Politik

Parkplatzsuchverkehr in Schwelm minimieren

Die externen Stadtplaner wünschen sich eine weitere Fußgängerverbindung von nord nach süd - so wie den Ibach-Steg. Dumm nur, dass dieser abgerissen werden soll.

Die externen Stadtplaner wünschen sich eine weitere Fußgängerverbindung von nord nach süd - so wie den Ibach-Steg. Dumm nur, dass dieser abgerissen werden soll.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.   Die Stadtplanbüros sprechen im Innenstadt Entwicklungskonzept von einem Parkraumkonzept und einer besseren Anbindung des Lohs für Fußgänger

Politik und Verwaltung der Kreisstadt sind gerade dabei, die Innenstadt fit für die Zukunft zu machen. Deshalb hat man Fachleute eingekauft, die die „Neue Mitte Schwelm“ planerisch und mit Ideen angereichert begleiten. Im Ausschuss für Umwelt und Stadtplanung stellten die beauftragten Planbüros den Entwurf des „Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts“, kurz ISEK genannt, vor.

Ibach-Steg

Den Stadtplanern ist im Zuge ihrer Tätigkeit aufgefallen, dass die Bahnlinie das Stadtgebiet in zwei Teile trennt. Fußgängern, die vom Norden (Loh) in die City wollen, bleiben gerade zwei Wege, zwischen denen sie wählen können: die Hattinger Straße oder die Prinzenstraße. Deshalb plädieren die Fachleute für einen Durchstich mit einem Tunnel unter der Bahnlinie für Fußgänger. Alles schon mal da gewesen, kann da der Schwelmer nur sagen und sich die Augen reiben. „Ich fand den Vortrag sehr erfrischend, dass Sie auf den Ibach-Steg eingegangen sind“, konnte sich Jürgen Feldmann eine bissige Bemerkung nicht verkneifen. Bekanntlich hat eine Politik-Mehrheit das Ende der Fußgängerbrücke über die Bahnlinie beschlossen. Das Bauwerk diente jahrzehntelang als Abkürzung zwischen Märkischer Straße (Ibach-Haus) und Nordstraße (Sport’s up). Das Ratsmitglied der Partei „Die Linke“ hatte sich vergeblich stark gemacht für einen Erhalt der Querung. „Vielleicht sollte man noch einmal nachdenken über die notwendige Verbindung über die Bahn“, so Jürgen Feldmann zu seinen Ausschuss-Kollegen.

Zu diesem Themenkomplex passt es dann auch ganz gut, das die Verwaltung in Anbetracht des Haushaltsloch in Millionenhöhe der Politik aktuell vorschlägt, die Rückstellungen im Haushaltsplan von 250.000 Euro für den Abriss des Ibach-Stegs aufzulösen, um damit zum Teil das Finanzloch zu stopfen.

Bereits im März 2010 hatte die Stadtverwaltung in einer Vorlage für den städtischen Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung (AUS) vorgeschlagen, die Fußgängerüberführung über die Bahnlinie wegen Baumängeln zu demontieren. Ursprünglich waren Abrisskosten über 100.000 Euro im Gespräch, anteilig zwischen deutscher Bahn AG und Stadt Schwelm aufgeteilt. Zuletzt standen Abrisskosten von 300.000 Euro im Raum. Wer welchen Kostenanteil zu tragen hatte, darüber wurde noch verhandelt. Die Sanierung des Ibach-Stegs bezifferte die Stadtverwaltung Schwelm im April 2017 auf mindestens 500.000 Euro.

Parkraumkonzept

Ein weiterer Schwerpunkt für das ISEK ist der ruhende Verkehr und das sich daraus ergebende Mobilitäts- und Parkraumkonzept. Großes Ziel ist die Entlastung der Innenstadt durch den verkehr, besonders des Parksuchverkehrs. Kurz gesagt: die Autos müssen raus, sollten im besten Fall außerhalb des Stadtkerns abgestellt werden. Als „ein absolut ungenutztes Potenzial“ sehen die externen Fachleute das Mühlenteich-Parkhaus der Schwelmer und Sozialen Wohnungsgesellschaft und das Parkhaus des Schwelm-Centers an. Der Mühlenteich sei nur zu zweidrittel gefüllt, von den 240 Parkplätzen im Schwelm-Center stünden 200 leer, haben Stichproben der Büros ergeben.

Als Ziele nennt das ISEK u.a. die Stärkung der zentralen, aber bisher nicht optimal genutzten Parkhäuser Schwelm-Center sowie Mühlenteichplatz insbesondere für Mittel- und Langzeitparker. Die Prüfung der Möglichkeiten und des Bedarfs nach mehr P+R-Plätzen am Bahnhof (z.B. Aufstockung des Parkplatzes Bahnhof). Die Neuorganisation der Parkflächen auf dem Wilhelmplatz. Die Entwicklung einer Smartphone-App und dadurch die digitale Vernetzung von Car-Sharing, Fahrplanauskünften und Handyparken und Lenkung der Fahrzeugführer zum Parkplatz (Smartparking). Die Parkstände auf dem Altmarkt würden die Stadtplaner am liebsten auflösen, um dort die Bedingungen für Außengastronomie zu verbessern und eventuell den einst dort vorhandenen Brunnen reaktivieren.

So geht es weiter mit dem ISEK

Insgesamt 40 Maßnahmen benennt der Entwurf des ISEK bei einer Programmlaufzeit von acht Jahren.

Das Kostenvolumen beziffern die Fachleute auf ca. 20 Mio. Euro (zzgl. Rathaus-Neubau). Der mögliche Förderumfang beträgt etwa 12,6 Mio. Euro (d.h. im Mittel 1,6 Mio. Euro pro Jahr), Eigenanteil der Stadt voraussichtlich 5,4 Mio. Euro, Anteil Privater ungefähr 1 Mio. Euro.

Das Vorgehen: Juni 2019, Projektmesse auf dem Feierabendmarkt; Juli 2019, Endbericht ISEK Schwelm; Abstimmung mit Fördermittelgeber; August/September 2019, politische Beratung; 30. September 2019, Programmanmeldung.

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