Abschied

Missionar, Gemeindepfarrer in Schwelm und Familienmensch

Ein langer Trauerzug folgt dem Sarg von Klaus Reuter. Der evangelische Pfarrer i.R. wurde auf dem Friedhof Oehde beigesetzt.

Ein langer Trauerzug folgt dem Sarg von Klaus Reuter. Der evangelische Pfarrer i.R. wurde auf dem Friedhof Oehde beigesetzt.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.   Eine große Trauergemeinde geleitet Pfarrer i.R. Klaus Reuter zur letzten Ruhestätte auf dem Friedhof Oehde

Groß war die Schar der Trauernden, die am Donnerstagmittag Abschied von Klaus Reuter nahmen. Der Pfarrer i.R. der Ev. Kirchengemeinde Schwelm war am Mittwoch vergangener Woche im Alter von 78 Jahren verstorben. Unter großer Anteilnahme wurde er nach einem Gedenkgottesdienst in der Christuskirche auf dem Friedhof Oehde zu Grabe getragen.

Eine Muschel schmückt den Sarg

Der Verstorbene liegt aufgebahrt im Altarraum. Den schlichten, verschlossenem Holzsarg schmückt eine große weiße Muschel – äußerlich sichtbares Zeichen seiner Verbundenheit mit dem Land und den dort lebenden Menschen, die er in sein herz geschlossen hatte. Als Missionar war Klaus Reuter gemeinsam mit seiner Frau Erika und den Kindern von 1972 bis 1980 in West-Papua tätig. Der Trauergottesdienst wird musikalisch begleitet vom CVM-Posaunenchor und der Kantorei.

„Klaus war ein vielseitig interessierter Mensch, handwerklich begabt, kreativ und hat früher selbst einmal Trompete gespielt“, sagt Pfarrer Uwe Rahn. Er habe die Musik des Posauenchors geliebt, kaum ein Konzert der Kantorei verpasst, spricht Rahn in dem Trauergottesdienst über seinen Amtsvorgänger, Kollegen und Freund, den er mit drei Worten charakterisiert: Missionar, Gemeindepfarrer, Familienmensch. Über diese Musik hätte sich Klaus Reuter sicherlich gefreut.

Uwe Rahn dreht das Rad der Geschichte noch einmal zurück auf das Jahr 1991, als er als Vikar nach Schwelm gekommen sei, erinnert sich, wie er Klaus Reuter das erste Mal gegenübergestanden habe. „Ich bin der Klaus“, habe er den jungen Kollegen seine Hand zu Gruß entgegengestreckt und willkommen geheißen. „Das charakterisiert Klaus ganz gut: herzlich, zupackend und geradeaus“, so Uwe Rahn.

Uwe Rahn zeichnet die Stationen im Leben des Toten nach, erinnert an seine Lehre als Elektriker, seine Berufung zum Missionsdienst und sein Engagement für West-Papua, an das nicht mehr existierende Martin-Luther-Haus an der Holthausstraße, die langjährige Wirkstätte von Klaus Reuter, Kinderbibeltage, Lagerfeuer und Kindergartenkinder, die im Kofferraum zu Seniorenfeiern gefahren wurden. „Ein so reiches Leben, wie soll man es in ,einer’ Trauerrede würdigen?“, sagt Rahn. Klaus sei kein Kopfmensch gewesen, er habe nach dem Gefühl, besser gesagt, aus dem Glauben heraus gehandelt. „Was Klaus wollte, setzte er auch durch“, erinnerte der Pfarrer in seiner Trauerrede an die Hartnäckigkeit, mit der Pfarrer Reuter seine Ziele auch gegen Widerstände verfolgen konnte, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte.

Über der Trauerfeier stand auf Wunsch des Verstorbenen das Gleichnis vom verlorenen Sohn „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen“ (Lk 15,18a). Auch Klaus Reuter habe sich aufgemacht, um in einem fernen Land mit wilden Tieren und Eingeborene, die sich damals noch bekämpften, als Missionar tätig zu sein.

„Was für mich wie ein Roman klang, war für Klaus und Familie Wirklichkeit“, erinnert sich Rahn an das Gespräch mit einen furchtlosen Menschen, der aufbricht, um den Papua das Evangelium zu verkünden. „,Wovon hast Du eigentlich Angst’, habe ich ihn einmal gefragt. Erika hat für ihn geantwortet: ,Vor dem Computer.’“

Uwe Rahn spricht aber auch von der Herzlichkeit der Papua, von Feiern dort mit 5000 Menschen und den Gottesdiensten von Klaus Reuter. „Auch wenn seine Gottesdienste etwas länger dauerten, in West-Papua schaute man eben nicht auf die Uhr.“ Klaus sei ein unkonventioneller Kollege gewesen.

Rahn sparte aber auch die letzten Jahre von Klaus Reuter nicht aus, die Zeit seiner Demenzerkrankung, die auch für die Familie schwer gewesen sei. „Gott hat Klaus mit offenen Armen empfangen, er ist angekommen“, schloss Uwe Rahn seine Trauerrede.

Ebenfalls von persönliche Begegnung berichteten Siegfried Zöllner, der Vorgänger von Klaus Reuter als Missionar in West-Papua, und Christiane Sartor, die als Kinder-Gottesdiensthelferin auf „viele wunderbare Jahre“ zurückblicken konnte. Mit Ibrahim Peyon wohnte sogar ein Gast aus West-Papua der Trauerfeier bei. Es ist der einzige Yali, der in Deuschland studiert und in München gerade promoviert, wie Siegfried Zöllner sagte.

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