Kommentar

Leuchtturmprojekte sind anfangs immer umstritten

Redakteur Bernd Richter.

Redakteur Bernd Richter.

Foto: Volker Speckenwirth

Redakteur Bernd Richter zum Antrag, das Kesselhaus der Brauerei abzureißen.

In Anbetracht der astronomisch hohen Zahlen von 50 Millionen Euro und mehr, die im Zusammenhang mit dem Rathaus-Neubau und des Kulturzentrums im Raum stehen, kann ich verstehen, dass so manchem Ratsmitglied schwindelig wird. Die Neue Mitte Schwelm, zu der diese Projekte gehören, wird die Bürger in Schwelm die folgenden Jahrzehnte begleiten. Und auch die Schulden daraus werden eine lange Restlaufzeit haben. Ich kann deshalb verstehen, dass manche Kommunalpolitiker, übrigens alles Laien und keine Politik-Profis, lieber ein Netz unter die Beschlüsse einziehen wollen. Denn wenn das Projekt einmal in die Hose gehen sollte, dann können sie auf ihre Gegen-Anträge verweisen und sagen: Ich hab’ das alles nicht gewollt.


In meinen Augen ist es nur die Angst vor der eigenen Courage. Denn das Kesselhaus ist ein Denkmal und die Mehrheiten im Rat sind woanders. Zur Erinnerung: Das Projekt Brauerei-Brache hat viele Facetten. Ursprünglich wollte Pass-Invest dort Mietwohnungen bauen und Gewerbefläche schaffen. Das verhinderte eine Rats-Mehrheit um die CDU. Das Grundstück landete bei Euroconcept – und dämmerte vor sich hin. Damals zog die Politik die Reißleine, beschloss das einzig Richtige und die Stadt kaufte das Areal. Seitdem gibt es für die Brache wieder eine Perspektive.


Ich bin mir sicher, dass Schwelm ein vorzeigbares Rathaus bekommt und auch die Kultur zufrieden sein wird. Investitionen in die Infrastruktur haben noch keiner Kommune geschadet. Die nachfolgenden Generationen werden den Nutzen aus den Beschlüssen haben. Leuchtturnprojekte sind anfangs immer umstritten – und halten selten die Kostenschätzungen ein. Ohne sie gäbe es keine Elbphilharmonie und keinen Bundestag im alten Reichstagsgebäude.

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