei rotem Licht und geschlossenen Schranken davor stehen.“

Der Gevelsberger beteuert, keine Ampel wahrgenommen zu haben, und beharrt darauf: „Dieser Bahnübergang muss sicherer werden, dass kann jedem passieren.“

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