Projekt

Schwelmer Gymnasium nimmt Klimaschutz selbst in die Hand

Empfehlungen für das eigene Handeln vor Ort: Bürgermeisterin Gabriele Grollmann-Mock (vorne links) ließ sich am Stand der Gruppe „Projekt Klimaneutrale Schule“ aus erster Hand informieren.

Empfehlungen für das eigene Handeln vor Ort: Bürgermeisterin Gabriele Grollmann-Mock (vorne links) ließ sich am Stand der Gruppe „Projekt Klimaneutrale Schule“ aus erster Hand informieren.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Nicht auf die Politik warten, sondern selbst aktiv werden: Dies will die Gruppe „Projekt Klimaneutrale Schule“ am Märkischen Gymnasium Schwelm.

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Im April dieses Jahres äußerte Christian Satalik, Lehrer für Mathematik und Physik am Märkischen Gymnasium Schwelm, er beabsichtige, eine Gruppe zu gründen, die sich mit Klimathemen befasse. Umgehend erklärten seine Kolleginnen Katharina Münstermann (Deutsch, Geschichte, Philosophie) und Franziska Niggemann (Englisch, Philosophie) sowie weitere fünf Kolleginnen und Kollegen und schon zehn Schülerinnen und Schüler ihre Mitgliedschaft.

Die Gruppe mit dem Namen „Projekt Klimaneutrale Schule“ stellt nach aufeinanderfolgenden Dürresommern, Wasserknappheit auch in Deutschland und dem Ausrufen des Klimanotstands in mehreren Städten fest, dass „wir so nicht weitermachen können, wenn wir künftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt hinterlassen wollen!“

Flyer erstellt

Die Mitglieder selbst möchten mit gutem Beispiel vorangehen. In einem Flyer schreiben sie: „Anstatt auf ,die Profis‘ zu warten, die unpopuläre Maßnahme mit Blick auf die nächste Wahl und sonstige Sachzwänge höchst ungern ins Auge fassen, wollen wir mit unserem Projekt das Thema Klimaschutz an unserem Lebens- und Arbeitsort Schule selbst in die Hand nehmen.

Die schlechte Nachricht in Sachen Klima ist zugleich die gute: „Unser derzeitiger Lebensstil verursacht zu viele Emissionen klimaschädlicher Gase, aber unseren Lebensstil können wir selbst verändern und jeder kann ganz einfach aktiv etwas tun!“ Das „Projekt klimaneutrale Schule“ hat zunächst zwei grundsätzliche Ziele formuliert: Einsparung und Kompensation.

Einsparung bedeutet Senkung des Energie- und Wasserverbrauchs. Kompensation heißt, für C02-Emissionen an anderer Stelle einen Ausgleich herzustellen. Hier gibt die Gruppe schon jetzt eine Vielzahl lebenspraktischer Tipps für den nachhaltigeren Alltag.

So geht’s besser

Beispiele: Wer zum Trinken eine Glas- oder Metallflasche verwendet, spart Plastik sowie die Transportwege abgepackten Wassers. Shampoo und Seife gibt es schon in fester Form statt in Plastikflaschen. Einwegtaschentücher lassen sich aus Stoffresten ersetzen. Brotdosen aus Metall und Bienenwachstücher sind eine gute Möglichkeit, Nahrungsmittel umweltfreundlicher zu transportieren. Viele Läden packen Einkäufe auch schon in mitgebrachte Dosen ein. Von Umgang mit Hygieneartikeln und Kleidung über Schmuck oder Geschenke: Man staunt, was die noch junge Gruppe alles empfiehlt. Und immer wieder geht’s um Verpackungen, deren Herstellung Energie kostet und Treibhausemissionen verursacht.

Fußabdruck

Für eine Kompensation von Emissionen benötigt die Schule zunächst einen CO2-Footprint (Fußabdruck), also eine Berechnung der Emissionen des Schulbetriebs. Dazu konnte die engagierte Gruppe bereits das Unternehmen firstclimate aus Bad Vilbel gewinnen, das das Gymnasium im Rahmen einer Kooperation unterstützt. Außerdem bietet das Unternehmen über 200 Projekte als Kompensationsleistung über zu erwerbende CO2-Zertifikate an.

Kompensation bedeutet, jede Tonne CO2, die die Schule verursacht, durch Zahlungen an entsprechende Projekte auszugleichen. Somit wäre die Schule in der Gesamtabrechnung tatsächlich „klimaneutral“. Natürlich wäre es besser, erst gar keine Emissionen zu verursachen, aber das ist für einen funktionierenden Schulbetrieb (noch?) utopisch.

Ausgleich

Die CO2-Kompensation bietet zwei weitere wesentliche Vorteile: Zum einen wird gezielt in solchen Gebieten der Erde investiert, in denen zu erwarten ist, dass dort in den nächsten Jahren durch industrielle Entwicklung die Emissionen massiv zunehmen. Klimaschutz sollte immer auch global gedacht werden. Zum zweiten haben die Kompensationen auch eine soziale Komponente, z.B. wird in ärmeren Regionen nachhaltige Forst- und Landwirtschaft gefördert.

Glückliche Fügung

„Es war eine glückliche Fügung, dass sich unsere Wege gekreuzt haben“, beschreibt der städtische Klimaschutzbeauftragte Michael Bush seine schon gefestigten Kontakte zum „Projekt klimaneutrale Schule“. Der Fachmann, der im städtischen Fachbereich Immobilienmanagement tätig ist, hat u.a. für die Gebäude der Stadt ein Verbrauchscontrolling aufgebaut und begleitet damit koordinierend die Umsetzung des städtischen Klimaschutzteilgutachtens, das einen Schwelmer Beitrag zur Erreichung nationaler und internationaler Klimaschutzziele darstellt.

Konzept

Da bei der Umsetzung des Klimaschutzteilkonzeptes auch die städtischen Schulen und Kitas im Fokus stehen, hat der Stadtrat, der schon für die vom Bund geförderte Stelle von Michael Bush grünes Licht gegeben hatte, in seiner jüngsten Sitzung am 27. Juni 2019 die Einführung des geförderten Projektes „Energiesparmodelle in Schulen und Kindertagesstätten“ beschlossen und die Verwaltung beauftragt, dafür beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit einen Förderantrag zu stellen.

Fördermittel

Die erforderlichen Finanzmittel sollen im Etat 2020 abgebildet werden. Hier sieht ein Energiesparmodell Maßnahmen zur Einsparung von Energie, Wasser und Abfall gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen und den Trägern von Kitas und Schulen vor. Ein externes Büro wird den technischen und schulpädagogischen Part übernehmen und der städtische Klimaschutzmanager Michael Bush übernimmt die Koordination, die Organisation und die fachliche Begleitung.

Es passt alles zusammen: Das „Projekt klimaneutrale Schule“ hat dazu die ersten Pflöcke eingeschlagen.

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