Kultur

Kabarett in Ennepetal begeistert Publikum

„Der hat Dinge drauf, da musste erst einmal drauf kommen“: Matthias Reuter spielt mit der Sprache – und wie er sagt, sogar sehr gerne.

„Der hat Dinge drauf, da musste erst einmal drauf kommen“: Matthias Reuter spielt mit der Sprache – und wie er sagt, sogar sehr gerne.

Foto: Büchsenschütz

Ennepetal.   Matthias Reuter in Kulturgarage. Kabarettist zieht Alltag im Land – nicht nur mit Worten – ordentlich durch den Kakao und unterhält das Publikum

Ob ein Kabarett-Programm gut besucht sei, das läge im Auge des Betrachters. Unwissentlich, dass dieses Thema gerade sehr die Besucher der Kultgarage im Haus Ennepetal selbst bewegte, plauderte Matthias Reuter (43) in seinem Programm „Wenn ich groß bin, werde ich Kleinkünstler“ ganz locker aus dem Nähkästchen. Ein Veranstalter habe ihm mal gesagt „Die neue Kabarett-Reihe liefe noch nicht so gut an.“ Letztendlich befand sich niemand im Saal und dann fiel der denkwürdige Satz „Ich gehe mal eben zum nahen Seniorenstift.“ Seitdem freue sich der Musikkabarettist, wenn er in unverbrauchte jugendliche Gesichter blicke – wie an diesem Abend.

Alles eine Frage der Perspektive

Es kommt halt eben alles auf die Perspektive an. Der Oberhausener versicherte später, es handelte sich hierbei um eine wirklich erlebte Geschichte, auch wenn er sonst mit der Sprache gerne spielen würde. In Ennepetal gäbe es laut Auskunft von Erika Schneider (Veranstalter) nur noch 60 Abonnenten, aber an der Abendkasse seien noch 10 Besucher hinzugekommen. Darunter war auch die pensionierte Lehrerin Anne (66), die sich erst um 19 Uhr einmal den Künstler auf YouTube angesehen hatte und kurzfristig beschlossen hatte „Der klingt vielversprechend.“ Ihr Internet-Eindruck wurde live bestätigt und sie lobte: „Der ist sehr abwechslungsreich, Gesang, Lesung, freie Rede – genau das Richtige.“ und fügt lachend zum Programm hinzu „ich habe kein NRW-Abitur und bin als Lehrerin nicht wieder aktiv“.

Reuter hatte in seinem Eröffnungssong am Klavier gekonnt eine Verbindung von Menschen in Nordrhein-Westfalen gezogen, die in Ämter geraten und mit öffentlichen Geldern rechnen müssen. Da würde es schwierig und zeigte an Beispielen von deutschen Großbauprojekten auf, wer alles in NRW Abitur gemacht habe. Allein zwei Vorstände der Deutschen Bahn (Stuttgart 21) stammen aus dem Kreis Kleve, ebenso der „Meister des katholischen Rechenschiebers“ (Franz-Peter Tebartz-van Elst).

Des weiteren schildert er sehr plastisch, wenn bereits pensionierte Lehrer wieder aktiv den Schulunterricht übernehmen, er im Hallenbad Rentner fischt oder seine „Schrömmelschublade“ aufräume. In der Pause hieß es „Der hat Dinge drauf, da musste erst einmal drauf kommen.“

Im Gespräch mit dieser Zeitung äußerte er aber den Wunsch: „Schreiben Sie nicht so viel über mich – sondern lieber über die Kollegen, die noch kommen werden. Ich kenne die drei (Matthias Jung, Sven Kemmler und Frank Sauer), die machen alle ein tolles Programm.“

Reuter kann auch nachdenklich

Er, der gerade noch viel Quatsch auf der Bühne erzählt hat, wird nachdenklich „Es bleibt eine große Aufgabe, Publikum - insbesondere junge Leute - an das Kabarett-Programm und Theater wieder heranzuführen. Vielleicht führt der Weg über Poetry Slam?“ Diejenigen, die an diesem Abend in der „virtuellen Garage“ waren, - Reuter war bereits 2009 in der Tiefgarage - genossen einen humorvollen Abend mit ganz vielen Kleinkunstthemen ohne erhobenen Zeigefinger.

Er verabschiedete das Publikum mit der Erkenntnis seiner Augenärztin „Wenn Sie einen Beruf hätten, dann würde ich Sie jetzt krankschreiben.“ Es müssen nicht immer die Großen sein.

Übrigens: am 14. Juli gibt’s ihn auf WDR 5 zu hören.

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