Neues Buch

„Mosaiksteine des Untergangs“ erscheint im März in Schwelm

Klaus Peter Schmitz mit dem Vorabdruck seines siebten Buchs. Die „Mosaiksteine des Untergangs“ sollen im Frühjahr erscheinen.

Foto: Bernd Richter

Klaus Peter Schmitz mit dem Vorabdruck seines siebten Buchs. Die „Mosaiksteine des Untergangs“ sollen im Frühjahr erscheinen. Foto: Bernd Richter

Schwelm.   Klaus Peter Schmitz hat nun Zeit, ein wenig durchzuatmen. Den letzten Satz an seinem jüngsten Buch, die „Mosaiksteine des Untergangs – Die Schwelmer Nachkriegszeit“, hat er gerade vollendet. Jetzt werden 524 Seiten Korrektur gelesen. Voraussichtlich im März soll dann das siebte Buch des Hobby-Historikers in den Druck gehen.

Klaus Peter Schmitz hat nun Zeit, ein wenig durchzuatmen. Den letzten Satz an seinem jüngsten Buch, die „Mosaiksteine des Untergangs – Die Schwelmer Nachkriegszeit“, hat er gerade vollendet. Jetzt werden 524 Seiten Korrektur gelesen. Voraussichtlich im März soll dann das siebte Buch des Hobby-Historikers in den Druck gehen.

In Kern hat er die Jahre vom Kriegsende 1945, über die Währungsreform 1948 und die Weichenstellung für den Wiederaufbau bis 1950 zwischen die beiden Umschlagdeckeln seines Druckwerks gepackt. Wichtig war ihm dabei, die Entwicklung in Schwelm nicht losgelöst von der Entwicklung in Deutschland zu betrachten. Und immer wieder rückt er das Leid der Menschen, die Not und Entbehrungen in der Vor- und Nachkriegszeit, die sie erdulden mussten, in den Fokus. Herausgekommen ist kein historisch nüchtern gehaltenes Geschichtsbuch, sondern ein sehr emotional geschriebenes Buch, durch dessen Lektüre der Leser erahnen dürfte, mit welchen Sorgen, Nöten und Problemen die Menschen damals zu kämpfen hatten. Ergänzt hat Klaus Peter Schmitz den Inhalt durch viele zeitgeschichtliche Bilder und Dokumente und die Schilderung von vielen Zeitzeugen, von denen sechs heute noch leben. Eine Zeitzeugin hat die Fertigstellung der „Mosaiksteine des Untergangs“ leider nicht mehr erlebt. Sie ist im Januar 2017 verstorben.

„Es ist geschrieben, was zu schreiben war“, sagt Klaus Peter Schmitz (72) und berichtet, dass es ihm diesmal nicht leicht gefallen sei, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Besonders beim Kapitel über die Zwangsarbeiter und die Entnazifizierung habe er mit sich gerungen. „Soll ich Namen nennen oder es bleiben lassen?“ Diese Frage hat Klaus Peter Schmitz sich nicht nur einmal gestellt. „Die Prozesse in Nürnberg waren auch in Schwelm Gesprächsthema Nummer 1“, hat seine jahrelange Recherchearbeit als ein Ergebnis erbracht. Doch auch in Schwelm hätte die Produktion wieder laufen müssen, hätte es kein großes Interesse gegeben, die Zeit der Nationalsozialisten wirklich aufzuarbeiten und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.

„Die Funktionsträger sind damals abgehauen, keiner von ihnen ist verurteilt worden“, sagt Schmitz. Ganz in der Anonymität wollte der gelernte Elektromeister die Täter von damals aber nicht verschwinden lassen. Beim Blättern durch das neue Buch findet man Dokumente, die vereinzelt Ross und Reiter nennen. So beispielsweise die „Ernennungsurkunde“ des Schwelmer SS-Obersturmbannführer Wilhelm Goecke zum Lagerkommandanten des Konzentrationslagers in Warschau im Juli 1943.

Schwelmer Polarforscher

Aber auch an der Geschichte des letzten deutschen Wehrmacht-Wettertrupps in der Einöde der Arktis hat ein Schwelmer Soldat mitgeschrieben. Der Ornithologe und Polarforscher Hans Robert Knoespel hatte sich 1940 freiwillig zum Marine-Wetterdienst gemeldet. Wetter-Daten waren damals kriegswichtige Informationen. Tragisch: drei Stunden vor dem Rücktransport seines Teams durch ein U-Boot kam er beim Sprengen einer Hütte durch ein Unglück am 30. Juni 1944 zu Tode. Sein Grab ist in der Arktis. Sein Wetterfunktrupp, nachher in Spitzbergen eingesetzt, ergab sich erst weit nach der Kapitulation im Mai 1945 am 3. September dem Kapitän eines Eismeerkutters. Hans Robert Knoespel war übrigens der Sohn von Major Knöspel, der Schwelm vor der weiteren Bombardierung und Zerstörung durch die amerikanischen Besatzer bewahrte.

Für Klaus Peter Schmitz hat sein Buch durch das Erstarken des rechten Spektrums in der Welt, Trump, Brexit und Co., einen ganz aktuellen Bezug bekommen. „Ein ,weiter so’ darf es für die etablierten Parteien nicht geben. Sie müssen handeln, nicht reden.“ Der Autor hat Angst, dass die alten Zeiten wiederkommen. „Es ist erschreckend, was gerade in der Welt passiert. Das alles erinnert mich an die Machtergreifung der Nationalsozialisten damals“, so der Autor.

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