Schwelmer & Soziale

Streit um Schimmel in Schwelmer Genossenschaftswohnung

Ein Teil des Schimmels in Nils Thieleckes Wohnung in Schwelm. Der Schaden beschränkt sich laut Thielecke auf einen Raum, den er regelmäßig lüfte.

Ein Teil des Schimmels in Nils Thieleckes Wohnung in Schwelm. Der Schaden beschränkt sich laut Thielecke auf einen Raum, den er regelmäßig lüfte.

Foto: Privat

Schwelm.  Ein Mieter der Schwelmer & Soziale Wohngenossenschaft wohnt laut eigener Aussage seit mehr als zwei Jahren mit Schimmel in seiner Wohnung.

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Ein Mieter der Schwelmer & Soziale Wohnungsgenossenschaft lebt nach eigener Aussage seit mehr als zwei Jahren mit Schimmel in seiner Wohnung. Den Schaden habe er seinem Vermieter damals direkt gemeldet, so der 24-Jährige. Passiert sei daraufhin nichts. Als er ähnliche Erfahrungen mit der Beseitigung eines Sturmschadens auf seiner Terrasse gemacht habe, reduzierte er seine Miete. Nun beschäftigt sich das Amtsgericht mit dem Fall. Der Mieter wirft der Genossenschaft Untätigkeit vor, weil sie Kosten sparen wolle. Die Schwelmer & Soziale klagt über mangelnde Gesprächsbereitschaft und unzureichende Informationen durch die Gegenseite.

Das sagt der Mieter

Er habe seine Wohnung bei der Schwelmer & Soziale Wohnungsgenossenschaft Mitte 2016 offiziell übernommen, sagt Nils Thielecke. Im Januar 2017 habe er Schimmel unter einem Fenster in seiner Wohnung bemerkt. Daraufhin habe er bei der Genossenschaft angerufen, wo ihm gesagt worden sei, dass sich eine Fachfirma mit ihm in Verbindung setze. Gemeldet habe sich niemand.

In den folgenden Wochen habe er immer wieder bei der Genossenschaft angerufen, ohne Ergebnis. Im April 2017 habe er seinem Vermieter schriftlich eine Frist zur Regulierung des Schimmelschadens gesetzt. „Dieses Schreiben will die Genossenschaft nicht bekommen haben“, sagt Nils Thielecke.

Es sei weiterhin nichts passiert. Im Januar 2018 sei dann ein Sichtschutz auf seiner Terrasse bei einem Sturm umgeweht und beschädigt worden, so Thielecke. Wieder habe er bei der Schwelmer & Soziale um Schadensregulierung gebeten, im Zuge dessen nochmal auf den Schimmel verwiesen. Mit einer Schreinerei habe es schließlich einen Termin gegeben. An dem sei aber nichts geschehen. Weitere Termine seien aus verschiedenen Gründen nicht zustande gekommen.

Miete reduziert

„Daraufhin habe ich schriftlich angekündigt, meine Miete zum 1. Februar 2018 zu reduzieren“, sagt Nils Thielecke. Erst nachdem er einen Anwalt beauftragt habe, sei der Terrassenschaden behoben worden. Die Mietminderung habe mehrere Mahnungen der Genossenschaft nach sich gezogen.

Auch zu einer Räumungsklage sei es gekommen. „Die hat das Amtsgericht Schwelm aber für unzulässig erklärt, weil ich zuvor keine Kündigung bekommen habe“, so Thielecke. Die sei ihm erst im Nachhinein ausgesprochen worden.

Der Schimmel habe derweil weiter bestanden. „Der gegnerische Anwalt sagte, dass mir mehrere Schreiben zugegangen sein sollen“, schildert der Schwelmer.

Im ersten habe die Genossenschaft erklärt, dass ihr keine Mängelanzeigen vorlägen. Zwei weitere, in denen die Genossenschaft ihn zu einem Gespräch eingeladen haben soll, habe er nicht erhalten. Nils Thielecke gab ein Gutachten in Auftrag.

Das habe den Schimmel auf einen baulichen Mangel zurückgeführt. „Das Gutachten erkennt die Genossenschaft aber nicht an“, sagt Thielecke. Im September 2018 schaltete er anonym zwei Annoncen in einem hiesigen Anzeigenblatt.

Reaktionen auf Anzeige

Dort rief er andere „unzufriedene Mieter einer sozialen schwelmer Wohnungsgenossenschaft“ auf, sich via E-Mail bei ihm zu melden. Knapp 20 Mails erhielt er darauf. Darin warfen die Absender der Genossenschaft sinngemäß ebenfalls Untätigkeit nach gemeldeten Schäden vor.

Berndt Erlenkötter, dem Vorstandsvorsitzenden der Schwelmer & Soziale Wohnungsgenossenschaft, sollen diese Mails auch zugegangen sein, so Thielecke. Auch Erlenkötter selbst schrieb an die genannte Adresse und bat um ein Gespräch. Thielecke reagierte darauf nicht. „Ich wollte erstmal Reaktionen abwarten“, begründet er.

Mutter in Aufsichtsrat

Der Schimmelschaden bestehe bis heute. „Ich unterstelle der Genossenschaft, dass die das aussitzen wollen, weil sie wissen, dass nur die wenigsten sich dagegen wehren“, so Thielecke. „Die wollen Kosten sparen.“ Seine Mutter sitzt im Aufsichtsrat der Genossenschaft. Laut Nils Thielecke will sie sich gegenüber dieser Zeitung aber nicht zu dem Fall äußern.

Sie verweise auf die Ansprechpartner bei der Schwelmer & Soziale. Der 24-Jährige möchte gerne weiter bei der Genossenschaft wohnen und unterstreicht: „Wenn der Schaden behoben wird, zahle ich auch wieder die volle Miete.“

Das sagt die Genossenschaft

Berndt Erlenkötter bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass es einen Rechtsstreit mit Nils Thielecke vor dem Amtsgericht Schwelm gibt. Zu Inhalten des Verfahrens äußert er sich nicht.

„Festgestellt werden kann aber, dass wir nach Meldung eines nicht näher beschriebenen Schadens in 2018 Herrn Thielecke in insgesamt drei Schreiben – davon zwei durch einen Mitarbeiter persönlich eingeworfen – gebeten haben, sich mit uns in Verbindung zu setzen und den Schaden zu konkretisieren“, sagt Erlenkötter.

Keine Reaktion auf Schreiben

Auf die Schreiben und eine konkret terminierte Einladung zu einem Gespräch habe Thielecke nicht reagiert. „Konkret benannt wurde der reklamierte Schaden erstmals durch den Anwalt von Herrn Thielecke im Juni 2018“, so der Vorstandsvorsitzende.

Erst vor dem Hintergrund vorgenommener Mietminderungen und der Einschaltung eines Rechtsanwaltes sei ein Gerichtsverfahren angestrengt worden. „Im Verlauf des Verfahrens konnten wir den reklamierten Schaden im März 2019 besichtigen“, sagt Erlenkötter. Über eine Sichtprüfung hinausgehende Untersuchungen durch die Genossenschaft seien von Thielecke abgelehnt worden.

Keine Beschwerde-Mails erhalten

„Bevor Schäden beseitigt werden können, müssen aber erstmal die Ursachen bekannt sein, die bei feuchtigkeitsbedingten Schäden sowohl in der Bausubstanz als auch im Heiz- und Lüftungsverhalten der Bewohner begründet liegen können“, sagt Erlenkötter und betont: „Wir haben überhaupt kein Interesse daran, Schäden auszusitzen, da letztlich sowohl unsere Mieter als auch die Substanz der Häuser darunter leiden würden.“ E-Mail-Beschwerden, die über Annoncen eingegangen sind, seien ihm nicht vorgelegt worden, so Erlenkötter.

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