Giuseppe Guarrera

Großartiges Debüt beim Klavier-Festival Ruhr in Schwelm

Temperamentvoll und stürmisch erklingen Teile der einsätzigen Sonaten, mal versonnen, mal beschwingt spürte Giuseppe Guarrera den Tönen nach und erzeugte eine ungeheure Spannung.

Temperamentvoll und stürmisch erklingen Teile der einsätzigen Sonaten, mal versonnen, mal beschwingt spürte Giuseppe Guarrera den Tönen nach und erzeugte eine ungeheure Spannung.

Foto: Ingenlath-Gegic

Schwelm.  Giuseppe Guarrera beweist beim Auftritt im Ibach-Haus in Schwelm ein großes Gespür für dynamische Kontraste und den Aufbau von Spannung

Der rote Flügel stand vor dem Ibach-Haus und war ein sicheres Zeichen dafür, dass dort ein hochkarätiges Konzert des Klavier-Festivals Ruhr stattfand. Zum zweiten Mal in dieser Saison war das Festival in der historischen Klavierfabrik in Schwelm zu Gast.

Ein Grundgedanke des Klavier-Festivals ist, in über 50 Konzerten sowohl „Living Legends“ als auch „Rising Stars“ zu präsentieren. Der 28 Jahre alte Giuseppe Guarrera ist ein solcher „Rising Star“, ein außergewöhnliches Nachwuchstalent. Nach dem Konzert waren sich Musikliebhaber und Experten einig: Dieser junge Pianist hat gute Aussichten an die Weltspitze zu gelangen.

Giuseppe Guarrera nahm seine Zuhörer im Leo Theater im Ibach-Haus mit auf eine musikalische Reise nach Italien.

Sechs Sonaten voller Glanz

Von den 555 Sonaten, die Domenico Scarlatti (1685-1757) schrieb, wählte Guarrera sechs Sonaten voller Glanz und Schönheit aus. Mit dieser facettenreichen Auswahl zeigte er gleich zu Beginn die große Bandbreite seines Könnens. Eine atemberaubend differenzierte Technik und eine große Fähigkeit zu eigener künstlerischer Gestaltung beherrschten das Spiel des Pianisten. Temperamentvoll und stürmisch erklangen Teile der einsätzigen Sonaten, mal versonnen, mal beschwingt spürte Guarrera den Tönen nach und erzeugte eine ungeheure Spannung.

Das nächste Werk, die Chaconne aus der Partita Nr. 2 von J.S. Bach, war gut hundert Jahre lang vergessen, bis jüngere Komponisten wie Schubert und Brahms sie entdeckten. Giuseppe Guarrera wählte die romantisierende, virtuose Klavier-Fassung von Ferruccio Busoni (1866-1924). Die für eine Chaconne (eine kurze Tanzmelodie im Dreiertakt) typische Wiederholung der Basslinie ließ Guarrera vehement ertönen. Inniges Gefühl wechselte ab mit dramatischer Wucht. Dafür erhob sich der Pianist sogar immer wieder kurz vom Klavierhocker.

Applaus schon zur Pause

Schon zur Pause feierte das Publikum die herausragende Leistung mit großem Applaus.

Italienisch ging es auch nach der Pause weiter: Der Komponist, Pianist und Weltbürger Franz Liszt (1811-1886) begeisterte sich für italienische Dichtung und Musik. Nach seinen Italienaufenthalten 1837 und 1839 schrieb er „Tre Sonetti del Petrarca“, drei Lieder, die er später zu Klavierstücken umarbeitete. Giuseppe Guarrera interpretierte die Sonette auf ganz eigene, wunderbare Art: Er setzte Pausen, spürte Klängen nach und bewies ein ungeheuer großes Gespür für dynamische Kontraste, denen das Publikum gebannt und konzentriert lauschte. Gleich im Anschluss spielte Guarrera „Six Grandes Etudes de Paganini“ von Franz Liszt. Für diese Etüden übernahm Liszt die musikalischen Ideen des „Teufelsgeigers“ Paganini. Er selbst wollte ein „Paganini auf dem Klavier“ werden.

Bis heute ein Ohrwurm

Guiseppe Guarrera ließ die Etüden mal expressiv, mit vollem, aber keineswegs hartem Anschlag, mal tänzerisch leichtfüßig erklingen, und meisterte eindrucksvoll die hohen Anforderungen, die diese Stücke an das Können eines Pianisten stellen. Die dritte Etüde, „La Campanella“ stammt aus dem Schlusssatz des 2. Violinkonzertes von Paganini. Mit seinen zarten Glöckchenklängen ist es bis heute ein beliebter Ohrwurm. Auch dieses recht häufig von Weltklasse-Pianisten gespielte Stück interpretierte Guarrera mit federleichten, dynamischen Abstufungen und gab ihm seine ganz eigene Farbe.

Das Publikum im ausverkauften Saal feierte das herausragende Konzert mit großem Beifall. Spontane „Standing Ovations“ sah man noch nicht so oft bei Konzerten im Ibach-Haus.

Franz Xaver Ohnesorg, der Intendant des Klavier-Festivals Ruhr, richtete nach dem Konzert einen herzlichen Wunsch an den Pianisten: „Please come back to us!“

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