Beruf

Sie arbeiten in Schwelm, wenn andere feiern

Für sie ist Silvester (k)ein Arbeitstag wie jeder andere (von links): Dr. Rebecca Wiesner, Dr. Britta Werners, Karin Kasterke und Dr. Ulrich Müschenborn.Foto:B. Richter

Für sie ist Silvester (k)ein Arbeitstag wie jeder andere (von links): Dr. Rebecca Wiesner, Dr. Britta Werners, Karin Kasterke und Dr. Ulrich Müschenborn.Foto:B. Richter

Schwelm.   Sie stehen in Krankenhäusern, beim Rettungsdienst, bei der Polizei und in vielen anderen Bereichen ihren Mann: Menschen, die Silvester arbeiten.

Eigentlich sind alle froh, wenn man sich Silvester und Neujahr nicht sieht. Denn nur dann gab es keine Katastrophen, Unfälle oder andere unerfreuliche Ereignisse. Die Rede ist von den Menschen, die Helfer in letzter Not sind und arbeiten, wenn andere feiern. Dazu gehören Feuerwehrleute, Polizisten und natürlich auch die Mannschaft in einem Krankenhaus. Unsere Zeitung hat sich stellvertretend bei denjenigen umgehört, die in der Regel dann ran müssen, wenn andere ihre Freizeit und den Jahreswechsel genießen – in der Notaufnahme des Helios-Klinikums am Martfeld in Schwelm.

In Schwelm und Umgebung bleibt das Leben über den Jahreswechsel nicht stehen. Das weiß Karin Kasterke nur zu gut. Die 50-jährige Krankenschwester leitet die Ambulanz des Krankenhauses. Ihre Schicht geht Silvester regulär bis 23.30 Uhr. Die Familie wird sie im alten Jahr dennoch nicht zu Gesicht bekommen. Ihrem Dienst schließt sich die Rufbereitschaft an. Aus Erfahrung weiß sie, dass sie besser gleich in der Klinik bleibt, als den Heimweg anzutreten.

Besondere Stimmung an Festtagen

„Die Familie ist Kummer gewöhnt, sie kennt das gar nicht anders. Die Partner müssen damit Leben können, mal allein zur Party zu gehen“, sagt die Schwelmerin. Ihren schlimmsten Notfall hat Karin Kasterke 2015/16 erlebt. Ein Sechsjähriger kam in die Notaufnahme. Ihn hatte eine fehlgeleitete Rakete am Kopf getroffen. Reste steckten noch in seiner Schläfe. „Der Junge war so tapfer.“

„Wenn die Böller aufhören, geht es in der Notaufnahme richtig los“, weiß auch Dr. Rebecca Wiesner. Die 48-jährige Chefärztin leistet nicht nur Wechselschichten im Krankenhaus und war als Leitende Notärztin in diesem Jahr schon an 30 Tagen im 24-Stunden-Dienst auf den Straßen im Südkreis unterwegs, sie hat auch noch eine zweite Leidenschaft, die ebenfalls keinen Feierabend kennt. Im Rang einer Oberbrandmeisterin gehört sie dem Löschzug Winterberg der Freiwilligen Feuerwehr Schwelm an. „Die gesamte Familie ist Mitglied, sonst kriegen sie die Mutter gar nicht mehr zu sehen“, hat sie unserer Zeitung einmal gesagt.

In der Silvesternacht ist sie für den Hintergrunddienst, von 8 Uhr bis 8 Uhr, eingeteilt. „Man verbringt mit den Kollegen in der Klinik mehr Zeit als mit der Familie“, sieht sie die Sache pragmatisch und berichtet von einer ganz besonderen Atmosphäre, die über solche Feiertage auf den Stationen herrscht.

Diese besondere Zeit schätzt auch Dr. Britta Werners. Die 29-jährige Fachärztin für Anästhesiologie musste im vergangenen Jahr ran. Heute endet ihr Dienst um 16.30 Uhr. „Alle waren gut gelaunt, jeder hatte etwas zu Essen für ein kleines Buffet mitgebracht. Auf jeder Station wurde man eingeladen. Es war eine ganz, ganz tolle Atmosphäre“, erinnert sich die Assistenzärztin. Jahreswechsel in der Klinik zu erleben, ist für sie kein Problem. Heiligabend im Krankenhaus schon eher.

Aber zum Glück gibt es ja noch Kollegen, die aus anderen Kulturkreisen kommen und keinen Draht zu den christlichen Festen haben.

Als Arzt muss man flexibel sein. Dr. Ulrich Müschenborn erinnert sich an einen besonderen Jahreswechsel, an dem er eigentlich frei hatte. Um 23.05 Uhr bekam er einen Anruf von seiner Kollegin, die zum Dienst eingeteilt war. Sie sei schwanger, habe jetzt gesundheitliche Probleme, teilte sie dem Ärztlichen Direktor mit. „Den Dienst habe ich dann gerne übernommen. Heute ist ihre Tochter sechs Jahre alt“, zaubert die Erinnerung noch heute ein Lächeln auf das Gesicht des Mediziners.

Mit Nachwuchs kennt sich auch Dr. Andreas Leven aus. Der Chefarzt der Kinderklinik am Martfeld erinnert sich an eine Geburt am Neujahrstag genau um 0.08 Uhr. „Das Kind ist bei laufendem Feuerwerk sozusagen mit Raketen auf die Welt gekommen.“

Dank an alle, die an Silvester arbeiten müssen:

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