Feuerwehr

Gas in der Fußgängerzone in Schwelm

Gasalarm am Bürgerplatz in Schwelm: Ein großer Teil der Fußgängerzone wird bis in die Abendstunden gesperrt, die Geschäfte schließen.

Gasalarm am Bürgerplatz in Schwelm: Ein großer Teil der Fußgängerzone wird bis in die Abendstunden gesperrt, die Geschäfte schließen.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Bei Arbeiten am Abwasserkanal hat ein Bagger eine Gasleitung am Bürgerplatz in Schwelm getroffen. Über Stunden tritt Erdgas aus dem Leck aus.

Gasalarm im Herzen von Schwelm: Bei Erdarbeiten am Abwasserkanal trifft gegen Montagmittag ein Baggerführer auf dem Bürgerplatz eine Gasleitung. Bis in die Abendstunden strömt noch Gas aus. Deshalb haben die Polizei und die Feuerwehr den Zugang zum Bürgerplatz über Stunden abgesperrt.

Geschäfte schließen

Eine menschenleere Fußgängerzone an einem sonnigen Herbsttag. Zwischen dem Bürgerplatz und dem Gebäude der alten Sparkasse in Schwelm weit und breit keine Menschenseele. Die Stühle vor der Eisdiele Conti sind unbesetzt – trotz angenehmer Temperaturen. In den Ladengeschäften Metzgerei Ranft und der Bäckerei Kaiser sind die Lichter aus. Die Hirsch-Apotheke, das Zeitungskiosk am Bürgerplatz und „Lebenslust“ haben ihre Türen ebenfalls geschlossen.

In diesem Bereich der Fußgängerzone in Schwelm herrscht Ausnahmezustand. Die Feuerwehr hat die Zugänge mit Flatterband abgesperrt, Einsatzkräfte der Wehr, unterstützt durch Mitarbeiter des Schwelmer Ordnungsamtes lassen keine Passanten mehr in Richtung Bürgerplatz durch. Gasgeruch liegt in der Luft. Schon seit Stunden strömt das Erdgas durch ein Leck in der Gasleitung aus, das der Baggerführer bei Arbeiten an der Kanalleitung auf dem Bürgerplatz Montagmittag aus Versehen getroffen hat.

Die Feuerwehr richtet sich schon bald an der Einsatzstelle am Bürgerplatz auf einen längeren Aufenthalt ein. Auf den Behindertenparkplätzen der Sparkasse an der Römerstraße werden Bierzeltgarnituren aufgestellt, um Platz für die Verpflegung der Kräfte vor Ort zu haben. Die Metzgerei Ranft spendiert Frikadellen und Würstchen, die Bäckerei Kaiser versorgt die Wehrleute mit Waffeln. Feuerwehrchef Matthias Jansen dankt den Einzelhändlern dafür.

Doch nicht nur die 150 mm durchmessende Niederdruck-Gasleitung aus Stahl wurde von der Baggerschaufel getroffen. Auch eine ebenfalls 150 mm durchmessene Wasserleitung aus Gussrohr wurde unterbrochen. Laut Auskunft der Pressestelle der AVU sind die Häuser Neumarkt 2 bis 8 seitdem ohne Wasser, da die Leitung abgeschiebert wurde. Gut 130 Kubikmeter Wasser sind im Erdreich versickert.

Die Gaszufuhr selbst ist nicht so leicht abzuschiebern. Das schadhafte Stück Rohr muss isoliert werden. Dazu wird vor und hinter dem Leck die Gasleitung freigelegt und jeweils mit einem Ballon abgedichtet. Den Gasverlust kann die AVU nicht beziffern. „Eine genaue Menge des Gasaustritts können wir nicht nennen, weil wir nur an den Übergabestationen aus dem vorgelagerten Gasnetz die Mengen messen – und natürlich beim Kunden selbst. Aber im Gasleitungsnetz haben wir keine Messstellen – im Gegensatz zum Wasserleitungsnetz“, sagt Jörg Prostka, Pressesprecher der AVU, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Glücklicherweise herrscht am Montag genügend Wind, so dass sich das Gas schnell verflüchtigt. Die Gaskonzentration wird von Mitarbeitern der AVU und der Feuerwehr permanent im Umfeld der Schadensstelle gemessen. Auch die Keller der angrenzenden Häuser werden von den Einsatzkräften in Hinblick auf mögliche Konzentration von Gas in der Luft kontrolliert. „Wir reparieren die Nacht durch. Sobald die Gasleitung abgedichtet ist, geht es an die schadhafte Wasserleitung“, sagt Jörg Prostka. Glück im Unglück. Die Gasversorgung der umliegenden Häuser ist nicht beeinträchtigt. Lediglich das Patrizierhaus der Brauerei, das heute der Sparkasse gehört, ist vom Gasnetz abgeschnitten. Doch die Immobilie ist zurzeit sowieso ungenutzt.

Uneinsichtige Passanten

Das Ordnungsamt der Stadt Schwelm ist zur Unterstützung der Feuerwehr mit acht Mitarbeitern im Einsatz. „Wir könnten aber auch 30 Mitarbeiter gebrauchen, weil die Leute so uneinsichtig sind und die Absperrungen missachten“, sagt Christian Rüth, Ordnungsamtsleiter. Insgesamt sind 18 Feuerwehrkräfte und 3 Rettungsdienstkräfte am Bürgerplatz im Einsatz und 4 zusätzliche Kräfte auf der Wache August-Bendler-Straße zusammengezogen worden. 7 Fahrzeuge einschließlich des Rettungswagens sind in der Innenstadt in Bereitschaft. „Gott sei Dank sind solche Schadensereignisse eher selten. Ein Einsatz dieser Art pro Jahr ist für uns normal bis viel“, sagt Jörg Prostka. Kurz vor 19 Uhr war am Montagabend das Leck in der Gasleitung wieder geschlossen.

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