Seniorenberater bald selbst Senior

Seine Tage bei der Stadtverwaltung in Schwelm sind gezählt. Zum Jahresende geht Andreas Koch mit 60 Jahren in die Passivphase seines Vorruhestands.

Seine Tage bei der Stadtverwaltung in Schwelm sind gezählt. Zum Jahresende geht Andreas Koch mit 60 Jahren in die Passivphase seines Vorruhestands.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Beruflich ist er „der“ Ansprechpartner für alle 8920 Senioren in Schwelmt über 60 Jahre. Zum Jahresende ist es selbst ein Rentner: Andreas Koch.

Er ist ein Urgestein im Rathaus. Neben seiner Person gibt es höchstens noch eine Handvoll weiterer Mitarbeiter, die auf eine ähnlich lange Dienstzeit in der Stadtverwaltung Schwelm zurückblicken können. Er hat noch unter den beiden Stadtdirektoren Paul Schule und Jürgen Kulow seinen Job erledigt, hat alle hauptamtlichen Bürgermeister der Kreisstadt live erlebt, angefangen bei Rainer Döring über Dr. Jürgen Steinrücke und Jochen Stobbe bis hin zu Gabriele Grollmann-Mock. Die Rede ist von Andreas Koch, seines Zeichens Stadtamtmann.

Seit mehr als 20 Jahren ist er „der“ Ansprechpartner im Rathaus für Senioren und Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Jetzt ist er schon bald selbst ein Senior. Zum 31. Dezember 2019 verabschiedet sich der heute noch 59-jährige Andreas Koch dann als 60-Jähriger in die passive Phase seiner Altersteilzeit.

Andreas Koch ist ein Beispiel dafür, dass die Arbeit mit Senioren und für Senioren jung hält. Bis zum Jahresende ist der gebürtige Schwelmer noch Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (ARGE Schwelm), damit auch erster Ansprechpartner für alle 8920 in der Stadt lebenden Bürger, die 60 Jahre und älter sind.

Als Tanzpartner sehr gefragt

Andreas Koch tanzt auf vielen Hochzeiten. Das ist mit Blick auf die Vergangenheit durchaus wörtlich zu nehmen. Beim von der ARGE veranstalteten Tanztee für Senioren im Marien-Pfarrsaal war er bei den Damen auf dem Parkett stets ein gefragter Partner. Er ist das Bindeglied zwischen Kommune und den Sozialpflegern in den einzelnen Stadtbezirken. Seit 2010 zeichnet er für die Organisation der Senioren- und Pflegemesse verantwortlich und widmet sich mit Leidenschaft den Planungen für die stark nachgefragten Bus-Tagesfahrten. Wie der Geschäftsbereich nach dem Weggang von Andreas Koch neu zu organisieren ist, wird zurzeit in der Verwaltung überlegt. Fakt ist jedenfalls, das im Stellenplan künftig nur noch 1,5 statt 2 Stellen zu finden sind.

Ein Arbeitsleben lang bei einem Arbeitgeber beschäftigt zu sein, das ist aus heutiger Sicht in Anbetracht eines permanenten „Lernen Müssens“ und der Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt fast undenkbar. Für Andreas Koch jedoch trifft das noch zu. Der Endfünfziger hat als Jugendlicher im Alter von 15 Jahren bei der Stadt zunächst als Verwaltungspraktikant angeheuert, um zwei Jahre später die Stadtinspektorenanwärter-Laufbahn einzuschlagen. In seinen fast 45 Dienstjahren hat Koch fast alle Fachbereiche kennen gelernt. „Im Baubereich und im Personalamt war ich nur im Rahmen meiner Ausbildung“, sagt Koch.

Besonders gerne erinnert sich Andreas Koch an seine Zeit als Leiter des Sport- und Bäderamts. „Die Beziehung zu den Vereinen war super. Wenn man selbst Mitglied in einem Sportverein ist, kennt man die Leute und das Vertrauensverhältnis ist gleich ein anderes. Vieles konnte man damals noch ohne Papierkram regeln, was heute undenkbar ist“, so Koch. Als Mitglied der DLRG Schwelm war er viele Jahre im Vorstand als Jugend- und Kreisjugendwart tätig. „Auf Bezirksebene haben wir damals die Pfingstfreizeit für Kinder und Jugendliche in Dankert mit auf den Weg gebracht. Das ist heute noch ein Dauerbrenner innerhalb der DLRG.“

Gerne erinnert sich der baldige Pensionär auch an 1995, das Vorbereitungsjahr für das Stadtjubiläum. Gemeinsam mit Heike Rudolph war Koch damals in der nach dem Schenker-Brand neu eingerichteten Pressestelle tätig. Stadtdirektor Jürgen Kulow hatte erkannt, dass die Stadt ohne Pressestelle nicht mehr auskommt. „Das war das arbeitsreichste, aber auch interessanteste Dienstjahr in meinem Berufsleben“, lächelt Koch. Schon damals hatte die Stadt kein Geld. „Es wurden acht Arbeitsgruppen mit Beteiligung der Vereine eingerichtet und das Stadtjubiläum durfte nichts kosten. Aber wir hatten tolle Ideen.“ Schließlich gab es doch ein Budget von mageren 100.000 Mark, von dem alle Festveranstaltungen einschließlich des Festzelts auf dem Wilhelmplatz, der Empfang mit Ministerpräsident Johannes Rau, der Silvesterball im Atrium des Märkischen Gymnasiums und vieles mehr finanziert wurden. „An diese Zeit denke ich heute noch gerne zurück“, so Andreas Koch.

„Ich hatte das Glück, dass ich in meiner Arbeitszeit stets nah am Menschen eingesetzt und nicht anonym unterwegs war – jederzeit für jeden ansprechbar.“ Das galt für Koch im Besonderen natürlich für die vergangenen 22 Jahre im Seniorenbereich. „Jede Tour, die ich mitgemacht habe, war für mich Öffentlichkeitsarbeit. So kommt man in den Menschen ins Gespräch.“

Hochzeit im Seniorenalter

Natürlich freut sich Andreas Koch, der seinen Lebensmittelpunkt heute in Düsseldorf gefunden hat, auf seinen neuen Lebensabschnitt, auf mehr Zeit für die Familie, auf Reisen, seine Hobbys Tennis, Skifahren und Tauchen und auf das, was noch so kommen wird. Seit 20 Jahren ist er mit seiner Helena verlobt – baldige Heirat nicht ausgeschlossen. Nur eines bedauert der baldige Pensionär: dass er den Umzug ins neue Verwaltungsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei nicht mehr in seiner aktiven Zeit miterleben wird. „Ich habe an drei Projekten mitgearbeitet und drei Versuche erlebt, ein neues Rathaus zu bauen. Und nie hat es geklappt.“

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