Bäder-Diskussion

Freibad-Gelände groß genug für beide Varianten

Nach dem Willen der Mehrheitspolitik soll hier in den nächsten Jahren eine ganzheitliche Bäderlösung entstehen: auf dem Gelände des Schwelmebades.

Foto: Hans Blossey

Nach dem Willen der Mehrheitspolitik soll hier in den nächsten Jahren eine ganzheitliche Bäderlösung entstehen: auf dem Gelände des Schwelmebades. Foto: Hans Blossey

Schwelm.   In der Diskussion um die Zukunft der Bäderlandschaft liegt die Expertise der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen vor.

Nach Monate langen Diskussionen zur Zukunft der Schwelmer Bäderlandschaft konzentriert sich die Politik aktuell auf zwei Varianten: Das Freibad zu erhalten und auf dem Gelände ein neues Hallenbad zu bauen oder das Freibad platt zu machen und an gleicher Stelle ein Ganzjahresbad zu errichten. Doch ist das auf dem Gelände überhaupt machbar? Mit dieser Frage hatte die Stadtverwaltung die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen GmbH (DGfdB) beauftragt. Nun liegen die Antworten dazu vor.

Nur quantitative Einschätzungen

Kurt Pelzer, Architekt, Stadtplaner sowie Sachverständiger für Bäderbau, erschien in der jüngsten Sitzung des Rats der Stadt Schwelm, um in seiner Eigenschaft als DGfdB-Vorstand die Schwelmer Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit über die Ergebnisse des Prüfauftrages zu informieren. Vorab: Zur Erörterung standen nur quantitative Einschätzungen der ganzheitlichen Badelösung anhand vorgegebener Plankennzahlen. Also, ob die Fläche des Schwelmebades für Variante A oder B ausreichend groß ist und wie und wo ein neues Gebäude in das Gelände, das von mehreren Seiten von Hängen umgeben ist, eingefügt werden kann.

Und doch bot das, was Kurt Pelzer im Rat mitzuteilen hatte, einiges an Neuem, was in der Bäderdiskussion so bisher nicht zu hören war. Dazu gehörte natürlich nicht, dass das Gelände des Schwelmebades generell ausreicht, um Platz für ein neues Hallenbad neben dem Freibad zu bieten. Oder dass genügend Fläche für ein neues Ganzjahresbad vorhanden ist. Das Freibad-Areal ist groß, und die Fläche würde sogar reichen, wenn man sicherheitshalber etwas größer dimensionierte Plankennzahlen zugrunde legt, was die DGfdB bei ihrer Expertise auch tat.

Neu und für einige überraschend war jedoch, dass das ganze Vorhaben durchaus eine klimatische Bedeutung hat. Denn dort, wo das Schwelmebad liegt, befindet sich eine wichtige Frischluftschneise für die Stadt. Um das Innenstadt-Klima nicht zu verschlechtern, sollte man die Schneise tunlichst nicht mit einem mehrgeschossigen Neubau verriegeln. Auch aus diesem Grund empfiehlt die Gesellschaft einen Neubau (egal ob Hallenbad oder Ganzjahresbad) auf dem Freibadgelände in Höhe des heutigen Parkplatzes. Und wegen der Luftströme rät sie zu einer Bebauung parallel zur Schwelmestraße.

Das ist auch deshalb interessant, weil in der Vergangenheit immer die Rede davon war, dass das neue Hallenbad dort hin kommen könnte, wo sich aktuell das Nichtschwimmerbecken befindet.

Und wie muss man sich die Neubauten nun vorstellen? Die DGfdB legte dazu keine konkreten Entwürfe vor. Die sind später Sache der Architekten. Anhand der Vorgaben aus Schwelm und mithilfe besagter Plankennzahlen sind jedoch verlässliche System-Berechnungen möglich. Und die sehen laut Kurt Pelzer wie folgt aus:

Ein Hallenbad mit 25-Meter-Becken (sechs Bahnen), mit Lehrschwimmbecken und Kinderbecken ergibt eine Wasserfläche von 618 Quadratmetern. Die ließen sich in einem Baukörper unterbringen, der sieben Meter hoch ist und eine Grundfläche von 2400 Quadratmetern hat. Ein solches Gebäude ließe genügend Platz drumherum für Zuwegung, Vorplatz und Abstandsflächen. Das Gebäude könnte auf dem Gelände so errichtet werden, dass es einen gemeinsamen Eingang für Freibad und Hallenbad gibt. Das heutige Planschbecken und die Trafostation müssten dem Neubau allerdings weichen.

An etwa gleicher Stelle würde auch ein Ganzjahresbad hinpassen. Es soll im Innern bekanntlich ein Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmerbecken und ein Sprungbecken haben (751 Quadratmeter Wasserfläche) und außen ein 100 Quadratmeter großes Schwimmbecken bekommen.

Der dafür nötige Baukörper fällt etwas größer aus als fürs Hallenbad und die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsflächen (auch größer) würden einen Teil des heutigen Parkplatzes „fressen“. Das ist laut Bädergesellschaft aber darstellbar, weil sich durch den Wegfall des Freibades neuer Parkraum an anderer Stelle ergibt.

Von den Dimensionen her würden also beide Varianten aufs Gelände passen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bevor es in die konkrete Planung geht, ist erst zu klären, ob der Untergrund für eine Bebauung überhaupt geeignet ist. Diese Frage war nicht Gegenstand des Prüfauftrages, wie Kurt Pelzer erklärte. Er wies darauf hin, dass das Gelände aufgeschüttet sei, und empfahl der Stadt ein Boden-Gutachten. Bürgermeisterin Gabriele Grollmann erklärte, die Kosten für das Gutachten bis zum Ende der Sommerpause ermitteln zu wollen.

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