Klassik

Fulminante Gala zum 70. der Konzertgesellschaft Gevelsberg

Ganz große Oper: Zu den hervorragenden Solisten dieses Abends zählen Adam Kutny (vorne) sowie Marija Vidović und Joo-Hee Jung (daneben).

Ganz große Oper: Zu den hervorragenden Solisten dieses Abends zählen Adam Kutny (vorne) sowie Marija Vidović und Joo-Hee Jung (daneben).

Foto: Ingenlath-Gegic

Gevelsberg.   „Es wird sehr intensiv, sehr schön, aber laut“, warnte der Dirigent „die Herrschaften in der ersten Reihe“. Und dann ging es los.

Mit einer großen Konzert-Gala feierte die Konzertgesellschaft Gevelsberg ihr 70-jähriges Bestehen. Die Plätze im Konzertsaal des Zentrums für Kirche und Kultur waren ausverkauft und der Vorsitzende Dr. Michael Ostermann konnte im Publikum auch offizielle Gäste wie Bürgermeister Claus Jacobi, Landrat Olaf Schade und MdL Hubertus Kramer begrüßen.

Zweites Meisterkonzert der Saison

Zum zweiten Meisterkonzert der Saison spielte die Philharmonie Südwestfalen unter der musikalischen Leitung des Spaniers Carlos Dominguez-Nieto Klavierkonzerte und Arien von Schostakowitsch, Rimski-Korsakow und Tschaikowsky. „Es wird sehr intensiv, sehr schön, aber laut“, warnte der Dirigent „die Herrschaften in der ersten Reihe“.

Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 1 op. 35 eröffnete den Konzertabend. Schostakowitsch(1906-1975) nannte sein 1933 komponiertes Werk eine „spöttische Herausforderung an den konservativ-seriösen Charakter des klassischen Konzert-Gestus“. Gleich zu Beginn zitiert er Beethoven, kokettiert mit einem Thema von Haydn, erweckt romantische Emotionen, auf die sogleich Brüche und ironische Anklänge folgen. Einzigartig in der Musikgeschichte ist die Besetzung mit zwei Soloinstrumenten. Der junge deutsch-chinesische Pianist Yi Lin Jiang am Klavier und Solotrompeterin Laura Vukobratović, Professorin an der Folkwang-Universität Essen, meistern ihre Parts großartig.

Zwei Romanzen, in Russischer Sprache gesungen von Marija Vidović, folgten im Programm: das berührende Liebeslied „Es ist nicht der Wind, der vom Hügel weht“ aus dem Liederzyklus „Im Frühling“ von Nikolai Rimskij-Korsakow (1844-1908) und Tschaikowskys „Nur wer die Sehnsucht kennt“, nach dem bekannten Goethe-Lied. Mit ihrem warmen, hervorragend geführten Sopran sang sich Vidović gleich in die Herzen der Zuhörer. Sehr innig gestaltete sie das erste Lied, fein und filigran mit schönem Timbre die zweite Romanze.

Noch einmal Tschaikowsky (1840-1893), aber diesmal „ganz große Oper“ präsentierten Joo-Hee Jung und Adam Kutny: Sie sangen sehr bewegend das Schlussduett zwischen Tatjana und Onegin aus der Oper „Eugen Onegin“.

Kraftvoll mit großem Volumen

Der junge Bariton (1992 in Polen geboren), der zurzeit Mitglied des Opernstudios der Staatsoper Unter den Linden ist, sang kraftvoll mit großem Volumen und gab doch feinsinnig die Stimmung des Duetts wieder. Die aus Korea stammende Sopranistin sang die Tatjana ebenso jugendlich wie stimmgewaltig. Sänger und Orchester agierten perfekt abgestimmt miteinander. Nach der Pause sang Francisco Araiza die anrührende Arie des Lenski aus der Oper „Eugen Onegin“. Der 1950 in Mexiko geborene Tenor begann 1980 unter Herbert von Karajan seine Weltkarriere.

Tschaikowskys großes Klavierkonzert Nr. 1 in b-moll, eines der berühmtesten Klavierkonzerte überhaupt, bildete den Abschluss und Höhepunkt des Abends. Hier beeindruckte die erst 18-jährige Clara Siegle das Publikum.

Die Pianistin, die bereits 2014 ihr Studium als Jungstudentin an der Musikhochschule München begann und bei zahlreichen Klavierwettbewerben erfolgreich war, spielte prunkvoll und majestätisch den Beginn, der in Kontrast zu einer immer wiederkehrenden einfachen Melodie steht. Siegle wechselte perfekt zwischen vehementem Anschlag und sanften Tönen. Mit sattem Streicherglanz gestaltet das Orchester den schmeichelnden Dialog mit dem Klavier. Hier hätte Dominguez-Nieto an einigen Stellen das Orchester noch etwas zurücknehmen können. Der kontrastreiche erste Satz, er umfasst immerhin 3/5 des gesamten Klavierkonzerts, riss das Publikum so mit, dass es begeistert applaudierte.

Auch den zarten Tönen nachgespürt

Es folgten aber noch zwei Sätze, in denen Clara Siegle auch den zarten Tönen nachspürte, die sie aus den Tasten des wunderbaren Bösendorfer Flügels zauberte. Am Ende des 3. Satzes verlangt Tschaikowsky noch einen Sprint über die gesamte Klavier-Tastatur, den Siegle grandios meisterte.

Das Publikum klatschte und jubelte begeistert für ein rundherum großartiges Jubiläums-Konzert.

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