Nachbarschaftsstreit

Gevelsberg: Rentner (72) schlägt Mieterin (21) mit Faust

Der 72-Jährige hat angekündigt, gegen das Urteil vorgehen zu wollen.

Der 72-Jährige hat angekündigt, gegen das Urteil vorgehen zu wollen.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Gevelsberg.  Erst drehte ein Gevelsberger (72) einer jungen Familie im Winter die Heizung ab, dann schlug er die Mutter (21) mit der Faust.

Mit diesem Rentner ist nicht zu spaßen: Als sich eine Gevelsbergerin beim Mann ihrer Vermieterin beschwerte, dass die Heizung abgestellt worden war, soll der 72-Jährige sie mit der Faust geschlagen haben. Der Nachbarschaftskrieg zwischen den jungen Mietern und dem Gevelsberger Senior tobt schon seit Jahren.

Der Angeklagte stritt den Vorwurf sofort ab und erhob stattdessen schwere Anschuldigungen gegen die 21-jährige Mutter. Sie hätte seine Frau, ihre Vermieterin, beschimpft und bedroht. Daraufhin habe er die Heizung bei dem Paar abgedreht. „Ich lass’ die doch nicht mit ihrem Arsch im Warmen sitzen, wenn die meine Frau bedrohen!“, ließ der Angeklagte in giftigem Tonfall verlauten. Ihre Verletzung habe sie sich selbst zuzuschreiben: „Ich hab‘ die nicht angerührt. Ich bin auf sie zu, sie ist einen Schritt zurück und ist hingefallen.“

Es dreht sich um 21.000 Euro

Der Konflikt zieht sich schon länger hin, und es geht um eine Menge Geld. Der Familienvater war einmal in der Firma des Rentners angestellt. Es gab Pläne, dass er die Firma übernehmen sollte. 21.000 Euro habe ihr Freund an den 72-Jährigen gezahlt, erzählte die Geschädigte. Um dieses Geld entbrannte mutmaßlich zwei, drei Tage vor dem Übergriff der Streit, woraufhin der Rentner den beiden und ihren zwei kleinen Kindern die Heizung abstellte.

Am 13. Februar war für die 21-Jährige daher das Maß voll. Ihre Familie hatte ein paar Tage bitterlich in der Wohnung gefroren. Sie beschwerte sich beim Angeklagten und schilderte dem Gericht eine dramatische Szene: „Er brüllte mich an, wir wollten ihm angeblich zwei Polen auf den Hals hetzen wegen des Geldes und hat mich mit der Faust bedroht. Er schubste mich in die Wohnung gegen den Schuhschrank. Er schlug mit der Faust zu und erwischte mich am Nacken, als ich mich wegdrehte. Meine Kinder schrien sich vor Angst die Seele aus dem Leib.“

Gericht schenkt Zeugen keine Glauben

Sie schilderte den ehemaligen Chef ihres Freundes als unnachgiebigen Querulanten, der sie beim Jugendamt angeschwärzt und ihr die Reifen zerstochen hätte. Als die Richterin ihr vorhielt, was der Angeklagte zu dem Vorfall gesagt hatte, bekräftigte sie: „Ich bin nicht gefallen. Er hat mir die Faust gegeben.“

Das Gericht urteilte gegen den 72-Jährigen eine Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro aus. Dabei entschied es sich auch gegen die Version eines vom Angeklagten geholten Zeugen, der dessen Geschichte unterstützt hatte. „Er behauptet, freie Sicht gehabt zu haben, konnte aber entscheidende Details nicht erzählen“, hieß es in der Begründung. Der Rentner kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen.

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