Nachruf

Schreiben hielt den Schwelmer Klaus Peter Schmitz am Leben

An seinem Schreibtisch, umgeben von Stapeln an historischen Materialien, fühlte er sich am Wohlsten – Klaus Peter schmitz. In der nacht auf Mittwoch ist der Schwelmer Heimatforscher verstorben.

An seinem Schreibtisch, umgeben von Stapeln an historischen Materialien, fühlte er sich am Wohlsten – Klaus Peter schmitz. In der nacht auf Mittwoch ist der Schwelmer Heimatforscher verstorben.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.  Mit 75 Jahren ist Klaus Peter Schmitz am Mittwoch verstorben. Der Hobby-Historiker hat acht Bücher über die Geschichte Schwelms geschrieben.

Klaus Peter Schmitz ist nicht mehr unter uns. In der Nacht zu Mittwoch ist der Heimatforscher im Helios-Klinikum am Martfeld verstorben. Der im Ruhestand lebende, einst selbstständige Elektromeister wurde 75 Jahre alt.

Stadtgeschichte im Visier

Schreiben war in den letzten Jahren sein Lebenselixier. Ein schweres Herzleiden hinderte Klaus Peter Schmitz immer häufiger daran, sein Haus an der Bahnhofstraße zu verlassen. Die Erkrankung hinderte den Hobby-Historiker jedoch nicht in seinem Forscherdrang. Vom Schreibtisch aus ging er der Stadtgeschichte auf den Grund, rückte das Geschehen in Schwelm in der Zeit des Dritten Reichs häufig in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. In zahlreichen Büchern schrieb er die Ergebnisse seiner Arbeit nieder, ließ in seinen Aufsätzen regelmäßig Zeitzeugen zu Wort kommen, berichtete von lokalen Ereignissen, setzte sie jeweils in den Kontext mit Entwicklungen in Deutschland und Europa und sparte dabei auch eigene Erinnerungen nicht aus und ließ Erlebnisse im familiären Umfeld nach Jahrzehnten des Schweigens wieder lebendig werden.

Mit dem Schreiben seines jüngsten Buches, das er erst im November 2019 vollendete (wir berichteten), hatte er sich noch einen langgehegten Wunsch erfüllt. Es sei auch eine Familienchronik, hat er im Gespräch mit dieser Zeitung über sein nun letztes Werk einmal gesagt. Unter dem Titel „Lieb Vaterland magst unruhig sein – Bilder, Dokumente, Erlebnisse – 100 Jahre, die die Welt veränderten“ ließ er seinen Großvater „Opa Paul“ und zahlreiche weitere Zeitzeugen aus Schwelm auf 317 Seiten zu Wort kommen. Das Buch, wie auch Vorgängerwerke, ist wieder mit vielen Farbbildern angereichert und sollte im Januar 2020 erscheinen (ISBN-978-3-00-063902-9).

Für Klaus Peter Schmitz war immer wichtig, dass die nachfolgenden Generationen aus den Geschehnissen der Vergangenheit Lehren ziehen. Ihm lag dabei besonders am Herzen, dass sich die schlimmen Geschehnisse unter der Nazi-Diktatur niemals in der heutigen Bundesrepublik wiederholen dürfen. Sorge bereitete ihm das Wiedererstarken rechten Gedankengutes in der heutigen Parteienlandschaft. „Meine Bücher sind ein Mahnmal gegen das Vergessen. Es ist wichtig, dass wir erkennen, dass unsere Zukunft Erinnerungen braucht“, hat er einmal darüber gesprochen, was ihn zum Autor hat werden lassen.

Gemeindechronik St. Marien

Das letzte Buch von Klaus Peter Schmitz ist nach eigenen Angaben „die letzte Ausgabe einer geschriebenen Trilogie, die auch das Leben in Schwelm beschreibt“. Auf der Umschlagseite der Neuerscheinung hat er noch seine Beweggründe in Worte gefasst, warum er erneut in die Tastatur seines Computers gegriffen hat. „In diesem Buch erzähle ich über das Leben meines Großvaters. Ich beschreibe an Hand seiner vorhandenen Dokumente, Bilder und persönlichen Aufzeichnungen wirklichkeitsnah die Ereignisse aus einer unruhigen Zeit. Kollektives Schweigen der Erwachsenen und die Unkenntnis geschichtlicher Abläufe der zurückliegenden Jahrzehnte bei der jungen Generation, ließen mich den dritten Band mit dem Titel ,Lieb Vaterland magst unruhig sein‘ schreiben.

Seine Autorenlaufbahn hat Klaus Peter Schmitz mit den Schreiben diverser Kurzgeschichten begonnen. Aus Interesse an der Stadtgeschichte seiner Heimat brachte er auf Bitten von Pfarrer Heinz Ditmar Janousek das Archiv der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien auf Vordermann. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse mündeten schließlich in seinem ersten umfangreichen Druckwerk, in dem die Geschichte der Schwelmer Propstei St. Marien nachzulesen ist. Dieser Gemeindechronik folgten weitere sieben, zum Teil sehr umfangreiche, dicke Bücher.

Autor stand nicht gerne im Rampenlicht

Ehrungen waren Klaus Peter Schmitz immer ein wenig suspekt. Der Autor stand nicht gerne im Mittelpunkt des Geschehens, rückte lieber die Sache in den Vordergrund. Doch so ganz konnte er sich der öffentlichen Aufmerksamkeit schon im Interesse „seiner“ Sache nicht entziehen. Seine Autorentätigkeit gipfelte schließlich auch in zwei Ehrungen.

Von Erfurt-Stiftung ausgezeichnet

Die Wilhelm-Erfurt-Stiftung für Natur und Kultur ehrte den Heimatforscher im Februar für dessen Buch „Die Zeit des Nationalsozialismus in Schwelm“. Damit verbunden war ein Preisgeld über 500 Euro, mit dem weitere Exemplare seines Buches gedruckt werden konnten, um sie an weiterführende Schulen in Schwelm zu übergeben. Das Buch sei „ein Werk von großer Aussagekraft, insbesondere für die Bürger unserer Stadt“, erklärte Michael Treimer als Vertreter der Stiftung.

Träger des CDU-Bürgerpreises

Eine weitere Auszeichnung bekam Klaus Peter Schmitz durch die CDU Schwelm verliehen. Am 3. Oktober 2014 erhielt er den Bürgerpreis der Christdemokraten im Rahmen einer Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit im Veranstaltungsraum der Stadtsparkasse Schwelm. Unter den Gästen war u.a. der damalige CDU-Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Kreisverbandsvorsitzende Dr. Ralf Brauksiepe. Die heimische CDU verdankt dem Schwelmer auch eine Stadtverbands-Chronik. Sie erschien 2015 zum 70. Jahrestags der Gründung der CDU Schwelm. Schmitz hatte in der ihm ureigenen Art die Geschichte der Ortsunion der Kreisstadt niedergeschrieben und sie mit der Stadtgeschichte kombiniert – vom Wiederaufbau Schwelms nach dem Krieg bis in die heutige Zeit.

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