Regionalverband

Schwelm: Plötzliche Eile bei Gewerbegebiet Linderhausen

In diesem Bereich in der Nähe des Autobahnkreuzes Wuppertal Nord soll das interkommunale Gewerbegebiet der Städte Schwelm, Gevelsberg und Sprockhövel entstehen.

In diesem Bereich in der Nähe des Autobahnkreuzes Wuppertal Nord soll das interkommunale Gewerbegebiet der Städte Schwelm, Gevelsberg und Sprockhövel entstehen.

Foto: Andreas Gruber / WP

Schwelm.  Da dachten, die Gegner des Gewerbegebiets in Schwelm, sie hätten Zeit, da geht es plötzlich doch alles viel schneller beim Regionalverband.

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Nach der Entscheidung des Regionalverbands Ruhr (RVR), den Regionalplan erst nach den Kommunalwahlen 2020 zu verabschieden, schien auch die damit verbundene Ausweisung von neuen Industrie- und Gewerbeflächen auf die lange Bank geschoben. Aber: Das Gegenteil ist der Fall. Die im Schwelmer Norden angedachte Industrie- und Gewerbefläche soll nach dem Willen des RVR deutlich früher planbar sein, als von den Kritikern bisher befürchtet.

Groß waren das Entsetzen und der Aufschrei insbesondere in Linderhausen, als bekannt wurde, dass die Stadt Schwelm im Rahmen der Neuaufstellung des Regionalplans auf ihrem nördlichen Stadtgebiet ein riesiges Industrie- und Gewerbegebiet auszuweisen gedenkt. Umweltschützer warnen vor den Folgen für den regionalen Grünzug und für eine der wichtigen Frischluftschneisen für die Region. Anwohner fürchten um die Natur vor ihrer Haustür, Landwirte sorgen sich ernsthaft um ihre Existenz, wenn Acker- und Weideland Industrie und Gewerbe zum Opfer fallen.

Kooperation zwischen drei Städten

Es geht um knapp hundert 100 Hektar im Dreieck zwischen A1, Schwelmer Straße und Gevelsberger Straße sowie um weitere knapp 40 Hektar im Bereich Gangelshausen. Mit im Boot bei diesem so genannten Kooperationsstandort sind die Städte Sprockhövel und Gevelsberg.

Als Mitte Februar 2019 der Rat der Stadt Schwelm mehrheitlich sein Einverständnis zu den Plänen gab, saßen viele Anwohner im Saal und brachten ihren Missmut und Protest auch mit Schildern deutlich zum Ausdruck. Der Streit um die Ausweisung der Flächen war damit nicht vom Tisch. Eine Online-Petition „gegen Naturzerstörung“ wurde gestartet, Flyer wurden verteilt. Und doch konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die Stimmung in der Stadt in den darauffolgenden Monaten wieder ein wenig beruhigte. Zumal, als im Sommer bekannt wurde, dass der RVR die Verabschiedung des Regionalplanes auf einen Zeitpunkt nach der Kommunalwahl 2020 verschoben hat.

Ein trügerisches Gefühl

Die Aufregung darum und die Kritik daran aus den Städten der Ruhrmetropole war groß. Insbesondere von Seiten derer, die eine möglichst schnelle verlässliche Planung einforderten, wie die Industrie- und Handelskammern in der Region. Aus Sicht der Kritiker der großen Industrie- und Gewerbefläche im Schwelmer Norden aber schien es so, dass zumindest erst mal Zeit gewonnen wurde. Es war ein trügerisches Gefühl, wie man nun weiß.

Während aller Orten noch über die Verschiebung der Regionalplan-Aufstellung gestritten wurde, hat der Regionalverband Ruhr weitgehend unbemerkt einen folgenreichen Beschluss getroffen: Er will die neuen Industrie- und Gewerbeflächen wie die im Schwelmer Norden vom Regionalplan abtrennen und die Ausweisung zeitlich vorziehen.

In einer auf der Homepage des RVR veröffentlichten Mitteilung heißt es dazu: „Der Regionalverband Ruhr wird bei der Erarbeitung des neuen Regionalplanes Ruhr die 24 Regionalen Kooperationsstandorte frühzeitig planerisch sichern und so die Kommunen dabei unterstützen, Investitionen in Gewerbe und Industrie an den neuen Standorten zu ermöglichen“.

Zum Vorgehen heißt es weiter: „Der RVR wird der Politik vorschlagen, die im Regionalplan-Entwurf festgelegten ,Regionalen Kooperationsstandorte‘ vor dem Inkrafttreten des Regionalplan Ruhr im Rahmen eines vorgezogenen sachlichen Teilplans verbindlich werden zu lassen.“ Genau dies steht nun zur Beschlussfassung auf der Tagesordnung der heutigen RVR-Verbandsversammlung (ab 10 Uhr im Hendrik-Witte-Saal im Chorforum Essen). Der Regionalverband hat seiner Mitteilung eine Liste der 24 Flächen angehängt, um die es geht. Die Fläche im Schwelmer Norden ist dort mit der Bezeichnung „Kreuz Wuppertal Nord“ und einer Größe von 94,5 Hektar angegeben. Es handelt sich nach Kamp-Lintfort (129,6 Hektar) und Unna/Kamen (125,4 Hektar) um den drittgrößten Kooperationsstandort, der aus den Städten des Verbandsgebiets gemeldet wurde.

Drittgrößte Fläche im RVR-Gebiet

Bei den 94,5 Hektar mit der Bezeichnung „Kreuz Wuppertal Nord“ handelt es sich um die große Fläche im Dreieck zwischen A1, Schwelmer Straße und Gevelsberger Straße. Wie der RVR auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, ist der Bereich Gangelshausen damit aber nicht vom Tisch, sondern erst Gegenstand einer weiteren Prüfung. Sollte die Verbandsversammlung am Freitag grünes Licht für den vorgezogenen Teilplan geben, wird der Regionalverband das Verfahren in den kommenden Monaten vorantreiben. Unter anderem werden alle Flächen einer so genannten Umweltprüfung unterzogen, wie es beim RVR hieß.

Im Rahmen der öffentlichen Beteiligung können sich auch noch einmal alle Fachstellen, Verbände und Bürger zu den Plänen äußern. Ob dieses Beteiligungsverfahren noch vor der Kommunalwahl 2020 beginnen wird, lässt der Regionalverband offen.

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