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Nach 32 Jahren in Wien bleibt Hans Dieter Knebel Schwelmer

Interview mit Hans Dieter Knebel Foto von Reinhard Werner/Burgtheater Wien: Hans Dieter Knebel (rechts) als Pinguin in "An der Arche um Acht".

Interview mit Hans Dieter Knebel Foto von Reinhard Werner/Burgtheater Wien: Hans Dieter Knebel (rechts) als Pinguin in "An der Arche um Acht".

Foto: Burgtheater

Schwelm.  Wenn Hans Dieter Knebel durch die Schwelmer Fußgängerzone geht, erkennen ihn die Menschen und grüßen freundlich.

Wenn Hans Dieter Knebel durch die Schwelmer Fußgängerzone geht, erkennen ihn die Menschen und grüßen freundlich. Auch nach 32 Jahren in Wien ist Knebel immer noch Schwelmer geblieben. Wir haben mit ihm gesprochen.

Viele Schwelmer kennen Sie noch als Konditormeister und erinnern sich an die Konditorei Knebel in der Hauptstraße in Schwelm. Wie sind Sie aus der Backstube ans Theater gekommen?

Hans Dieter Knebel: Ich wollte immer schon Theater spielen und als ich 1977 die Meisterschule für Konditoren in Köln besuchte, wusste ich, dass ich den Beruf nicht weitermachen würde. Ich wollte nicht mein Leben in der Schwelmer Backstube verbringen. Seit ich 16 war, spielte ich in der Evangelischen Laienspielschar mit, und eigentlich wollte ich Regieassistent oder Dramaturg an einem Theater werden. Also habe ich mich einfach bei den Schauspielhäusern in Wuppertal und Bochum beworben. In Wuppertal bin ich sofort abgeblitzt, aber die in Bochum sagten, ich solle immer mal nachfragen. Das habe ich gemacht: Ein bis zwei Mal pro Woche habe ich dort angerufen, und als Pina Bausch in Kooperation mit dem Schauspiel Bochum „Macbeth“ inszenierte, und ein Assistent ausgefallen war, bekam ich den Job.

Als Regieassistent?

Als „Mädchen für alles“. Wichtig war, dass ich einen Führerschein hatte. Bei den Proben sagte Pina „Mach doch einfach mal mit!“ Sie ließ uns improvisieren und stellte Fragen wie: „Was machst du, wenn du dich nachts allein im Wald fürchtest?“ Ich machte einfach mit und wurde sofort ins Ensemble aufgenommen. Wir waren vier Tänzer, vier Schauspieler (eine davon Mechthild Grossmann), eine Opernsängerin und ein Konditor. Für dieses Stück bekam ich dann einen Stückvertrag und anschließend wurde ich in Bochum „Regieassistent mit Spielverpflichtung“. Spielverpflichtung bedeutete, dass ich oft eingesprungen bin und nach dem Motto: „Du kennst ja das Stück“, unterschiedliche Rollen gespielt habe. 1979 kam Claus Peymann als neuer Intendant nach Bochum und hat allen Mitarbeitern des Schauspielhauses gekündigt. Beinahe hätte ich damals einen Vertrag als Inspizient am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen unterschrieben, aber in dem Moment rief Pina Bausch an und engagierte mich. Mein erstes Stück in Wuppertal war „Keuschheitslegende“ und im Stück „Blaubart“ habe ich mehrfach den Hauptdarsteller Jan Minarek vertreten, weil das Stück sehr anstrengend war. Eine Schwelmerin, die mich in diesem Stück gesehen hatte, sagte: „Ich fand Sie als Blaubart klasse, aber bei der Laienspielschar fand ich Sie noch viel besser.

Wie wichtig war für Sie die Schwelmer Laienspielgruppe?

Sehr wichtig. 1964 habe ich in der „Evangelischen Laienspielschar“ unter der Leitung von Egon Stetefeld und Pfarrer Eberhard Kamieth angefangen Theater zu spielen. Von Stetefeld habe ich sehr viel gelernt. Später habe ich die Leitung übernommen und die Gruppe in „Evangelisches Amateurtheater Schwelm“ umbenannt, weil das irgendwie professioneller klingt. Ich habe gespielt und Regie geführt. Und auch von Paul Winterling, dem Leiter des Wuppertaler Kinder- und Jugendtheaters, habe ich viel lernen können.

Später sind Sie dann doch fest am Bochumer Schauspielhaus gelandet?

Ja, als Peymann 1981 anfragte, bin ich als Schauspieler nach Bochum gegangen, denn dort konnte ich auch mit unterschiedlichen Regisseuren arbeiten.

Als Sie 1986 mit dem Intendanten Claus Peymann nach Wien ans Burgtheater gingen, waren Sie bereits Familienvater. Wie ließen sich der Umzug und die Tätigkeit in Wien mit der Familie vereinbaren?

Unsere Töchter Caroline und Katja waren gerade vier und zwei Jahre alt, aber meine Frau Christiane war sofort mit dem Wechsel nach Wien einverstanden. Wir haben unser Haus in Gevelsberg verkauft und ein Haus in Wien gemietet. So ein kompletter Umzug ins Ausland war damals gar nicht so einfach.Es gab aber auch schwierigere Phasen: Anfangs hatte ich meiner Frau versprochen, nur bei dem einen Stück von Pina Bausch mitzuspielen, weil ich wegen der Proben und Auftritte kaum noch zu Hause war. Ich hatte deshalb zwischenzeitlich eine Stelle als Vertreter bei „Jacobs-Kaffee“ angenommen, um regelmäßigere Arbeitszeiten zu haben. Als dann das Angebot vom Schauspiel Bochum kam, sagte meine Frau allerdings „Mach das!“, obwohl es 1.000 DM weniger Monatseinkommen waren für uns als junge Familie.

Auf Wikipedia steht: „Hans Dieter Knebel ist ein deutscher Theatermann“. Gefällt Ihnen diese Bezeichnung?

Die Bezeichnung finde ich sehr schön, sie ist so umfassend.

Konditor in Schwelm und Burgschauspieler in Wien. Haben Sie Ihre Lebensträume erfüllen können?

Ja!

Große Hauptrollen, kleine Handwerker im Sommernachtstraum oder einen watschelnden Pinguin im Kinderstück, Sie spielen einfach alles. Gab es Rollen, die Sie besonders gern gespielt haben?

Den Wasserverkäufer in Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ habe ich sehr gerne gespielt und auch den Narr in einem stummen Stück von Peter Handke. Von den sechs Handwerkern in Shakespeares Sommernachtstraum habe ich bisher schon vier gespielt. Aktuell ist es Tom Schnauz, der Kesselflicker. Ob große oder kleine Rollen, das war mir eigentlich nie wichtig. Wichtig ist für mich, dass ich eine interessante Figur spiele. Dann und wann habe ich auch Rollen abgelehnt, wenn sie mir absolut nicht zusagten. Besonders gern habe ich auch meine Soloabende gespielt: Einen Ringelnatz-, einen Morgenstern- und einen Kästner-Abend mit Musikbegleitung. Eigentlich habe ich alle Rollen gerne gespielt.

Mit 70 genießen die meisten bereits ihren wohlverdienten Ruhestand. Wie ist das bei Ihnen?

Aktuell spiele ich am Burgtheater in drei Stücken: im „Mephisto“ nach Klaus Mann, im „Sommernachtstraum“ und im „Besuch der alten Dame“. Für das neue Stück „Hiob“ beginnen für mich jetzt gerade die Proben. Die Premiere ist Ende Februar. Ab der Spielzeit 2019/20 wird Martin Kušej Direktor des Burgtheaters. Nach einem kurzen Gespräch sagte mir Kušej, dass er sich freut, wenn ich bleibe.

Auf welche Projekte freuen Sie sich in naher Zukunft?

Unser „Macbeth“ wird vom Ensemble Pina Bausch wiederaufgenommen und ich bin gemeinsam mit Jo Ann Endicott an der Einstudierung beteiligt. Ich helfe gern dabei und werde von April bis zur Premiere am 17. Mai oft zu den Proben hier sein. Mitte Juli werde ich dann voraussichtlich gemeinsam mit meiner Tochter Caroline in einem Erzähltheaterstück von Judith Kuckart mitspielen. Es heißt „Da wo ich herkomme, sind die Menschen freundlich“ und es soll in der Schwelmer Altstadt sowie im Rathaus spielen.

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