Geschichte

Gevelsberg: Stadtarchivar Detlef Raufelder geht in Ruhestand

Detlef Raufelder ist seit 1993 Stadtarchivar und wird es auch nach seinem Ruhestand Ende des Jahres stundenweise bleiben.

Detlef Raufelder ist seit 1993 Stadtarchivar und wird es auch nach seinem Ruhestand Ende des Jahres stundenweise bleiben.

Foto: Carmen Thomaschewski / WP

Gevelsberg.  Der Gevelsberger Stadtarchivar Detlef Raufelder geht in den Ruhestand. Er war 27 Jahre lang der Hüter der Geschichte. Ein Rückblick.

„Die Stadtarchivare in Gevelsberg waren fast alle Lehrer“, sagt Detlef Raufelder und zeigt auf die Porträt-Fotos seiner Vorgänger an der Wand. Er war in der Stadtverwaltung beschäftigt, als man ihn fragte, ob er die Aufgabe übernehmen möchte. Die nächsten 27 Jahre hatte er einen Hauptjob erst im Bauamt und dann als Personalrat, einen Zweitjob im Stadtarchiv und eine Aufgabe, die ihn erfüllte. Jetzt geht er in den Ruhestand, Zeit für die Gevelsberger Geschichte will er sich aber auch in Zukunft nehmen.

1973 Ausbildung begonnen

Detlef Raufelder sitzt an seinem Schreibtisch im Komplex der Grundschule Vogelsang und schaut auf den Bildschirm. Als er seine Ausbildung 1973 in der Verwaltung begann, gab es noch keine Computer. Es wurde mit Schreibmaschine geschrieben. Eines dieser altertümlich anmutenden Exemplare steht noch auf einem der Tische im Stadtarchiv. Eigentlich sollte hier nur Platz für alte Schriften und Dokumente sein, doch am Schultenhof ist so viel mehr zu entdecken.

400 Quadratmeter fasst das Stadtarchiv. Volle Regalwände, Bücherstapel, unzählige Ordner: In einem Raum stapeln sich etwa 20 Kartons mit dem Nachlass des Stadtchronisten Fritz Sauer. Es waren mal 100 Umzugskartons. 20 Regalmeter sind schon archiviert. Die Enkelin habe die Fotos und Dokumente dem Stadtarchiv überlassen.

Auch Detlef Raufelders Geschichte ist mit der Stadt verbunden, auch wenn seine Vorfahren aus der Schweiz und aus der Nähe von Hildesheim kommen. Sein Vater ist im Stadtteil Vogelsang aufgewachsen. Und nicht am Vogelsang, wie manch einer sagt. „Da rege ich mich immer auf, wenn ich das höre“, sagt er und lacht. Das sei keine Straßen-, sondern eine Ortsbezeichnung, das „am“ gehöre da nicht hin. Und dann beginnt der Stadtarchivar zu erzählen, von 1486, als in einem Schriftstück von „Am Vogelsang“ die Rede ist. Der Name sei dann später auf den Stadtteil übergangen, dort, wo Detlef Raufelder mit seiner Frau gerne lebt und auch im Vereinsleben aktiv ist: seit mehr als 30 Jahren bei der Kirmesgruppe Vogelsang, fast 50 Jahre als Sozialdemokrat. Doch zurück zu „Am Vogelsang“: Raufelder gibt den Tipp: Wer sich für die Geschichte der Straßennamen in Gevelsberg interessiere, dem lege er Dr. Margret Korns Veröffentlichung ans Herz.

Jeden einzelnen Aufsatz habe Detlef Raufelder zwar nicht im Kopf, er wisse aber, wo er nachschauen könne: In seinem Computer, den er seit den 90er Jahren mit viel Inhalt bestückt hat. 18.000 Bücher, 18.000 Verzeichniseinheiten, Zeitungsbände ab 1895: „Hier wird alles gesammelt, was über Gevelsberg und von Gevelsbergern geschrieben wurde“, sagt Raufelder und führt durch die langen Gänge und gefüllten Räume voller Dokumente und Erinnerungen.

Die Geschichte der Schulen sei für Gevelsberg besonders gut heraus gearbeitet, was mit den Vorlieben des Stadtarchivare zu tun hatte. Detlef Raufelder habe keine Präferenzen oder Lieblingsthemen, außer vielleicht seine eigene Ahnenforschung, der er sich im Ruhestand mehr widmen möchte, aber das sei eine persönliche Sache. Beruflich betrachtet sei erst einmal alles interessant. „Wenn sich jemand bei mir meldet und sagt, er hätte alte Unterlagen gefunden, dann soll er die auf jeden Fall ins Stadtarchiv bringen. Wegwerfen kann man das immer noch, wenn es nichts ist.“ So manches Fundstück sei so aufgetaucht.

Vertrag unterschrieben

„Ich habe so viel über Gevelsberg gelernt und erfahren“, sagt er und zeigt auf die Ordner, die neben ihm auf dem Tisch liegen. Ebenso eine unverhoffte Überraschung voller Namen und Daten zu Firmen, deren Gebäude längst nicht mehr stehen, und die kistenweise ins Stadtarchiv gebracht wurden. Eine spannende Lektüre, die manch einem irgendwann einen wichtigen Hinweis auf seine Vergangenheit geben kann.

Wer Familienforschung betreiben will, der soll sich im Stadtarchiv melden. Detlef Raufelder hat viele Tipps und weiß, wo und wie man suchen muss. Wann seine eigene berufliche Geschichte im Stadtarchiv endet? Nach seinem Ruhestand werde er stundenweise weiter für das Stadtarchiv da sein. Der Vertrag ist schon unterschrieben. „Ich hatte das große Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen“, sagt er und freut sich, dass er weiter für das Stadtarchiv da sein kann. Weil er Freude an dieser Aufgabe hat, weil er noch einiges zu tun hat. Auch das gehört zur Geschichte, sie geht immer weiter und hat immer wieder etwas neues zu erzählen.

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