100 Jahre C. u. A. Heiderich

Last der Welt läuft über Rollen aus Ennepetal-Oberbauer

Geschäftsführer Harald Weissflog (rechts) und sein Vater und Seniorchef Erich Weissflog vor einer mittelgroßen Seilrolle und einer Reihe von Haken.

Geschäftsführer Harald Weissflog (rechts) und sein Vater und Seniorchef Erich Weissflog vor einer mittelgroßen Seilrolle und einer Reihe von Haken.

Foto: Hartmut Breyer

Ennepetal.  Wenn Riesenkräne einige tausend Tonnen heben, spielen oft Teile der C. u. A. Heiderich GmbH eine tragende Rolle. Das Unternehmen feiert Jubiläum.

Wenn riesige Schwimm- und Schwerlastkräne überall in der Welt einige tausend Tonnen Gewicht am Haken haben, dann übernehmen oft Teile aus Ennepetal eine tragende Rolle. Die C. u. A. Heiderich GmbH produziert Seilrollen, die in der Fördertechnik zum Einsatz kommen. Auch Unterflaschen für Seilzüge, die das Unternehmen in Oberbauer herstellt, sind rund um den Globus im Einsatz. In diesem Jahr feiert der Familienbetrieb 100-jähriges Bestehen.

Angefangen hat alles 1919. Die Vettern Carl und Albert Heiderich gründeten in Hagen eine kleine Firma. „Das war eine Garagenbude mit 30 Quadratmetern Werkstatt“, erzählt der heutige Geschäftsführer Harald Weissflog, Urenkel von Albert Heiderich. Doch schon nach knapp zwei Jahren wurde der Raum zu klein und beide erwarben ein Wohnhaus mit Grundstück am heutigen Standort des Unternehmens an der Breckerfelder Straße. Dort bauten Carl und Albert Heiderich eine Werkstatt. Fahrradgepäckträger, Rohrschellen, Seifenschalen, aber auch schon Flaschen – so werden die Rollen samt Haken am oberen bzw. unteren Ende eines Flaschenzugs genannt – produzierte das kleine Unternehmen. 1924 stellten die Inhaber Erich Dreisbach ein. Unter seiner Mitwirkung wurde die Produktpalette auf Rollen verschiedener Art sowie Hanfseilblöcke konzentriert. Die galoppierende Inflation zu jener Zeit machte der jungen Firma schwer zu schaffen, so dass Carl Heiderich keine Zukunft mehr sah und ausschied. Das „C“ im Firmennamen blieb aber. „Albert hat gesagt: ,Wir haben das Unternehmen zusammen gegründet, ohne Carl hätte ich das alleine nicht geschafft’“, so Harald Weissflog.

Am 18. Juli 1930 fand im Hause Heiderich eine Doppelhochzeit statt: Erich Dreisbach heiratete Albert Heiderichs ältere Tochter Änne und die jüngere Tochter Frieda ehelichte Eugen Weissflog, dessen Vater Julius in der Nachbarschaft eine Drechslerei betrieb. Frieda und Eugen Weissflogs Sohn Erich kam 1932 zur Welt. Er trat 1957 in die Geschäftsleitung ein – und ist bis heute aktiv. „Ich bin jeden Tag noch hier, mache aber nichts mehr kaputt“, meint der 87-Jährige schmunzelnd. Gemeinsam mit seiner Mutter, die sich um das Kaufmännische kümmerte, und Erich Dreisbach führte Erich Weissflog lange Zeit die Firma.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Unternehmen weiter. Anfang der 30er Jahre ging es im Wirtschaftsboom durch die Nazi-Politik auch für C. u. A. Heiderich aufwärts. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Firma unter britischer Besatzung als Rüstungsbetrieb eingestuft und erhielt zunächst keine Erlaubnis, die Produktion wieder aufzunehmen. „Unsere Rollen wurden auch auf Schiffen eingesetzt“, erklärt Harald Weissflog. Doch schon im Juni 1945 kam die Erlaubnis.

„Ende der 60er Jahre ging die traditionelle Produktion stark zurück“, erzählt Erich Weissflog. Hanfseilblöcke wurden von taiwanesischen Firmen zum halben Preis angeboten. Der Trend ging hin zu mobilen Bord- und Motorkränen mit starken Motorwinden, so dass auch die Aufträge für Drahtseilblöcke zurück gehen würden. „Wir mussten schnell etwas ändern“, so Erich Weissflog. Er hatte die Idee, das Seilrollenprgramm auszubauen und Rollen in geschweißter Ausführung für die Fördertechnik anzubieten. Bis dato waren die Rollen in Gusstechnik hergestellt worden. Das neue Standbein sicherte die Zukunft des Unternehmens.

Patentierte Verschleißkontrolle

C. u. A. Heiderich wuchs unübersehbar. So kaufte der Betrieb die alte Drechslerei samt Grundstück von Erich Weissflogs Großvater Julius an. Und zur gleichen Zeit wurde ein Teilstück der Hagener Straßenbahn stillgelegt. So konnte die Firma das Grundstück kaufen, das beide Firmen bisher getrennt hatte, und gewann so Platz für Erweiterungen.

Heute steht das Unternehmen in einem harten Wettbewerb. „Es war in den letzten Jahren ein schwankendes Geschäft“, sagt Harald Weissflog, der 1988 ins Unternehmen eingetreten war. Unter anderem werden Heiderich-Produkte auf den riesigen Bohrplattformen im Meer eingesetzt. Angesichts des Ölpreisverfalls fiel dieser Bereich fast gänzlich aus. Auch der Schiffbau, wo die Rollen an den Bordkränen zu finden sind, habe sich von seiner Krise noch nicht erholt. Eine große Herausforderung ist es, sich gegen Billigkonkurrenz zu behaupten. „Die Geiz-ist-geil-Mentalität gibt es auch bei den großen Kranbauern“, so Harald Weißflog. Und einer Seilrolle sehe man von außen nicht an, wenn sie qualitativ nicht so hochwertig ist. „Wir müssen unsere Qualität deutlich machen“, betont er. Wenn bei einem 5000-Tonnen-Kran die Last abstürze, wolle man sich gar nicht vorstellen, was passiere. Auch die Kosten bei Stillstand seien immens.

Daher setzt C. u. A. Heiderich auf spezielle Techniken, um den Verschleiß einer Seilrolle feststellen zu können. Mit dem patentierten „Wear Safe“-System lässt sich an einem in die Lauffläche der Seilrolle eingearbeiteten, farblich von der Rille deutlich unterscheidbaren Verschleißkörper erkennen, wann die Rolle ersetzt werden muss. Im Jubiläumsjahr will das Unternehmen auch mit einer Weltneuheit aufwarten – der Fernüberwachung von Seilrollen. Das spart Zeit und Arbeitskraft, die sonst für die Kontrolle benötigt wird. Außerdem beteilige man sich an einem Forschungsprojekt der TU Chemnitz zur Optimierung von Strukturen bei textilen Faserseilen, berichtet Harald Weissflog.

Einiges aus Anfangszeit im Sortiment

Auch wenn sich C. u. A. Heiderich in der 100-jährigen Geschichte immer weiter entwickelt und neuen Herausforderungen gestellt hat, ist im Sortiment etwas aus den Anfangszeiten erhalten geblieben. Hanf- und Drahtseilrollen, Haken und Schiebtürrollen – etwa für Scheunentore – werden bis heute produziert und über den Fachhandel vertrieben. „Ich wüsste keinen, der das in der Vielfalt macht“, sagt Erich Weissflog. Und sein Sohn Harald ergänzt: „Alles machen wir hier am Standort.“ So helfen Produkte aus Oberbauer überall dabei, ein kleines bisschen von der Last der Welt zu tragen.

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