Kunstrasen

Neues Chaos beim geplanten Kunstrasenplatz für Schwelm

Kampfmitteluntersuchung und Schallschutz verzögern Vorhaben und treiben Kosten in die Höhe.

Kampfmitteluntersuchung und Schallschutz verzögern Vorhaben und treiben Kosten in die Höhe.

Foto: Jens Pommerenke / AirPictures.de

Schwelm.   Die Kampfmitteluntersuchung und der Schallschutz verzögern das Vorhaben auf dem Sportplatz an der Rennbahn und treiben Kosten in die Höhe.

Vor zwei Monaten war die Euphorie noch groß: Schwelm bekommt an der Rennbahn endlich den lang ersehnten Kunstrasenplatz inklusive einer erheblich aufgewerteten Leichtathletikanlage und eines zeitgemäßen Umfelds. Klar war damals auch: Spätestens im Mai 2017 sollten die Arbeiten starten, die neue Anlage spätestens im Oktober in Betrieb genommen werden. Optimismus herrschte, dass – vorbehaltlich der finalen Kostenschätzung – die 1,5 Millionen Euro, die die Schwelmer Politik für das Vorhaben bewilligt hatte, ausreichen. Davon funktioniert wohl: nichts.

Wie einer Vorlage der Stadtverwaltung, die das Immobilienmanagement zur Beratung für die Sitzung des Rats der Stadt Schwelm am morgigen Donnerstag, 27. April, erstellt hat, zu entnehmen ist, wird der Baubeginn frühestens im März 2018 sein können, zudem sind die prognostizierten Kosten schon im Vorfeld um etwa 50 Prozent auf 2,248 Millionen Euro gestiegen.

Schlackeschicht erst abtragen

In der Vorlage, die der Beigeordnete der Stadt Schwelm, Ralf Schweinsberg, abgezeichnet hat, erläutert die Verwaltung, wie es aus ihrer Sicht dazu kommen konnte. Wesentlich für die Verzögerung soll die Tatsache sein, dass es sich bei dem Grundstück um eine Bombardierungsfläche handelt. Heißt: Bevor die bis zu 1,5 Meter tief reichende Drainage neu verlegt werden darf, muss klar sein, dass sich im Boden keine Sprengkörper mehr befinden.

Nun ist die komplette Baufläche aber mit einer etwa 15 Zentimeter dicken, metallhaltigen Schlackeschicht versehen, so dass die Detektoren des Kampfmittelräumdienstes keine korrekten Ergebnisse liefern können. Die Schlackeschicht muss also vor einer Untersuchung abgetragen werden. Dies kostet Zeit und Geld. Zudem hat das Schallschutzgutachten ergeben, dass „die neue Sportanlage in Teilbereichen einen aktiven Schallschutz erhält“, wie das Immobilienmanagement ausführt. Dies soll eine etwa drei Meter hohe begrünte Schallschutzwand sein.

Diese beiden Dinge haben laut Vorlage den Zeit- und Finanzplan durcheinander geworfen. Denn ein weiterer Punkt müsse beim Bau eines Kunstrasenplatzes bedacht werden: Die Verfüllung mit Sand und Granulat als abschließende Maßnahme muss aus technischen und witterungsbedingten Gründen bis allerspätestens Mitte Oktober eines Jahres durchgeführt sein.

Fertigstellung für Juni 2018 geplant

Folgenden Zeitplan schlägt die Stadtverwaltung nun vor: Nach der Mittelfreigabe in der Sitzung des Rats am Donnerstag soll das Vergabeverfahren spätestens Mitte Mai beginnen. „Der Abschluss dieses Verfahrens einschließlich der zu stellenden Bauanträge ist für Ende Oktober/Anfang November vorgesehen. Je nach Wetterlage kann der Bau dann ab etwa Mitte März 2018 starten und soll für Mitte Juni beendet sein“, heißt es.

Bereits bevor diese Entwicklung eintrat, hatte die Verwaltung mit Vereinen, Stadtsportverband und Schulen die Lösungen für deren Aktivitäten während der Bauphase abgestimmt. Dahinter steckt ein erheblicher organisatorischer Aufwand für alle Sporttreibenden, deren Planungen nun umsonst waren.

Untersuchungen schon 2010

Die Frage, die sich viele nun stellen, lautet: Hätte die Stadtverwaltung nicht über all dies längst Bescheid wissen müssen? Denn bereits im Jahr 2010 hatte es Untersuchungen dazu gegeben, auf der Rennbahn einen Kunstrasenplatz zu errichten. Dazu schreibt die Stadt Schwelm auf ihrer eigenen Internetpräsenz am 27. Mai 2015 in einer Kunstrasenchronologie: „Als Ergebnis wurde festgestellt, dass ein umfassendes Raum- und Flächenkonzept fehlt, das nur ein Fachplaner erstellen kann. Die Umsetzung der Idee hätte zu einem B-Planverfahren geführt und den Bestandsschutz in Frage gestellt. Zu prüfen gewesen wären in diesem Fall insbesondere folgende Punkte: Bodenbelastungen (Altlastenverdachtsfläche) und Bombenabwurfgebiet, Umweltbericht (Entfernung nahezu des gesamten Baumbestandes), Immissionsproblematik (Nähe zur Wohnbebauung, Lärmschutz).“

So bleibt abzuwarten, ob die Politik dieser Vorlage in ihrer jetzigen Form morgen tatsächlich ihre Zustimmung erteilen wird.

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