Musik

Musiker Florian Paul spricht über erstes eigenes Album

„Jetzt müssen wir das Ganze live umsetzen“: Florian Paul (Mitte) und die Kapelle der letzten Hoffnung.

„Jetzt müssen wir das Ganze live umsetzen“: Florian Paul (Mitte) und die Kapelle der letzten Hoffnung.

Foto: Lennart Heidtmann

Schwelm.   Der Musiker und gebürtige Schwelmer Florian Paul hat mit seiner Band ein erstes eigenes Album herausgebracht. Im Interview spricht er darüber.

Musik war schon immer sein Ding. 2013, nach seinem Abitur am Märkischen Gymnasium, verließ Florian Paul seine Heimatstadt, um erst bei Theater Total in Bochum die Kunst von Schauspiel, Musik und Gesang kennenzulernen und dann für sich zu entscheiden, dass Komponieren nicht mehr länger nur Leidenschaft, sondern auch sein Beruf werden soll. Nun hat der gebürtige Schwelmer sein erstes Album herausgebracht. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht er über sein aktuelles Projekt, über die Zukunft, und welche Rolle seine Heimatstadt bis heute in seinem Leben spielt.

Herr Paul, Sie haben zum 31. Mai Ihr erstes eigenes Album mit „Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung“ herausgebracht, was ist das für ein Gefühl?

Zunächst einmal sind wir natürlich sehr glücklich und stolz, dass wir nach den vielen Monaten, in denen wir an dem Album gearbeitet haben, das Ergebnis nun endlich präsentieren können und die fertige CD in den Läden steht. Trotzdem ist es damit natürlich noch lange nicht getan. Jetzt müssen wir das Ganze live umsetzen und im September beginnt unsere Tour. Parallel dazu sind wir seit einigen Wochen auch schon wieder dabei, weitere Songs zu schreiben und neue Projekte zu entwickeln, denn es steigt natürlich auch der Druck, jetzt am Ball zu bleiben.

Was erwartet den Hörer auf „Dazwischen“?

Es ist ein sehr buntes und vielfältiges Album geworden. Getreu dem Motto „Genre is dead“ bewegen wir uns auch musikalisch permanent „Dazwischen“. Irgendwo zwischen Chanson, Rock, Jazz und Pop. Viele fantastische Musiker mit ganz verschiedenem Background haben im Studio die Arrangements eingespielt, so dass von intimen Klavierballaden über tanzbaren Balkansound bis hin zum brutalen E-Gitarrengewitter immer wieder etwas Neues entdeckt werden kann. Zentrales Element sind natürlich auch die deutschen Texte, die manchmal nachdenkliche, manchmal wütende, meistens melancholische Geschichten über das Leben und natürlich vor allem über die Liebe erzählen. Einer meiner persönlichen Favoriten ist das Duett „Der Teufel“, das ich mit der Münchner Sängerin Henny Herz eingesungen habe.

Wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Einige der Songs sind schon vor beinahe drei Jahren entstanden. Die ersten Aufnahmen, die jetzt auch noch auf der CD zu hören sind, haben wir im Herbst 2017 gemacht. Dann ging es kontinuierlich weiter, neue Songs kamen dazu, die Band wuchs. 2018 haben wir eine kleine EP mit den ersten fünf Songs herausgebracht und sie dann im Laufe des letzten Jahres zum finalen Album erweitert, das jetzt erschienen ist.

Sie beschäftigen sich in Ihrem Studium in München mit Filmmusik, welchen Einfluss hat das auf die Songs von „Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung“?

Ich denke, die Arbeit als Filmkomponist hat mit Sicherheit zu der großen stilistischen Bandbreite beigetragen, die die Arrangements auf der Platte ausmacht. Man kommt durch den Beruf immer wieder mit allen möglichen Genres und vor allem auch mit allen möglichen Musikern in Kontakt. Das öffnet das Bewusstsein und die Neugier für verschiedenste Einflüsse aus allen Richtungen, was sich dann im Sound widerspiegelt. Zudem lernt man durch den ständigen Kontakt mit Film und Theater und durch den Austausch mit den Regisseuren viel über Geschichten und das richtige Erzählen. Das hilft beim Texten und zeigt sich, denke ich, in den oft sehr detailliert und bildhaft beschriebenen Szenen.

Was würden Sie sagen sind die Unterschiede zwischen dem Komponieren von Filmmusik und dem Schreiben von Songs für eine Band?

Wenn man Filmmusik schreibt, ist es das allerwichtigste, dem Film und der Geschichte dienlich zu sein. Nichts ist schlimmer, als wenn man das Gefühl hat, die Musik möchte sich unangebracht in der Vordergrund drängen, wenn gerade andere Elemente Platz brauchen. Zudem arbeitet man ja immer eng mit dem Regisseur oder der Regisseurin und mit den Produzenten zusammen. Das ist meistens sehr inspirierend und ich genieße diesen Austausch sehr, es kann aber auch anstrengend sein, wenn man nicht einer Meinung ist. Beim Songs schreiben ist das ganz anders, da geht es nur um die Musik und man kann vollkommen frei und zwanglos arbeiten.

Auf Ihrer Homepage steht, dass Ihre Mitmusiker Ihren Songs halfen, ihrem einsamen Liedermacherdasein zu entkommen. Wie viel an diesen Songs haben Sie selbst geschrieben und in welchem Maße haben sich Ihre Bandkollegen eingebracht?

Das Texten ist ganz allein meine Sache, dafür muss ich alleine mit meinen Gedanken und meinen Notizbüchern sein und in Ruhe die Sätze hin und her drehen können. Für die Musik komme ich meist mit einer Melodie, den Akkorden und/oder einer Grundidee davon, wie es später klingen soll, in den Proberaum oder ins Studio, und dann probieren wir zusammen rum und basteln an den Arrangements. Das wird gerade mehr und mehr zum Teamwork, was mir sehr gefällt, gerade da ja noch zwei weitere Komponisten in der Band sind, mit denen ich oft auch die Filmmusik zusammen mache.

Sie bezeichnen sich selbst als Geschichtenerzähler, wie viel Fiktion steckt in Ihren Songtexten und wie viel „Biographie“?

Es steckt sehr viel Biographie darin. Zu den meisten Songs könnte ich sehr konkret sagen, um wen es geht oder wann und wo das Ganze stattgefunden hat, welche Erfahrung oder welches Erlebnis dahinter steht. Manchmal fasse ich allerdings auch verschiedene Ereignisse oder Begegnungen in einem Song zusammen. Ich versuche dann, das Ganze in interessante Bilder oder Analogien zu übersetzen. Oft aber auch auf Grundlage von realen Beobachtungen. Nichts ist schwieriger, als etwas wirklich auf dem weißen Blatt Papier, im leeren Raum zu erfinden. Das versuche ich auch manchmal, es ist aber, wie ich leider feststellen musste, ungemein komplizierter.

In einem Ihrer Lieder singen Sie „Zwischen Anarchie und Kir Royal und Nymphenburg und Wuppertal“. Wie oft sind Sie noch in Ihrer alten Heimat Schwelm und wie groß ist der Bezug dazu noch?

Leider nur noch sehr selten, da München ja doch ein ganzes Stück weg ist. Dennoch spüre ich nach wie vor eine enge Verbindung zum Ruhrgebiet. Ich bin hier aufgewachsen, habe dann ja auch noch zwei Jahre in Bochum gelebt und habe eigentlich erst nach einer gewissen Zeit in München gemerkt, wie sehr mich das geprägt hat und wie froh ich darüber bin. Ich denke, es beeinflusst auch nach wie vor sehr meine Songs, besonders die Texte. Jemand, der in Berlin oder München groß geworden ist, wird, denke ich, ganz anders schreiben, als jemand, der eine Kleinstadtjugend hatte. Dafür bin ich sehr dankbar und möchte nichts davon missen. Ich komme auch immer wieder gerne her, da ich glaube, dass besonders kulturell gerade nirgendwo so viel Spannendes entsteht wie im Ruhrgebiet.

Ihr Album ist über das Münchener Indie-Label „Millaphon“ erschienen, wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Mein Professor, Gerd Baumann, ist Mitbegründer des Labels. Wir haben im Studium natürlich auch immer wieder an meinen Songs gearbeitet und da sie ihm auch persönlich gut gefielen, hat er uns dann unter Vertrag genommen.

Sehen Sie Ihre musikalische Zukunft eher als Komponist von Filmmusik oder als Frontmann einer Band?

Auf jeden Fall beides. Die Band wird gerade immer wichtiger und macht auch immer mehr Arbeit, trotzdem mache ich auch weiterhin Filmmusik. Das geht aber glücklicherweise sowieso immer auch Hand in Hand. Manchmal machen wir als Band Musik für einen Film, manchmal entsteht aus einer Filmmusik ein neuer Song für die Band. Diesen tollen Input und diesen Austausch werden wir uns definitiv erhalten.

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