Regionalplan

Stadt will neue Gewerbeflächen für Schwelm

Das im Entwurf eingezeichnete Gebiet liegt im Dreieck zwischen der Autobahn 1 (oben), dem Ortsteil Berghausen (hinten links) und dem Autobahnkreuz Wuppertal-Nord (nicht auf dem Bild)

Das im Entwurf eingezeichnete Gebiet liegt im Dreieck zwischen der Autobahn 1 (oben), dem Ortsteil Berghausen (hinten links) und dem Autobahnkreuz Wuppertal-Nord (nicht auf dem Bild)

Foto: Blossey

Schwelm.   Die Stadtverwaltung ist für die Ausweisung eines 103 Hektar großen Kooperationsstandortes und einer weiteren Fläche. Umweltschützer warnen.

Wenn am heutigen Donnerstag die Schwelmer Politik im Rahmen des Hauptausschusses tagt, wird es auch um eine Sache gehen, die das Potenzial hat, die Landschaft nicht nur in der Kreisstadt nachhaltig zu verändern. Umweltschützer befürchten gar eine erhebliche Verschlechterung des Stadtklimas. Es geht um die Ausweisung einer rund 100 Hektar großen Gewerbe- und Industriefläche in Linderhausen und um noch mehr.

Die Fläche ist eingezeichnet im Entwurf des neuen Regionalplanes, der den Rahmen vorgibt für die Flächennutzungspläne und Bebauungspläne in der Zukunft. Aktuell sind die öffentlichen Stellen aufgefordert, sich mit ihren Stellungnahmen an dem Aufstellungsverfahren für den Regionalplan zu beteiligen. Bis der Regionalplan tatsächlich in Kraft tritt, werden noch Jahre vergehen.

103 Hektar große Fläche

Es geht konkret um eine nierenförmige, 103 Hektar große Fläche im Dreieck zwischen A1, Autobahnkreuz Wuppertal-Nord und dem Ortsteil Berghausen. Sie überschneidet sich in Teilen mit dem (bis heute nicht realisierten) Gewerbegebiet Linderhausen.

Für die Ausweisung im Regionalplan hatten sich im Jahr 2015 die Städte Schwelm, Gevelsberg und Sprockhövel gemeinsam stark gemacht. Denn im Unterschied zu einem herkömmlichen (interkommunalen) Gewerbegebiet handelt es sich hierbei um einen sogenannten Regionalen Kooperationsstandort – und der wird nicht auf die kommunalen Gewerbeflächenkontingente angerechnet, sondern kommt noch oben drauf. „Die Verwaltung sieht den Regionalen Kooperationsstandort als große Chance für die Kommunen zur Neuansiedlung von Gewerbe bzw. zur Erweiterung von bereits etablierten Gewerbebetrieben“, heißt es seitens der Schwelmer Stadtverwaltung in der Beratungsvorlage für die Politik dazu.

Doch damit nicht genug. Geht es nach der Stadt Schwelm, würde zusätzlich dazu im Regionalplan noch eine weitere Fläche als Regionaler Kooperationsstandort eingezeichnet. Es handelt sich dabei um die weiter nördlich gelegene Fläche Gangelshausen, teils auf Schwelmer, überwiegend auf Sprockhöveler Stadtgebiet.

Diese Fläche wurde bereits 2014 als Teil des Suchraumes für eine interkommunale Gewerbefläche vom Büro Baasner Stadtplanung GmbH untersucht und als geeignet eingestuft. Der damals noch größer geplante Ausbau des Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord hatte den Planern ehemals einen Strich durch die Rechnung gemacht. Inzwischen soll der Ausbau erheblich kleiner werden, so dass die Fläche für die Kommunen wieder interessant geworden ist. „Es wird daher in Abstimmung mit der Stadt Sprockhövel vorgeschlagen, den Kooperationsstandort um diese Fläche zu erweitern“, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung dazu.

Gegen diese Pläne regt sich nun Widerstand. Bündnis 90/Die Grünen in Schwelm hatten Anfang der Woche Bürgerinnen und Bürger in ins Parteibüro eingeladen, um über den Regionalplan-Entwurf, über die Absicht der Stadt Schwelm und über die eigene Meinung dazu zu informieren. Ihre Position haben die Grünen auch in einen Antrag an die Schwelmer Politik formuliert. Darin fordern sie auf, der Absicht der Stadtverwaltung nicht zu folgen und auch den im Entwurf eingezeichneten Kooperationstandort abzulehnen. „Die geplanten Erweiterungen stellen eine Gefährdung der Landwirtschaft, des Stadtklimas und der Erholungsfunktion dar“, heißt es darin – auch mit dem Verweis, dass die Fläche im gültigen Gebietsentwicklungsplan „als notwendige klimatische Belüftung“ ausgewiesen ist. Eine Gewerbeansiedlung dort bringe erhebliche Umweltauswirkungen mit sich. Unter anderem die Zerschneidung des Grüngürtels dort.

Davor warnt auch die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Schwelm, die die Pläne ebenfalls vehement ablehnt. „Das ist ein unglaublich naturnahes Gebiet mit einer reichen Artenvielfalt“, erklärte Michael Treimer bei der Veranstaltung im Grünen-Büro. Eine Bebauung dort sei für alle Bewohner eine Katastrophe.

Zumal, wie Grünen-Ratsherr Uwe Weidenfeld ausführte, der Regionale Kooperationsstandort nur die Ansiedlung von Betrieben ab einer Größenordnung von 8 Hektar erlaube. Da würden riesige Kästen entstehen, die wie ein Riegel die Westwindzone blockieren. Auch Michael Treimer warnte vor schlimmen Folgen für die Frischluftzufuhr in Linderhausen.

Viele Bedenken, die auch andere Teilnehmer im Grünen-Büro äußerten, sind sogar schon im Regionalplan-Entwurf aufgeführt. Die Rede ist von schutzwürdigen Böden, von einer sehr hohen klimaökologischen Bedeutung, von geschützten Landschaftsbestandteilen und einer bedeutsamen Kulturlandschaft. Bei einer Erschließung seien „erhebliche Umweltauswirkungen zu erwarten“, heißt es abschließend seitens des RVR.

Hinzu kommt, dass das Dolinen-Gebiet für eine Ansiedlung ohnehin nur aufwändig zu erschließen wäre, eine Vermarktung dort als schwierig gilt. Experten gehen davon aus, dass maximal 30 Prozent der Fläche überhaupt erschlossen werden können. Genau deshalb wolle die Stadt ja so eine große Fläche, erläuterte Grünen-Ratsherr Marcel Gießwein.

Dem Antrag seiner Partei räumt der Fraktionschef selbst keine großen Chancen ein. Die Mehrheit im Rat sei wohl für die Ausweisung der Industrie- und Gewerbefläche. Eine Entscheidung, wie sich die Politik dazu stellt, ist in der Ratsitzung am 14. Februar zu erwarten.

Wer gegen die Ausweisung ist, sollte sich dennoch nicht unterkriegen lassen, empfehlen die Grünen und auch die AGU. Letztendlich entscheide die Versammlung beim RVR und nicht die Stadt. Protest könne also durchaus was bringen.

In Linderhausen formiert er sich gerade. Der Bürgerverein Linderhausen lädt alle Bürger zu einer offenen Informationsveranstaltung für Montag, 11. Februar, um 19.30 Uhr ins Gemeindehaus Linderhausen, Gevelsberger Straße 80, ein.

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