Konzert

Konzert in Gevelsberg zum 200. Geburtstag von Clara Schumann

Pianistin Ragna Schirmer und das Mendelssohn Kammerorchester gastieren bei der Konzertgesellschaft Gevelsberg

Pianistin Ragna Schirmer und das Mendelssohn Kammerorchester gastieren bei der Konzertgesellschaft Gevelsberg

Foto: Lilo Ingenglath-Gegic

Gevelsberg.   Pianistin Ragna Schirmer und das Mendelssohn Kammerorchester haben bei der Konzertgesellschaft Gevelsberg gastiert.

Pianistin Ragna Schirmer erfreut sich seit Jahren höchster Anerkennung bei Konzertpublikum und Fachkritik, das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig gehört zu den profiliertesten Orchestern seiner Art. Somit waren beim III. Meisterkonzert der Konzertgesellschaft wieder hochrangige Musiker in Gevelsberg zu Gast.

Den Auftakt machte an diesem Abend das Mendelssohn Kammerorchester mit der Sinfonie für Streicher Nr. 12 g-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), einem frühen Werk, bei dem aber durchaus der spätere große Komponist erkennbar ist. Schon bei den ersten Takten wurde klar, dass hier ein Spitzenorchester musizierte.

Leitung aus der Mitte des Orchesters

Zwei Besonderheiten fielen auf: Der künstlerische Leiter Peter Bruns leitet das Ensemble aus der Mitte des Orchesters von der Position des Solocellisten aus, was eine starke Kommunikation zwischen ihm und den anderen Orchestermitgliedern deutlich macht. Und alle Musiker, bis auf die Cellisten, spielen im Stehen, was nicht nur optisch interessant ist, sondern auch dem Klang sehr gut tut.

Die 14 Streicher hatten sichtlich Freude daran, die Sinfonie ihres Namensgebers zu interpretieren. Auf dieser Konzerttournee wird sonst an der Stelle eine Sinfonie von Haydn gespielt. Wie schön, dass der Vorstand der Konzertgesellschaft sich Mendelssohn gewünscht hatte. So kamen die Zuhörer in den Genuss von vorzüglicher Ausdrucksstärke und großer Musizierfreude.

Musikerin nähergebracht

Die Pianistin Ragna Schirmer hat sich seit Jahren eingehend mit der Musikerin Clara Schumann (1819-1896) beschäftigt. Zum 200. Geburtstag der Komponistin und Pianistin hat Schirmer ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem sie Kompositionen von Clara Schumann spielt, aber auch Werke, die zu deren Lieblingstücken gehörten oder von ihr selbst bei Konzerten gern gespielt wurden.

Schirmer spricht nur von „Clara“, die Nachnamen Wieck und Schumann lässt sie liebevoll weg, und sie bringt den Zuhörern in einer Moderation diese faszinierende Musikerin näher. „In den ersten 14 Jahren ihrer Ehe war sie ,dauerschwanger’, brachte acht Kinder zur Welt und musste außerdem drei Fehlgeburten verkraften“, erzählt Schirmer über die Frau, die früher auf dem Hundertmarkschein abgebildet war.

Mit großem Talent gesegnet

Als ihr Ehemann Robert starb, war sie Mitte 30, musste sieben kleine Kinder allein groß ziehen und vom Konzertieren leben. Wie sie das geschafft hat, bewundert Schirmer sehr, aber sie berichtet auch, dass Clara das Glück hatte, nicht nur mit Talent gesegnet zu sein, sondern auch eine weitere gute Voraussetzung mitbrachte: „Clara hatte riesige Hände“.

Im Fokus des Programms stand Clara Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 7. Als 16-Jährige schrieb Clara Wieck das Konzert und führte es, mit Felix Mendelssohn Bartholdy am Pult, im Leipziger Gewandhaus auf. Das Werk bot Schirmer einen kraftvollen, selbstbewussten Auftritt.

Überraschung nach Pause

Im zweiten Satz versteckt sich eine Liebesbotschaft, die sich zwischen Klavier und Cello sehnsuchtsvoll und zärtlich entspann. Der dritte Satz ist ein eleganter Tanz, voller pianistischer Schwierigkeiten, die Ragna Schirmer mühelos meisterte.

Nach der Pause gab es eine Überraschung: Die Streicher spielten das Lied „Ich stand in dunklen Träumen“ als Ständchen zu Schumanns 200. Geburtstag. Im Alter von 21 Jahren hatte Clara einen Zyklus von sechs Liedern komponiert und in diesem ersten Lied ein Gedicht von Heinrich Heine vertont.

Ludwig van Beethoven (1770-1027) spielte für die Pianistin Clara Schumann eine große Rolle. Sie verehrte ihn und spielte seine Musik gern. Das 4. Konzert für Klavier und Orchester war ihr liebstes, und sie fügte dem Werk zwei eigene Kadenzen hinzu.

Wunderbare Sicht auf das Werk

Schirmer nutzte den vollen, warmen Klang des Bösendorfer Flügels und brachte Beethovens Konzert in G-Dur op. 58 fabelhaft zur Geltung. Claras Kadenzen wirkten wie ein selbstverständlicher Bestandteil, Klavier und Orchester fanden immer wieder zu einander und Schirmer gelang eine ganz eigene, wunderbare Sicht auf das Werk.

Als der anschließende Applaus nicht enden wollte, setzte sich Ragna Schirmer noch einmal an den Flügel und spielte ganz zauberhaft das Stück „Kind im Einschlummern“ aus Robert Schumanns Klavierzyklus „Kinderszenen“.

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