Moschee

Moscheebau in Schwelm startet nun

Zeigen den Entwurf für die neue Moschee an der Hattinger Straße: (von links) Vorstandsmitglied Osman Yilmaz, Imam Levent Cihangir, Vorsitzender Mehmet Konduoğlu und Vorstandsmitglied Dogan Tekdemir.

Foto: Andreas Gruber

Zeigen den Entwurf für die neue Moschee an der Hattinger Straße: (von links) Vorstandsmitglied Osman Yilmaz, Imam Levent Cihangir, Vorsitzender Mehmet Konduoğlu und Vorstandsmitglied Dogan Tekdemir.

Schwelm.   Weil es Probleme mit dem Statiker gab, verzögerte sich der Bau der neuen Moschee in Schwelm immer weiter. Jetzt geht es tatsächlich los.

Monatelang passierte nichts in der Baugrube für die neue Moschee an der Hattinger Straße. Dabei wollte die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Schwelm spätestens im Mai vergangenen Jahres mit dem Bau ihrer modern gestalteten Gebets- und Begegnungsstätte begonnen haben. Nun ist es tatsächlich soweit: Die ersten Rohbauarbeitenaben sind gestartet. Die Bewehrung für das Fundament liegt bereits.

Die Erleichterung, dass es endlich vorangeht, ist Mehmet Konduoğlu und Dogan Tekdemir, dem Vorsitzenden der Gemeinde und dem Vorstandsmitglied, deutlich anzusehen und auch anzuhören. Dogan Tekdemir: „Der Stillstand war für uns nicht gut. Es hieß schon, ,ihr habt kein Geld’ oder ,ihr habt keine Genehmigung’“. Doch weder das eine noch das andere traf zu.

18 Monate vergeblich gewartet

„Es gab Probleme mit dem Statiker“, erklärt Vorsitzender Mehmet Konduoğlu. Statt dass der Fachmann aus Köln die Arbeit wie vereinbart erledigte und die notwendigen statischen Berechnungen lieferte, wartete die Gemeinde Woche um Woche vergeblich auf das dringend benötigte Werk aus der Domstadt.

Nach 18 Monaten hatte die Gemeinde die Nase gestrichen voll. Die Zusammenarbeit mit dem Statiker wurde aufgekündigt und ein neuer Fachmann, diesmal aus Essen, mit den Leistungen beauftragt. Das war im vergangenen September. „Es hat kein Vierteljahr gedauert, da hatte der Neue seine Arbeit erledigt“, berichtet Mehmet Konduoğlu zufrieden. „Ich vermute, für den ersten Statiker war der Moscheebau einfach eine Nummer zu groß.“ Die Mehrausgaben, die damit einhergingen, will sich die Gemeinde von ihm jetzt auf dem Klageweg zurückholen, wie der Vorsitzende erzählt.

Unabhängig davon will die Gemeinde bei ihrem Moscheebau jetzt aber richtig durchstarten. Bereits verlegt sind die Armiereisen für die Bodenplatte, deren spätere Umrisse schon gut zu sehen sind. Deutlich erkennbar ist damit auch, dass das Gebäude schräg weg von der Hattinger Straße ausgerichtet ist, was später nicht mehr wahrgenommen wird, weil zur Straße hin ein großes, gläsernes Eingangsportal vorgesetzt wird. Die Lage der Moschee ist so austariert, dass die Flucht des großen Gebetsraums nach Mekka zeigt.

Hätte in den vergangenen Tagen das Wetter mitgespielt, wäre auch schon der Beton für die Bodenplatte gegossen. Dies wird geschehen, sobald es von den Temperaturen her möglich ist, wie Mehmet Konduoğlu berichtet.

Offizielle Feier am 23. März

Die Gemeinde hofft, dass die Bodenplatte spätestens bis zum 23. März fertig ist. Denn für diesen Tag hat sie offiziell zur „Fundament-Setzung“ eingeladen. Erwartet werden der türkische Generalkonsul aus Essen, Landrat Olaf Schade und Schwelms Bürgermeisterin Gabriele Grollmann. Eingeladen sind auch Vertreter aus der heimischen Politik und den christlichen Gemeinden. Mit dabei wird auch Architekt Ali Ishan Günes sein, von dem die Gäste aus erster Hand erfahren können, wie das Gebäude später von innen und außen aussehen wird (siehe auch Artikel unten).

Läuft alles nach Plan, möchte die Türkisch-Islamische Gemeinde Ende des Jahres 2019 erstmals in ihrer neuen Moschee die Gläubigen zu Gebet und Begegnung begrüßen. „Das ist zumindest unser Ziel“, sagt Mehmet Konduoğlu. Ein wenig stolz kann die Gemeinde darauf sein, dann eine Moschee zu haben, die es von der Größe her höchstens noch in Hagen gibt. Alle anderen Moscheen in der Region seien kleiner, war zu hören

Aktuell zählt die Gemeinde 300 Mitglieder, wobei es sich um deutlich mehr Menschen handelt, die in die Moschee zur Hattinger Straße kommen. Denn: Die Gemeinde zählt pro Familie immer nur eine Person.

Der Anteil junger Gläubiger ist innerhalb des vergangenen Jahres von 110 auf aktuell 140 gestiegen, wobei es sich bei vielen Neuen um Flüchtlinge handelt, wie Dogan Tekdemir erklärt. Für die Jüngeren werde es in der neuen Moschee einen eigenen Raum geben, den es in den alten Räumen an der Hattinger Straße nicht gibt. Die Türkisch-Islamische Gemeinde nutzt das Eckgebäude seit dem Jahr 2000 für Gebet und als Treffpunkt.

1,2 Millionen Euro teures Vorhaben

Der Entwurf der neuen Schwelmer Moschee stammt vom Kölner Architekten Ali Ishan Günes, der auch die neue Moschee in Remscheid entworfen hat. Es handelt sich um eine moderne Architektur mit großem Portal und breiter Treppe sowie einer Fassade aus Glas, die Offenheit und Transparenz vermitteln soll. Die neue Moschee wird von der Hattinger Straße aus betreten.

Modern ist auch die Ausgestaltung des 18 Meter hohen Minarettes, das nach oben wie eine Spirale verläuft. Es wird – wie fast alle Minarette in Deutschland – keinen Lautsprecher haben, über den der Muezzin zum Gebet ruf.

Der Neubau hat eine Grundfläche von 400 Quadratmetern, mit insgesamt 5000 Kubikmeter umbauten Raum. Kernstück ist der gut 200 Quadratmeter große Gebetsraum, der Platz für 400 bis 500 Betende haben wird. Die Männer beten unten, die Frauen auf einer Empore oben.

Das Gebäude ist barrierefrei konzipiert und hat zwei Aufzüge, die die insgesamt drei Geschosse miteinander verbinden. Im Souterrain befinden sich Teestube, Küche und Toiletten, im ersten Geschoss Gesprächs- und Schulungsräume und im zweiten Obergeschoss Gesprächssaal und Vorstandszimmer.

Finanziert werde die neue Moschee ausschließlich aus Spenden, teilte die Gemeinde mit. Es gebe keine Hilfe vom türkischen Staat beziehungsweise vom Ditib-Dachverband. Die Gemeinde rechnet mit 1,2 Millionen Euro Baukosten.

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